Der Kormoran – schwarzer Taucher unserer Gewässer
Aktualisiert: 26. Sept.
Der Kormoran (Phalacrocorax carbo) gehört zu den auffälligsten Wasservögeln Europas. Mit seinem fast schwarzen, metallisch schimmernden Gefieder, dem langen Hals und dem kräftigen Hakenschnabel wirkt er unverwechselbar.
Seine eigentliche Stärke zeigt der Kormoran jedoch unter Wasser. Mit kräftigen Ruderfüßen verfolgt er Fische tauchend und kann dabei erstaunliche Tiefen erreichen. Nach der Jagd sitzt er häufig mit weit ausgebreiteten Flügeln auf einem Baum, Pfahl oder Felsen – eine typische Haltung, mit der er sein teilweise durchnässtes Gefieder trocknen lässt.
Kormorane leben an Seen, Flüssen, Küsten und anderen fischreichen Gewässern und brüten häufig in Kolonien. Ihr Verbreitungsgebiet reicht weit über Europa hinaus; die Art kommt in großen Teilen Eurasiens, Afrikas und Australiens vor.
Als hoch spezialisierter Fischjäger ist der Kormoran ein natürlicher Bestandteil aquatischer Ökosysteme – und zugleich eine der am kontroversesten diskutierten Vogelarten an unseren Gewässern.

Steckbrief des Kormorans
Deutscher Name: Kormoran
Wissenschaftlicher Name: Phalacrocorax carbo
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Ordnung: Suliformes
Körperlänge: etwa 77–94 cm
Flügelspannweite: ungefähr 121–160 cm
Gewicht: meist etwa 1,7–3,2 kg
Nahrung: fast ausschließlich Fische
Lebensraum: Küsten, Seen, Flüsse, Teiche und andere fischreiche Gewässer
Gelege: meist 3–5 Eier
Brutdauer: ungefähr 23–30 Tage
Nestlingszeit: etwa 6–7 Wochen
Flugfähigkeit: ungefähr ab zwei Monaten
Geschlechtsreife: meist ab dem dritten Lebensjahr
Zugverhalten: Stand-, Teil- und Zugvogel – abhängig von Population und Region
IUCN-Status: Least Concern – nicht gefährdet
Brutbestand Deutschland: etwa 23.000–28.000 Paare
Für Europa werden traditionell zwei besonders wichtige Unterarten unterschieden: Phalacrocorax carbo carbo, die vor allem an den Atlantikküsten West- und Nordeuropas vorkommt, und Phalacrocorax carbo sinensis, die in weiten Teilen des europäischen Binnenlandes verbreitet ist.

Schwarz ist nicht einfach schwarz
Auf den ersten Blick erscheint ein erwachsener Kormoran nahezu vollständig schwarz.
Bei guten Lichtverhältnissen zeigt sich jedoch, dass sein Gefieder wesentlich abwechslungsreicher ist.
Die Federn können grünlich, bläulich oder bronzefarben schimmern. Im Prachtkleid kommen helle beziehungsweise weiße Federpartien an Kopf, Hals und Schenkeln hinzu.
Typische Merkmale sind:
langer, kräftiger Hals
dunkler Körper
kräftiger Hakenschnabel
gelbliche nackte Haut am Schnabelgrund
auffallend grünlich-türkise Augen
große Schwimmfüße
relativ langer Schwanz
Jungvögel unterscheiden sich deutlich von ausgewachsenen Tieren.
Ihr Gefieder ist überwiegend braun und besonders an Brust und Bauch häufig wesentlich heller.

Das „fliegende Kreuz“
Auch im Flug besitzt der Kormoran eine charakteristische Silhouette.
Der lange Hals wird gerade nach vorne gestreckt, während der Schwanz nach hinten ragt. Zusammen mit den breiten Flügeln entsteht das Erscheinungsbild eines „fliegenden Kreuzes“.
Einzelne Tiere fliegen häufig niedrig über dem Wasser.
Größere Trupps können dagegen in Formation in beträchtlicher Höhe unterwegs sein.
Gerade während der Zugzeit erinnert eine Gruppe fliegender Kormorane aus größerer Entfernung manchmal an Gänse.
Warum breitet der Kormoran seine Flügel aus?
Kaum eine Körperhaltung ist so typisch für den Kormoran.
Nach dem Tauchen setzt er sich auf einen Ast, Felsen oder Pfahl und breitet die Flügel aus.
Der Grund liegt unter anderem in seinem besonderen Gefieder.
Es ist nicht vollständig wasserabweisend. Ein Teil des Gefieders nimmt beim Tauchen Wasser auf. Das reduziert den Auftrieb und erleichtert dem Kormoran die Unterwasserjagd.
Nach dem Tauchgang muss das Gefieder anschließend wieder trocknen.
Die weit ausgebreiteten Flügel unterstützen diesen Prozess und können gleichzeitig bei der Wärmeregulation helfen.
Was auf den ersten Blick wie Sonnenbaden aussieht, ist also Teil einer bemerkenswerten Anpassung an das Leben zwischen Luft und Wasser.

Wo lebt der Kormoran?
Der Kormoran besitzt ein gewaltiges Verbreitungsgebiet.
Er kommt in großen Teilen von Europa, Asien, Afrika und Australien sowie in Teilen des nordatlantischen Raumes vor.
In Deutschland findet man ihn sowohl an den Küsten von Nord- und Ostsee als auch weit im Binnenland.
Geeignete Lebensräume sind:
große Seen
Flüsse
Stauseen
Baggerseen
Fischteiche
Flussmündungen
Küsten
Bodden und Lagunen
größere Feuchtgebiete
Entscheidend ist vor allem ein ausreichender Fischbestand.
Zum Brüten braucht der Kormoran zusätzlich geeignete Bäume, Felsen, Inseln oder andere sichere Nistplätze.

Deutschland – vom seltenen Vogel zum häufigen Brutvogel
Der heutige Bestand ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Entwicklung.
Durch intensive menschliche Verfolgung wurde der Kormoran im 19. und frühen 20. Jahrhundert in weiten Teilen Mitteleuropas stark dezimiert.
Kolonien wurden zerstört, Nester vernichtet und Vögel getötet, weil sie als Konkurrenz zur Fischerei galten.
Mit verbessertem gesetzlichen Schutz konnten sich die Bestände später wieder erholen.
Für den Zeitraum 2017 bis 2022 werden in Deutschland etwa 23.000 bis 28.000 Brutpaare angegeben.
Außerhalb der Brutzeit ist die Zahl der anwesenden Tiere noch wesentlich höher: Etwa 160.000 Individuen wurden im Herbst und rund 110.000 im Winter erfasst.
Damit gehören Kormorane heute wieder fest zur deutschen Gewässerlandschaft.

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Nahrung – Fisch steht fast immer auf dem Speiseplan
Der Kormoran ist ein hoch spezialisierter Fischfresser.
Welche Fischarten er erbeutet, hängt jedoch stark davon ab, was in einem Gewässer häufig und leicht erreichbar ist.
Typische Beutefische sind beispielsweise:
Rotaugen
Brachsen
Barsche
Stichlinge
Stinte
kleinere Karpfenfische
regional auch Salmoniden oder Aale
Der Kormoran besitzt also keinen festen Speiseplan.
Er ist vielmehr ein Nahrungsopportunist.
Er nimmt bevorzugt die Fische, die sich mit möglichst geringem Energieaufwand erbeuten lassen.

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Wie viel Fisch frisst ein Kormoran?
Auch hier kursieren sehr unterschiedliche Zahlen.
Das Bundesamt für Naturschutz nennt ungefähr 300 bis 500 Gramm Fisch pro Tag als Orientierung.
Der tatsächliche Bedarf schwankt.
Ein brütender Altvogel, der zusätzlich Jungtiere versorgt, benötigt mehr Energie als ein ruhender Vogel außerhalb der Brutzeit.
Auch Wassertemperatur, Fischgröße, Jagderfolg und Flugaktivität beeinflussen den Bedarf.
Unterwasserjäger mit eingebautem Ballast
Im Wasser liegt der Kormoran auffallend tief.
Das ist kein Zufall.
Sein Körper besitzt mehrere Anpassungen, die den Auftrieb reduzieren und das Tauchen erleichtern.
Den eigentlichen Vortrieb unter Wasser erzeugen vor allem die weit hinten am Körper sitzenden Schwimmfüße.
Mit ihnen rudert der Kormoran kräftig durch das Wasser.
Seine Flügel nutzt er dabei nicht wie ein Pinguin als primären Unterwasserantrieb.

Wie tief kann ein Kormoran tauchen?
Die meisten Jagdtauchgänge finden relativ nahe an der Oberfläche beziehungsweise in geringen bis mittleren Wassertiefen statt.
Der LBV nennt jedoch Tauchgänge von bis zu etwa 30 Metern Tiefe und bis zu 90 Sekunden Dauer.
Solche Extremwerte sind nicht der Alltag.
An vielen Binnengewässern reichen wenige Meter Tiefe völlig aus, um geeignete Beute zu erreichen.
Der Fang
Unter Wasser verfolgt der Kormoran einen Fisch aktiv.
Sein kräftiger Schnabel besitzt an der Spitze einen deutlich ausgeprägten Haken, der beim Festhalten glitschiger Beute hilft.
Nach erfolgreichem Fang taucht der Vogel häufig wieder auf.
Der Fisch wird anschließend so gedreht, dass er möglichst mit dem Kopf voran verschluckt werden kann.
Damit legen sich Flossen und Schuppen günstiger an den Körper an.

Jagd allein oder im Team
Kormorane können sowohl einzeln als auch gemeinsam jagen.
Besonders bei größeren Fischschwärmen lassen sich manchmal beeindruckende Gruppenjagden beobachten.
Mehrere Vögel tauchen gleichzeitig und bewegen einen Fischschwarm in eine bestimmte Richtung.
Dadurch können die Fische dichter zusammengetrieben und leichter erbeutet werden.
Nicht jede Jagd ist jedoch ein koordiniertes Gemeinschaftsmanöver.
Einzeljagd ist ebenfalls völlig normal.
Kormoran gegen Fischerei – ein komplizierter Konflikt
Kaum ein Thema rund um den Kormoran wird emotionaler diskutiert.
Fischzüchter, Berufsfischer und Angler können durch Kormorane tatsächlich wirtschaftliche beziehungsweise lokale Verluste erleiden.
Besonders problematisch können große Vogelansammlungen an:
Fischzuchtanlagen
Teichwirtschaften
kleinen Fließgewässern
Winterkonzentrationen von Fischen
Gewässern mit gefährdeten Fischbeständen
sein.


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Traditionelle Kormoranfischerei in China
Die chinesische Kormoranfischerei gehört zu den außergewöhnlichsten historischen Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier. Dabei nutzen Fischer trainierte Kormorane – in China traditionell vor allem Formen des Kormorans (Phalacrocorax carbo) – um Fische unter Wasser aufzuspüren und zu fangen.
Was einst eine echte Erwerbsform der Fischerei war, wird heute nur noch an wenigen Orten praktiziert. Besonders bekannt ist die Tradition am Li-Fluss bei Guilin und Yangshuo sowie aus dem Gebiet um den Erhai-See in Yunnan. Rund um den Li-Fluss wird sie inzwischen vor allem im Zusammenhang mit Kulturpflege, Fotografie und Tourismus gezeigt.

Mehr als 1.000 Jahre Tradition
Die Fischerei mit abgerichteten Kormoranen besitzt in Ostasien eine lange Geschichte.
Historische Quellen belegen die Nutzung trainierter Kormorane bereits vor mehr als einem Jahrtausend. Eine frühe schriftliche Erwähnung aus dem Jahr 607 beschreibt die Praxis in Japan; für China entwickelte sich später eine besonders ausgeprägte Form, bei der Kormorane gezüchtet, aufgezogen und gezielt für die Fischerei trainiert wurden.
In Süd- und Südwestchina wurde die Methode über Generationen als Erwerbsfischerei betrieben.
Heute ist davon nur noch wenig übrig.

So werden die Kormorane trainiert
Die Beziehung zwischen Fischer und Vogel entsteht nicht erst auf dem Wasser.
Traditionell werden die Tiere über längere Zeit an Menschen, Boote und bestimmte Kommandos gewöhnt. Fischer können ihre Kormorane beispielsweise durch Rufe, Pfiffe oder Bewegungen zur Jagd auffordern.
Die Tiere lernen:
vom Boot oder Floß ins Wasser zu gehen,
nach Fischen zu tauchen,
nach dem Fang zurückzukehren,
ihre Beute an den Fischer abzugeben.
Historische Beschreibungen zeigen, dass die Ausbildung ausgesprochen intensiv sein konnte und sich über Monate erstreckte.
Das berühmte Halsband
Das auffälligste Merkmal der traditionellen Fangmethode ist ein locker angebrachtes Band beziehungsweise eine Schnur am Hals des Kormorans.
Sie verhindert, dass der Vogel größere gefangene Fische vollständig hinunterschluckt.
Kleinere Beutetiere beziehungsweise später verabreichte Fische dienen dem Tier als Nahrung und Belohnung.
Hat ein Kormoran einen größeren Fisch gefangen, kehrt er zum Boot zurück. Der Fischer nimmt die Beute anschließend entgegen. Dieses Verfahren ist historisch gut dokumentiert.

Ein perfekter Unterwasserjäger
Er kann:
hervorragend tauchen,
Fische unter Wasser aktiv verfolgen,
mit seinen kräftigen Schwimmfüßen schnell manövrieren,
glitschige Beute mit seinem Hakenschnabel festhalten.
Der Mensch nutzt dabei also kein künstlich erzeugtes Verhalten, sondern lenkt den natürlichen Jagdtrieb des Vogels.
Das macht die traditionelle Kormoranfischerei aus biologischer Sicht besonders interessant.
Bambusflöße, Laternen und der Li-Fluss
Die heute bekanntesten Bilder stammen vom Li-Fluss in Guangxi.
Dort stehen Fischer auf schmalen Bambusflößen vor den spektakulären Karstbergen rund um Guilin und Xingping.
Traditionell beziehungsweise bei heutigen Vorführungen kommen unter anderem zum Einsatz:
Bambus- oder Holzflöße,
lange Stangen zum Steuern,
Körbe für gefangene Fische,
trainierte Kormorane,
bei Abendvorführungen Laternen oder Lampen.

Vom Broterwerb zur Kulturvorführung
Früher war die Kormoranfischerei eine echte wirtschaftliche Tätigkeit.
Das änderte sich mit modernen Fangmethoden, wirtschaftlichem Wandel und Veränderungen der ländlichen Lebensweise.
Eine Untersuchung am Erhai-See zeigte, wie schnell die Tradition bereits Ende des 20. Jahrhunderts zurückging: Zwischen 1985 und 1995 sank dort die Zahl der Familien mit Kormoranen von 72 auf 27; im Jahr 2000 fanden die Forscher nur noch zehn entsprechende Familien. Diese Zahlen beziehen sich ausdrücklich auf dieses Untersuchungsgebiet und sind keine aktuelle Gesamtzahl für China.
Heute hat sich das Zentrum der sichtbaren Tradition teilweise in Richtung Tourismus und Fotografie verschoben. Am Li-Fluss werden entsprechende Vorführungen noch angeboten, während die Kormoranfischerei als alltägliche Erwerbsform weitgehend verschwunden ist.
Ist Kormoranfischerei nachhaltig?
Die traditionelle Methode benötigt zwar weder große Schleppnetze noch motorisierte Fangtechnik und kann im kleinen Maßstab sehr selektiv sein.
Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede Form der Kormoranfischerei ökologisch nachhaltig ist.
Die tatsächliche Wirkung hängt unter anderem ab von:
Zahl der eingesetzten Vögel,
Fangintensität,
Fischbeständen,
Fangzeiten,
Größe der entnommenen Fische,
Zustand des jeweiligen Gewässers.

Tierwohl gehört zur Geschichte dazu
Das traditionelle Halsband verhindert das Verschlucken größerer Fische und greift damit bewusst in die Nahrungsaufnahme des Vogels ein.
Seriöse Anbieter sollten deshalb darauf achten, dass die Tiere ausreichend gefüttert, nicht überfordert und artgerecht behandelt werden.
Zwischen Mensch und Wildtier
Gerade darin liegt die besondere Bedeutung der chinesischen Kormoranfischerei.
Über viele Generationen lernten Fischer, die natürlichen Jagdfähigkeiten eines hoch spezialisierten Wasservogels für den eigenen Lebensunterhalt zu nutzen.
Heute erzählt diese Tradition weniger von moderner Fischproduktion als von einer verschwindenden Lebensweise.
Am Li-Fluss ist aus dem ehemaligen Arbeitsvogel inzwischen vielfach ein Botschafter für Kulturgeschichte und Tourismus geworden.

Vagabundo-Fakt
Historische Berichte beschreiben chinesische Fischerkormorane als so stark an den Menschen gewöhnt, dass sie gezüchtet, von Menschen aufgezogen und über Monate trainiert wurden. Eine Nature-Veröffentlichung von 1932 bezeichnete diese Form sogar ausdrücklich als weitgehende Domestikation – deutlich stärker als die ebenfalls traditionsreiche Kormoranfischerei in Japan:
Fazit – eine alte Partnerschaft verschwindet
Die traditionelle Kormoranfischerei in China ist weit mehr als ein spektakuläres Fotomotiv.
Sie erzählt von einer jahrhundertelangen Zusammenarbeit zwischen Fischer und Vogel, von der perfekten Unterwasserjagd des Kormorans und von einer Zeit, in der ein kleines Boot, einige trainierte Vögel und die Kenntnis eines Flusses zum Lebensunterhalt einer Familie beitragen konnten.
Heute hat moderne Fischerei diese Arbeitsweise fast vollständig verdrängt.
Was geblieben ist, ist ein seltenes kulturelles Erbe – und ein faszinierender Einblick in die lange Beziehung zwischen Mensch, Kormoran und Gewässer.




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