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Der Wanderfalke (Falco peregrinus): Das schnellste Tier der Welt

22. Dez. 2023
9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Sept.


Wanderfalke auf Felsen vor Küstenlandschaft, mit Infokästen zu Tempo, Jagd, Lebensraum, Verbreitung und Besonderheit.


Der Wanderfalke (Falco peregrinus) ist einer der schnellsten und beeindruckendsten Greifvögel der Welt. Er ist bekannt für seine außergewöhnliche Fluggeschwindigkeit und seine beeindruckenden Tauchjagden, bei denen er Beutetiere wie Tauben und andere Vögel mit unglaublicher Präzision erlegt. Der Wanderfalke ist in vielen Teilen der Welt verbreitet und passt sich unterschiedlichsten Lebensräumen an, von Küstenregionen bis hin zu urbanen Gebieten. Aufgrund seiner beeindruckenden Flugfähigkeiten und seiner Anpassungsfähigkeit gilt er als Symbol für Schnelligkeit und Agilität in der Vogelwelt.






Taxonomie und Namen des Wanderfalken

Der Wanderfalke (Falco peregrinus) gehört zu den Falkenartigen und ist nahezu weltweit verbreitet. Durch sein riesiges Verbreitungsgebiet haben sich mehrere geografische Unterarten entwickelt, die sich unter anderem in Größe, Färbung und Zugverhalten unterscheiden.

  • Deutscher Name: Wanderfalke

  • Wissenschaftlicher Name: Falco peregrinus

  • Gattung: Falken (Falco)

  • Familie: Falkenartige (Falconidae)

  • Ordnung: Falkenartige (Falconiformes)

  • Unterarten: derzeit 18 anerkannte Unterarten

Zu den bekanntesten gehören:

  • Falco peregrinus peregrinus – die in weiten Teilen Europas vorkommende Nominatform

  • Falco peregrinus anatum – in Nordamerika verbreitet

  • Falco peregrinus tundrius – arktische Regionen Nordamerikas und Grönlands

  • Falco peregrinus pealei – vor allem an den Küsten Nordamerikas


Wanderfalke auf Felsen vor Küstenlandschaft, Infografik mit Taxonomie: Falco peregrinus, Falco, Falconidae, Falconiformes.


Körpermerkmale des Wanderfalken

Der Wanderfalke besitzt einen kräftigen, gleichzeitig ausgesprochen stromlinienförmigen Körper. Seine langen, spitzen Flügel machen ihn zu einem hervorragenden Hochgeschwindigkeitsjäger.

Merkmal

Beschreibung

Körperlänge Männchen

ca. 38–45 cm

Körperlänge Weibchen

ca. 46–51 cm

Spannweite Männchen

ca. 89–100 cm

Spannweite Weibchen

ca. 104–113 cm

Gewicht

je nach Geschlecht und Unterart ungefähr 0,5 bis über 1 kg; Weibchen deutlich schwerer

Oberseite

überwiegend schiefer- bis blaugrau

Unterseite

hell mit dunkler Querbänderung

Kopf

dunkler Scheitel und auffälliger schwarzer Bartstreif

Flügel

lang, kräftig und sichelförmig zugespitzt

Schnabel

kurz, kräftig und mit charakteristischem Falkenzahn

Infografik zum Wanderfalken mit Falken auf Felsen, Maßangaben und Details zu Kopf, Schnabel, Flügeln.

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Weibchen deutlich größer als Männchen

Beim Wanderfalken besteht ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Die Weibchen sind deutlich größer und schwerer als die Männchen.

Während ein ausgewachsenes Männchen ungefähr krähen­groß erscheint, kann ein großes Weibchen beinahe die Dimensionen eines kleineren Mäusebussards erreichen. Dennoch ist der Wanderfalke durch seine spitzen Flügel, den kompakten Körper und den schnellen Flug meist gut von Bussarden zu unterscheiden.


Der typische Bartstreif

Eines der auffälligsten Erkennungsmerkmale ist der dunkle Bartstreif, der sich seitlich vom Kopf nach unten zieht.

Zusammen mit dem dunklen Scheitel und der helleren Kehle verleiht er dem Wanderfalken sein charakteristisches Gesicht.

Jungvögel unterscheiden sich von erwachsenen Wanderfalken deutlich: Ihr Gefieder ist überwiegend brauner und die helle Unterseite zeigt zunächst eine Längsstreifung. Erwachsene Tiere besitzen dagegen die typische dunkle Querbänderung.


Falkenzahn – ein spezielles Werkzeug

Wie andere echte Falken besitzt auch der Wanderfalke am Oberschnabel eine kleine, scharf ausgeprägte Einkerbung – den sogenannten Falkenzahn.

Dabei handelt es sich nicht um einen echten Zahn. Die besondere Schnabelform hilft dem Falken dabei, Beutetiere nach dem Fang schnell zu töten.

Zusammen mit kräftigen Fängen, hervorragenden Augen und seinem extrem schnellen Flug ist der Wanderfalke perfekt auf die Jagd nach anderen Vögeln spezialisiert.


Infografik zum Wanderfalken auf Felsen mit Maßangaben und Detailbildern zu Scheitel, Bartstreif und Falkenzahn.








Rekord: Der Wanderfalke ist das schnellste Tier der Welt

Der Wanderfalke (Falco peregrinus) hält einen außergewöhnlichen Geschwindigkeitsrekord. Im Sturzflug erreicht er Geschwindigkeiten, die kein anderes bekanntes Tier übertrifft.

  • Typische Spitzengeschwindigkeit im Sturzflug: bis etwa 320 km/h

  • Experimentell gemessener Spitzenwert: rund 389 km/h

  • Normaler Reiseflug: ungefähr 40–55 km/h

  • Verfolgungsflug: bis etwa 110 km/h

Der oft zitierte Rekord von 389 km/h geht auf Versuche mit dem Wanderfalkenweibchen „Frightful“ zurück. 1999 wurde der Vogel aus großer Höhe freigelassen und während des Sturzfluges mit Messinstrumenten begleitet. Dabei wurde eine Geschwindigkeit von 242 mph beziehungsweise rund 389 km/h ermittelt. Die Versuchsanordnung entsprach allerdings nicht vollständig einer normalen Jagdsituation in freier Wildbahn.

National Geographic und das Cornell Lab nennen für natürliche beziehungsweise typische Sturzflüge Werte von etwa 320 km/h und mehr.


Wanderfalke im Sturzflug vor Bergpanorama, mit Infotexten zu 320 und 389 km/h.



Wie erreicht der Wanderfalke diese Geschwindigkeit?

Beim sogenannten Stoßflug oder Sturzflug legt der Wanderfalke seine Flügel eng an den Körper an und nimmt eine extrem stromlinienförmige Haltung ein.

Er nutzt dabei nicht nur seine Muskelkraft, sondern vor allem die Schwerkraft.

Sein Körper ist perfekt darauf vorbereitet:

  • lange, spitze Flügel

  • kompakter, stromlinienförmiger Körper

  • kräftige Brustmuskulatur

  • steife Schwungfedern

  • ausgezeichnetes Sehvermögen

  • spezielle Strukturen an den Nasenöffnungen, die den Luftstrom beeinflussen

So wird aus einem mittelgroßen Falken für wenige Sekunden ein biologisches Hochgeschwindigkeitsgeschoss.


Infografik zur Wanderfalke im Sturzflug vor Himmel und Bergen, mit Text zu Geschwindigkeit, Flügeln und Anatomie.




Jagdtechnik – Angriff aus großer Höhe

Wanderfalken sind hochspezialisierte Luftjäger. Häufig beobachten sie ihre Umgebung von einem erhöhten Sitzplatz oder steigen hoch über ihre Beute.

Entdecken sie einen geeigneten Vogel, können sie:

  1. über beziehungsweise hinter die Beute gelangen,

  2. die Flügel anlegen,

  3. in einen sehr steilen Sturzflug übergehen,

  4. kurz vor dem Ziel Geschwindigkeit und Flugbahn anpassen,

  5. die Beute mit den Fängen schlagen oder direkt greifen.

Der Angriff erfolgt nicht immer in einem festen 45-Grad-Winkel. Je nach Ausgangshöhe, Wind, Gelände und Flugrichtung der Beute kann der Stoß deutlich steiler verlaufen.

Wird die Beute nicht bereits beim Zusammenstoß getötet, kann der Wanderfalke sie anschließend mit seinen kräftigen Fängen festhalten und mit einem gezielten Biss im Hals- oder Nackenbereich töten.


Infografik: Falke stürzt im Gebirge auf eine Taube; Text zu Jagdtechnik und Angriff aus großer Höhe.




Verbreitung und Lebensraum des Wanderfalken

Der Wanderfalke gehört zu den am weitesten verbreiteten Vogelarten der Erde. Er kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis sowie auf zahlreichen Inseln vor.


Lebensräume

Ursprünglich ist der Wanderfalke vor allem ein Bewohner offener Landschaften mit geeigneten Felswänden als Brutplatz.

Typische Lebensräume sind:

  • Felsküsten und Steilküsten

  • Gebirge

  • Flusstäler und felsige Schluchten

  • offene Landschaften

  • Tundren

  • Küsten und Wattgebiete

  • Seenlandschaften

  • inzwischen auch Großstädte

In Nordamerika wurden Brutplätze in Höhen von etwa 3.600 Metern dokumentiert.


Der Wanderfalke als Stadtbewohner

Hochhäuser, Kirchtürme, Kühltürme, Brücken und andere hohe Bauwerke können natürliche Felswände ersetzen.

Städte bieten dem Wanderfalken sogar einen entscheidenden Vorteil: reichlich Beute.

Vor allem Stadttauben gehören dort zu seinen wichtigsten Nahrungsquellen. Deshalb haben sich Wanderfalken inzwischen in zahlreichen Großstädten erfolgreich angesiedelt.


Zugverhalten – sein Name ist Programm

Nicht alle Wanderfalken ziehen.

Viele Populationen der gemäßigten Regionen bleiben ganzjährig in ihrem Brutgebiet oder unternehmen nur kürzere Wanderungen. Besonders die nördlichen Populationen sind dagegen ausgeprägte Zugvögel.

Wanderfalken aus der nordamerikanischen Tundra können bis nach Südamerika ziehen. Cornell gibt für solche Tiere jährliche Wanderbewegungen von bis zu etwa 25.000 Kilometern an.

Der wissenschaftliche Artname peregrinus bedeutet sinngemäß „Fremder“, „Reisender“ oder „Wanderer“ – ein bemerkenswert passender Name für diesen Weltenbummler.


Infografik zum Wanderfalken: Falke auf Felsen vor Küste, Weltkarte und Lebensräume, Überschrift Verbreitung und Lebensraum.



Beute und Jagd des Wanderfalken

Der Wanderfalke ist vor allem auf die Jagd nach Vögeln im Flug spezialisiert.

Weltweit sind außergewöhnlich viele Vogelarten als Beute dokumentiert. Allein in Nordamerika wurden etwa 450 Vogelarten nachgewiesen; weltweit könnten es laut Cornell bis zu 2.000 Arten sein.


Typische Beutetiere

Dazu gehören unter anderem:

  • Tauben

  • Stare

  • Drosseln

  • Enten

  • Möwen

  • Watvögel

  • Lerchen

  • kleinere bis mittelgroße Singvögel

Gelegentlich erbeuten Wanderfalken auch Fledermäuse. Deshalb würde ich die Formulierung „fast ausschließlich fliegende Vögel“ durch „überwiegend Vögel“ ersetzen.


Präzisionsjäger statt blindes Geschoss

Die spektakuläre Geschwindigkeit ist nur ein Teil seiner Jagdstrategie.

Entscheidend ist, dass der Wanderfalke seine Flugbahn bei enormem Tempo kontrollieren und auf Bewegungen seiner Beute reagieren kann.

Nicht jeder Angriff endet erfolgreich. Beutetiere versuchen durch plötzliche Richtungswechsel, steile Abstiege oder Flucht in Deckung zu entkommen.

Gerade dieses Zusammenspiel aus Geschwindigkeit, Sehvermögen, Manövrierfähigkeit und Timing macht den Wanderfalken zu einem der beeindruckendsten Luftjäger unserer Tierwelt.


Wanderfalke im Flug über Feuchtgebiet; Infografik Beute & Jagd des Wanderfalken mit Texten zu Beute, Jagdtechnik und Fazit.




Fortpflanzung des Wanderfalken

Die Brutzeit des Wanderfalken (Falco peregrinus) beginnt in Mitteleuropa bereits im Frühjahr. Die Balz setzt teilweise schon im Winter ein, während die Eiablage in Deutschland überwiegend zwischen Mitte März und Ende April erfolgt.

Ein eigenes Nest baut der Wanderfalke normalerweise nicht. Stattdessen nutzt er geschützte Felsnischen und Felsbänder, aber auch Steinbrüche, Kirchtürme, Brücken, Schornsteine und andere hohe Bauwerke. In Nordostdeutschland kommen außerdem selten Baumbruten in verlassenen Nestern anderer Großvögel vor.

Ein typisches Gelege besteht aus drei bis vier Eiern. Diese sind meist rötlich bis rotbraun gefleckt.

Die Brutdauer beträgt ungefähr 29 bis 32 Tage. Beide Eltern beteiligen sich an der Brut, das deutlich größere Weibchen übernimmt jedoch den größten Teil. Das Männchen versorgt währenddessen häufig das Weibchen mit Nahrung.

Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungfalken ungefähr 35 bis 42 Tage am Brutplatz. Mit etwa fünf bis sechs Wochen beginnen ihre ersten Flugversuche.

Damit sind sie allerdings noch lange keine perfekten Luftjäger. Nach dem Ausfliegen werden die jungen Wanderfalken weiterhin von ihren Eltern versorgt und verbringen mehrere Wochen damit, Flugmanöver, Beuteübergaben und schließlich die selbstständige Jagd zu trainieren.


Infografik zu Wanderfalken: Eltern mit Küken und Eiern an Felsnische, Überschrift Fortpflanzung des Wanderfalken.




Vom Beinahe-Aussterben zur Erfolgsgeschichte

Die Geschichte des Wanderfalken gehört zu den eindrucksvollsten Erfolgen des europäischen Artenschutzes.

Um 1950 lebten in Deutschland noch etwa 900 Brutpaare. Durch Umweltgifte, insbesondere DDT und andere langlebige Pestizide, brach der Bestand anschließend dramatisch zusammen.

Die Schadstoffe reicherten sich über die Nahrungskette im Körper der Falken an. Sie führten unter anderem zu dünneren Eierschalen und erheblichen Fortpflanzungsproblemen.

Um 1980 existierten in Deutschland nur noch etwa 60 Brutpaare. In großen Teilen des Landes war der Wanderfalke vollständig verschwunden.

Mit dem Verbot besonders problematischer Umweltgifte sowie intensiven Schutzmaßnahmen begann die spektakuläre Rückkehr.

Heute wird der deutsche Bestand auf etwa 1.600 bis 1.800 Brutpaare geschätzt. Damit gilt der Wanderfalke nach der Roten Liste Deutschlands gegenwärtig als ungefährdet.

Auch weltweit wird Falco peregrinus derzeit von der IUCN als Least Concern – nicht gefährdet eingestuft.


Wanderfalke auf Felsvorsprung vor Infografik zu Bestandsrückgang und Schutz; Texte zu DDT, heute 1.600–1.800 Brutpaare.

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Welche Gefahren bedrohen Wanderfalken heute?

Die große Bestandserholung bedeutet nicht, dass der Wanderfalke keinen Schutz mehr benötigt.

Zu den heutigen Gefahren gehören vor allem:

  • Störungen an Brutplätzen, beispielsweise durch Klettern oder andere Freizeitaktivitäten

  • illegale Verfolgung und Vergiftung

  • Umweltgifte und Schadstoffe

  • Verluste an Bauwerken und technischen Anlagen

  • natürliche Prädation, unter anderem durch den Uhu

  • regional fehlende oder ungeeignete Brutplätze

Besonders empfindlich reagieren Wanderfalken während der Brut- und Aufzuchtzeit auf Störungen unmittelbar am Horst.



So wird der Wanderfalke geschützt

Der Wiederaufstieg der Art wäre ohne jahrzehntelange Schutzarbeit kaum möglich gewesen.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten und gehören:

  • Schutz und zeitweise Bewachung besonders empfindlicher Brutplätze

  • Sperrung einzelner Felsen während der Brutzeit

  • künstliche Nisthilfen an Gebäuden, Brücken und Industrieanlagen

  • Überwachung bekannter Brutpaare

  • konsequente Verfolgung illegaler Tötungen

  • historische Wiederansiedlungs- und Auswilderungsprogramme

Gerade hohe Gebäude haben sich dabei als erstaunlich erfolgreicher Ersatz für natürliche Felswände erwiesen.


Infografik mit Wanderfalke auf Felsen über Stadt; Texte zu Gefahren und Schutzmaßnahmen, Motto: Wilde Greifvögel. Starke Zukunft.

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Faszinierende Fakten über den Wanderfalken

Extrem schnelle Augen: Nicht nur seine Fluggeschwindigkeit ist außergewöhnlich. Untersuchungen zeigen, dass Wanderfalken sehr schnelle Bewegungen visuell auflösen können. In Versuchen wurde eine zeitliche Auflösung von mindestens 129 Hertz festgestellt – eine wichtige Anpassung für die Verfolgung schneller Beute.

Sehen über große Entfernungen: Wanderfalken besitzen eine außergewöhnlich hohe Sehschärfe. Berechnungen zufolge könnten sie unter idealen Bedingungen eine taubengroße Beute aus mehreren Kilometern Entfernung erkennen.

Der typische Ruf: Besonders am Brutplatz sind Wanderfalken alles andere als lautlos. Bei Aufregung oder Störungen ertönt ein schnelles, scharfes „kek-kek-kek“ beziehungsweise „gack-gack-gack“. Das Bundesamt für Naturschutz beschreibt die Rufe als auffällig keckernd.

Mehr als 4.000 Jahre Falknerei: Falken werden seit Jahrtausenden vom Menschen für die Jagd trainiert. Die UNESCO bezeichnet die Falknerei als eine Tradition, die seit mehr als 4.000 Jahren praktiziert wird. Heute gehört sie zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Dabei sollte man aber nicht schreiben, dass speziell der Wanderfalke seit exakt 3.500 Jahren in Persien und der Mongolei genutzt wurde. Historisch sicher belegt ist die jahrtausendealte Tradition der Falknerei insgesamt, bei der unterschiedliche Greifvogelarten eingesetzt wurden.


Wanderfalke auf Felsen vor Berglandschaft; Infografik mit Text über schnelle Augen, Ruf und Falknerei.




Vom Felsbewohner zum Großstadtfalken

Wanderfalken haben eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, Städte als Ersatzlebensraum zu nutzen.

Kirchtürme, Hochhäuser, Kraftwerke und Brücken ähneln aus Sicht eines Wanderfalken hohen Felswänden. Gleichzeitig gibt es dort häufig reichlich Beute – insbesondere Tauben und andere Stadtvögel.

New York City ist dafür ein besonders eindrucksvolles Beispiel. Neuere Angaben sprechen von ungefähr 30 brütenden Wanderfalkenpaaren im Stadtgebiet. Damit besitzt New York wahrscheinlich eine der dichtesten urbanen Wanderfalkenpopulationen weltweit.



Wanderfalke – Steckbrief im Überblick

  • Wissenschaftlicher Name: Falco peregrinus

  • Familie: Falkenartige (Falconidae)

  • Maximale experimentell gemessene Sturzfluggeschwindigkeit: rund 389 km/h

  • Typische extreme Jagdgeschwindigkeit: bis etwa 320 km/h

  • Brutdauer: etwa 29–32 Tage

  • Nestlingszeit: ungefähr 35–42 Tage

  • Gelege: meistens 3–4 Eier

  • Brutbestand Deutschland: etwa 1.600–1.800 Paare

  • Rote Liste Deutschland: ungefährdet

  • Weltweiter Status: Least Concern

  • Lebenserwartung: einzelne Wanderfalken können rund 20 Jahre erreichen

  • Ältester dokumentierter Wildvogel: mindestens 19 Jahre und 9 Monate

  • Erkennungsmerkmal: dunkler Bartstreif, spitze Flügel und kompakter Körper

  • Besonderheit: schnellstes Tier im Sturzflug


Wanderfalke auf Mauer vor Skyline, Infografik mit Titel Vom Felsbewohner zum Großstadtfalken









Die Flugschule der jungen Wanderfalken

Die Wochen nach dem Ausfliegen gehören zu den spannendsten Phasen im Leben eines jungen Wanderfalken.

Jetzt müssen die Jungvögel lernen, was später über ihr Überleben entscheidet:

  • Geschwindigkeit richtig einzuschätzen

  • präzise Kurven und Wendemanöver zu fliegen

  • Beute im Flug zu verfolgen

  • mit ihren Fängen sicher zu greifen

  • Landungen bei hoher Geschwindigkeit zu kontrollieren

Die Eltern versorgen ihre Jungen während dieser Lernphase weiterhin mit Nahrung.

Dabei können Beutetiere teilweise sogar in der Luft übergeben werden. Solche Flugmanöver trainieren gleichzeitig Reaktionsfähigkeit und Geschicklichkeit der jungen Falken.

Erst nach mehreren Wochen werden die Jungvögel zunehmend unabhängig und verlassen schließlich das elterliche Revier.


Infografik: Junge Wanderfalken fliegen über Felsen; deutsche Kästen zu Fliegenlernen, Elternversorgung und Beutejagd.




Wanderfalken sind ihrem Brutplatz treu

Ein einmal erfolgreicher Brutplatz kann über viele Jahre genutzt werden.

Wanderfalken zeigen eine ausgeprägte Brutplatztreue. Besonders geeignete Felsen oder Gebäude können deshalb über Generationen hinweg immer wieder besetzt werden.

Das bedeutet allerdings auch, dass Störungen an etablierten Brutplätzen problematisch sein können.

Vor allem während der Eiablage, Brut und frühen Jungenaufzucht sollte ausreichend Abstand gehalten werden.

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Gefahren für den Wanderfalken heute

Obwohl sich der Wanderfalke in Deutschland eindrucksvoll erholt hat, bestehen weiterhin Risiken.

Zu den wichtigsten gehören:

  • Störungen an Brutplätzen

  • illegale Verfolgung und Vergiftung

  • Kollisionen mit technischen Anlagen

  • Schadstoffe in der Umwelt

  • Verlust geeigneter Brutplätze

  • regionale Veränderungen des Nahrungsangebotes

Auch natürliche Feinde spielen eine Rolle.

Besonders der Uhu kann Wanderfalken und deren Jungvögel erbeuten. In Gebieten, in denen beide Arten vorkommen, gehören solche Begegnungen jedoch zum natürlichen Zusammenspiel der Arten.


Infografik mit Wanderfalken am Felsnest; Jungvögel und fliegender Altvogel, Titel Brutplatztreue & Gefahren im Hintergrund.



Schutz der Brutplätze

Heute konzentriert sich der Wanderfalkenschutz vor allem darauf, erfolgreiche Brutgebiete zu erhalten und unnötige Störungen zu vermeiden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • zeitweise Sperrungen besonders sensibler Felsbereiche

  • Zusammenarbeit mit Kletterverbänden und Naturschutzorganisationen

  • Schutz bekannter Horste

  • Nisthilfen an geeigneten Gebäuden und Brücken

  • regelmäßige Kontrolle und Dokumentation der Brutbestände

An Gebäuden können spezielle Nistkästen fehlende natürliche Felsnischen ersetzen.

Solche künstlichen Brutplätze haben wesentlich dazu beigetragen, dass Wanderfalken heute auch mitten in dicht besiedelten Regionen erfolgreich Nachwuchs aufziehen können.



Wie alt wird ein Wanderfalke?

Wanderfalken können ein erstaunlich hohes Alter erreichen.

Einzelne wildlebende Tiere wurden mehr als 19 Jahre alt. Solche Rekorde sind allerdings nicht mit der durchschnittlichen Lebenserwartung gleichzusetzen.

Gerade junge Wanderfalken sind während ihres ersten Lebensjahres zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Jagdunfälle, schlechtes Wetter, Nahrungsmangel und Kollisionen können dazu führen, dass viele Jungvögel kein hohes Alter erreichen.

Hat ein Wanderfalke die ersten kritischen Lebensjahre überstanden und ein geeignetes Revier gefunden, kann er dagegen viele Jahre erfolgreich brüten.


Infografik mit Wanderfalke auf Fels vor Berglandschaft; Text zu Alter, Comeback, Brutpaaren und Artenschutz.



Ein beeindruckendes Comeback

Der Wanderfalke zeigt, dass konsequenter Artenschutz funktionieren kann.

Nach seinem dramatischen Bestandsrückgang im 20. Jahrhundert gehört er heute wieder fest zur deutschen Vogelwelt.

Sein langfristiger Schutz hängt nun weniger von groß angelegten Wiederansiedlungen ab als davon, Brutplätze zu erhalten, Störungen zu vermeiden und Lebensräume dauerhaft zu sichern.

Wer einen Wanderfalken am Felsen, über einer Stadt oder hoch über einer Flusslandschaft beobachtet, sieht deshalb nicht nur einen außergewöhnlichen Jäger.

Er sieht auch eine der großen Erfolgsgeschichten des modernen Vogelschutzes.


Wanderfalke auf Felsvorsprung über Flusstal; Infokästen zu Artenschutz, Brutplätzen und Lebensräumen.













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