Der Turmfalke (Falco tinnunculus)
- Vagabundo
- 24. März 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Der Turmfalke: Der lautlose Rüttler am Himmel – Jäger der Superlative
Er ist der „Priesterfalke“ der Kirchen und der Akrobat der Autobahnränder: Der Turmfalke (Falco tinnunculus). Fast jeder hat ihn schon einmal gesehen, wie er scheinbar bewegungslos in der Luft „steht“. Doch hinter dem hübschen Falken verbirgt sich ein hochspezialisierter Jäger mit biologischen Superkräften.
🦅 Erscheinungsbild: Ein Falke mit zwei Gesichtern
Der Turmfalke macht es uns einfach, die Geschlechter zu unterscheiden (Geschlechtsdimorphismus):
Die Herren: Tragen einen eleganten grauen Kopf und einen grauen Stoß (Schwanz) mit schwarzer Endbinde.
Die Damen: Sind robuster und durchgehend in warmen Brauntönen gemustert. Beide beeindrucken mit einer Flügelspannweite von bis zu 82 cm und dem markanten „Falkenbart“ unter den wachsamen gelben Augen.

Der Rüttelflug: Jagd mit UV-Sicht
Warum „steht“ der Turmfalke in der Luft? Diese Technik nennt man Rüttelflug. Mit schnellen Flügelschlägen und gespreiztem Schwanz scannt er den Boden. Sein Geheimnis: Turmfalken sehen ultraviolettes Licht. Sie erkennen die Urinspuren von Feldmäusen, die im UV-Licht leuchten wie Leuchtreklamen. Einmal fixiert, schlägt der Falke im rasanten Sturzflug zu.

Fortpflanzung: Vom Fels in den Kirchturm
Ab März beginnt die spektakuläre Balz mit Loopings und lauten „Kikiki“-Rufen. Als klassische Kulturfolger nutzen Turmfalken heute:
Kirchtürme und Nischen an Hochhäusern
Alte Krähennester
Spezielle Nistkästen
Das Weibchen brütet etwa 28 Tage lang auf 3 bis 6 rotbraun gefleckten Eiern. Währenddessen ist das Männchen der alleinige Versorger. Die Jungvögel sind nach etwa 30 Tagen flugfähig, bleiben aber noch „Hotel-Mama“-Gäste, bis sie die Jagd perfekt beherrschen.
Wanderlust: Zwischen Heimat und Afrika
Der Turmfalke ist ein Teilzieher. Während unsere heimischen Falken oft als Standvögel im Revier bleiben, ziehen nordische Verwandte bis zu 6.000 km weit nach Subsahara-Afrika. Dieses flexible Zugverhalten macht ihn zu einem der erfolgreichsten Greifvögel Eurasiens.

Gefährdung: Ein Alarmsignal der Natur
Obwohl er mit 40.000 bis 60.000 Paaren in Deutschland noch häufig ist, gehen die Bestände zurück. Intensive Landwirtschaft, Pestizide und fehlende Brachflächen vernichten seine Nahrungsgrundlage (80% Feldmäuse). Der Schutz von Turmfalken ist daher aktiver Umweltschutz für unsere gesamte Kulturlandschaft.
Der Turmfalke-Steckbrief auf einen Blick
Merkmal | Details |
Spannweite | ca. 70 - 82 cm |
Gewicht | 150 - 300 g |
Nahrung | Mäuse, Kleinvögel, Insekten |
Brutzeit | April bis Juni (1 Brut/Jahr) |
Lebenserwartung | 10 - 18 Jahre |
Besonderheit | UV-Sicht & Rüttelflug |



Steckbrief des Turmfalken
Name: Turmfalke
Lateinischer Name: Falco tinnunculus
Familie: Falkenartige (Falconidae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Gattung: Falken (Falco)
Größe: 32 - 38 cm
Gewicht: etwa 200 Gramm (Männchen), etwa 220 - 300 Gramm (Weibchen)
Flügelspannweite: 82 cm
Brut: eine Jahresbrut
Brutzeit: April - Juni
Anzahl der Eier: 4 - 6, manchmal auch 7
Nahrung: Mäuse, kleine Säuger, kleine Singvögel, Käfer, Regenwürmer
Lebenserwartung: 10 - 18 Jahre
Zugverhalten: nur in kalten nördlichen Regionen, Teilzieher
Feinde: Habicht, Marder, Uhu, Mensch, Krähen, Parasiten, Infektionskrankheiten
Lebensraum: Offene und halboffene Landschaften, Siedlungen und Städte
Bedrohung: Ja, da ein Rückgang an Nahrung und Nistplätzen zu verzeichnen ist





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