
Überleben in einer Schneelawine

Lawinen: Gefahr erkennen und im Notfall richtig handeln
Lawinen können Menschen mitreißen, schwer verletzen und vollständig verschütten. Gute Vorbereitung, eine angepasste Routenwahl und geübte Kameradenrettung sind deshalb entscheidend. Auch moderne Notfallausrüstung bietet keine Garantie, einen Lawinenunfall zu überleben.
Lawinengefahr vor der Tour beurteilen
Lies den aktuellen Lawinenlagebericht und die Wettervorhersage. Beachte neben der Gefahrenstufe auch die beschriebenen Lawinenprobleme, Höhenlagen und Hangrichtungen.
Wichtige Einflussfaktoren sind:
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Neuschnee und Wind: Zusätzlicher Schnee und frische Triebschneeansammlungen können die Schneedecke belasten.
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Schwachschichten im Altschnee: Gefährliche Schichten können unter einer unauffälligen Oberfläche verborgen liegen.
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Erwärmung und Regen: Eindringendes Wasser kann die Schneedecke schwächen.
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Gelände: Schneebrettlawinen entstehen typischerweise an Hängen ab etwa 30°. Auch flachere Bereiche unterhalb solcher Hänge können im Lawinenauslauf liegen.
Warnzeichen unterwegs ernst nehmen
Frische Lawinen, Risse im Schnee und dumpfe „Wumm“-Geräusche sind deutliche Alarmzeichen. Ihr Ausbleiben bedeutet jedoch keine Entwarnung.
Beurteile die Verhältnisse während der Tour neu. Plane Ausweichmöglichkeiten und kehre um, wenn Gelände, Sicht oder Schneeverhältnisse keine verantwortbare Fortsetzung erlauben.
Lawinen-Notfallausrüstung: LVS, Sonde und Schaufel
Für Unternehmungen im ungesicherten, lawinengefährdeten Wintergelände gehört die vollständige Notfallausrüstung zu jeder Person:
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Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS): Ermöglicht die elektronische Suche nach einer verschütteten Person, deren Gerät sendet.
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Lawinensonde: Dient zur genauen Lokalisierung im Schnee.
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Lawinenschaufel: Wird benötigt, um Verschüttete aus dem verdichteten Lawinenschnee auszugraben.
Prüft die Geräte vor dem Start und führt einen LVS-Gruppencheck durch. Während der Tour wird das eingeschaltete LVS entsprechend der Herstelleranleitung sicher am Körper im Sendemodus getragen.
Sinnvolle Ergänzungen
Ein Lawinenairbag kann bei korrekter Anwendung das Risiko einer vollständigen Verschüttung verringern. Er ersetzt weder die Grundausrüstung noch eine defensive Routenwahl.
Zur weiteren Ausrüstung gehören Helm, Erste-Hilfe-Set, Biwaksack, Kälteschutz und ein geeignetes Notrufmittel. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten ihre Ausrüstung bedienen und die Rettungsabläufe unter Zeitdruck anwenden können.


Verhalten während eines Lawinenabgangs
Wenn sich eine Lawine löst
Warne andere mit einem lauten Ruf. Versuche, seitlich aus dem bewegten Schneebereich zu gelangen, solange du noch Kontrolle über deine Bewegung hast.
Löse einen vorhandenen Lawinenairbag sofort aus. Warte damit nicht, bis du bereits tief in den Schneemassen steckst.
Lasse Stöcke los. Wenn du mitgerissen wirst und es noch möglich ist, versuche auch Ski oder Snowboard loszuwerden. Verliere dafür jedoch keine Zeit, die du zum Ausweichen oder Auslösen des Airbags brauchst. Den Airbag-Rucksack behältst du am Körper.
Wenn du mitgerissen wirst
Versuche aktiv, an der Oberfläche zu bleiben. Schwimmbewegungen können dabei ein Versuch sein, bieten aber keine zuverlässige Kontrolle über die Schneemassen.
Schütze Kopf und Gesicht. Wenn die Lawine langsamer wird, halte möglichst eine Hand oder die Unterarme vor Mund und Nase, um einen Atemraum zu erhalten.
Nach dem Stillstand
Bei vollständiger Verschüttung sind Bewegungen häufig kaum noch möglich. Wenn du noch Handlungsspielraum hast, halte Mund und Nase frei und versuche, ruhig zu atmen.
Verbrauche deine Kräfte nicht mit aussichtslosen Befreiungsversuchen. Rufe insbesondere dann, wenn du Helfende unmittelbar in deiner Nähe hörst.
Produkthinweis: LVS-Komplettset
Mammut Barryvox 2 Peak 240 Package – bestehend aus LVS-Gerät, Lawinensonde und Lawinenschaufel. Das Set deckt damit die drei zentralen Werkzeuge für die Kameradenrettung im lawinengefährdeten Gelände ab.
Kameradenrettung: Verschüttete schnell finden und ausgraben
Bei einer Lawinenverschüttung zählt jede Minute. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit bereits nach etwa zehn Minuten deutlich abnehmen kann. Eine feste „sichere Zeitspanne“ gibt es nicht.
Überblick gewinnen und Hilfe organisieren
Beobachte mitgerissene Personen möglichst genau und merke dir ihren letzten sichtbaren Standort. Prüfe vor dem Betreten des Lawinenfelds die Gefahr weiterer Lawinen.
Verteilt die Aufgaben: Wenn genügend Helfende vorhanden sind, setzt eine Person den Notruf ab, während andere unverzüglich suchen. Melde Unfallort, Lawinenabgang und die vermutete Zahl der Verschütteten.
In Europa ist die 112 erreichbar, sofern eine geeignete Netzverbindung besteht. In der Schweiz stehen außerdem 1414 für die Rega und im Wallis 144 zur Verfügung.
Systematisch suchen und bergen
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LVS-Suche: Suchende schalten ihr Gerät auf Empfang. Weitere Geräte werden nach dem eingeübten Rettungsablauf eingestellt, damit sie die Suche nicht stören.
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Augen und Ohren nutzen: Achte gleichzeitig auf sichtbare Körperteile, Ausrüstung und Rufe.
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Sondieren: Bestimme die Lage der Person. Nach einem Treffer bleibt die Sonde als Orientierung stecken.
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Ausschaufeln: Arbeitet koordiniert zur Person vor und organisiert den Abtransport des Schnees.
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Gesicht freilegen: Gehe in unmittelbarer Körpernähe vorsichtig vor und befreie Mund und Nase.
Wartet mit der Kameradenrettung nicht auf das Eintreffen professioneller Suchteams.


Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung
Bewusstsein und Atmung prüfen
Sobald der Kopf zugänglich ist, befreie die Atemwege von sichtbarem Schnee und prüfe Bewusstsein und normale Atmung.
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Bewusstlos, keine normale Atmung: Beginne unverzüglich mit der Wiederbelebung. Wenn du beatmen kannst, wechsle bei Erwachsenen zwischen 30 Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen. Folge den Anweisungen der Notrufleitstelle.
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Bewusstlos, normale Atmung: Sichere die Atemwege durch die stabile Seitenlage und kontrolliere die Atmung fortlaufend.
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Wach und ansprechbar: Beruhige die Person, betreue sie und achte auf Schmerzen oder andere Verletzungszeichen.
Weitere Auskühlung verhindern
Isoliere gegen den Schnee und schütze vor Wind, beispielsweise mit Unterlage, zusätzlicher Kleidung und Biwaksack.
Bewege möglicherweise stark unterkühlte Menschen möglichst schonend. Lasse sie nicht unnötig aufstehen oder weitergehen. Lebensrettende Maßnahmen haben Vorrang vor dem Wärmeschutz.
Auch nach einer zunächst erfolgreichen Bergung können Verletzungen und Unterkühlung bestehen. Die weitere medizinische Versorgung und der Abtransport werden mit der Bergrettung abgestimmt.
Produkthinweis
RECCO Helm-Rettungsreflektor – kompakter, batterieloser Reflektor zum Nachrüsten am Helm. Er kann Bergrettung und andere professionelle Einsatzkräfte bei der Ortung unterstützen.
Lawinenrettungshunde: Aufgaben und Ausbildung
Lawinenrettungshunde unterstützen die organisierte Suche nach verschütteten Menschen. Mit ihrem Geruchssinn können sie menschliche Witterung wahrnehmen, die durch den Schnee an die Oberfläche gelangt.
Wann Hundeteams eingesetzt werden
Besonders wichtig sind sie, wenn kein eindeutiges LVS-Signal empfangen wird oder weitere Personen vermisst werden. Hund und Hundeführer arbeiten dabei mit anderen Suchteams und der Einsatzleitung zusammen.
Zur Aufgabe des Hundes gehören:
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Suchbereiche nach menschlicher Witterung absuchen.
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Eine mögliche Fundstelle durch ein erlerntes Verhalten anzeigen.
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Trotz Lärm, Einsatzkräften und schwieriger Bedingungen konzentriert arbeiten.
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Mit dem Hundeführer auch in tiefem Schnee zuverlässig zusammenarbeiten.
Die Suchleistung hängt von Schneebeschaffenheit, Wind, Gelände und weiteren Einsatzbedingungen ab. Eine bestimmte Fundzeit lässt sich nicht garantieren.
Welche Voraussetzungen Hund und Mensch brauchen
Geeignete Hunde sind gesund, belastbar, motivierbar und sozialverträglich. Entscheidend ist ihre individuelle Eignung, nicht allein die Rasse.
Hundeführende benötigen bergrettungsfachliche Kenntnisse, alpine Erfahrung, Ausdauer und sichere Orientierung. Beide müssen als eingespieltes Team handeln.
So wird trainiert
Die Ausbildung verbindet die Suche nach Personen im Schnee mit zuverlässiger Anzeige, Führigkeit und Einsatztaktik. Hinzu kommen die Gewöhnung an Transportmittel wie Hubschrauber und regelmäßige Übungen unter wechselnden Bedingungen.
Ausbildung, Prüfungen und Fortbildungen richten sich nach der jeweiligen Rettungsorganisation. Einsatzfähige Teams trainieren auch nach bestandener Prüfung weiter.
Lawinenhunde ergänzen die Rettung vor Ort. Auf ihre Ankunft zu warten, würde bei einer Verschüttung wertvolle Zeit kosten.


Geschichte der Lawinenrettungshunde
Barry: Berühmter Helfer am Großen St. Bernhard
Der Bernhardiner Barry lebte von 1800 bis 1814. Bis 1812 war er am Hospiz auf dem Großen St. Bernhard, anschließend verbrachte er seine letzten Lebensjahre in Bern.
Ihm werden mehr als 40 Menschenrettungen zugeschrieben. Viele Einzelheiten seiner Geschichte sind allerdings von Legenden geprägt. Barry half bei der Suche nach Menschen im winterlichen Gebirge, war aber kein Lawinenrettungshund nach heutigen Ausbildungsmaßstäben.
Entwicklung der modernen Lawinenhundearbeit
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Winter 1937/38: Ein erfolgreicher Hundeeinsatz nach einem Lawinenunglück am Schilthorn gab Ferdinand Schmutz einen wichtigen Anstoß für eine gezielte Ausbildung.
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Winter 1939/40: Schmutz schulte erste Sanitätshunde für die Lawinensuche um.
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1943: Lawinenhunde wurden in einer schweizerischen Prüfungsordnung ausdrücklich berücksichtigt.
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1945: Der Schweizer Alpen-Club übernahm die weitere Ausbildung.
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Heute: Spezialisierte Hundeteams sind Bestandteil verschiedener Bergrettungsorganisationen, etwa der Bergwacht in Deutschland und der Alpinen Rettung Schweiz.
Fazit
Lawinenrettung verbindet schnelle Hilfe durch Tourenpartner mit professioneller Bergrettung, technischen Suchmitteln und ausgebildeten Hundeteams. Die beste Voraussetzung bleibt jedoch, gefährliche Situationen durch überlegte Tourenentscheidungen möglichst zu vermeiden.