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Der Naturpark Schlei

1. Dez. 2023
10 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Sept.


DER NÖRDLICHSTE NATURPARK DEUTSCHLANDS



Windmühle am Ufer an einem sonnigen Tag. Der Naturpark Schlei, Schlei.



Der Naturpark Schlei ist Deutschlands nördlichster Naturpark und erstreckt sich rund um die einzigartige Schleiregion im Nordosten Schleswig-Holsteins. Sein Herzstück ist die rund 42 Kilometer lange Schlei, die sich von Schleswig bis zur Ostsee zieht. Der Meeresarm ist von einem Übergang zwischen Süß- und Brackwasser bis hin zu stärker salzbeeinflussten Bereichen geprägt und bildet zusammen mit Schilfgürteln, Salzwiesen und der umliegenden Kulturlandschaft einen vielfältigen Lebensraum.

Seit 2008 ist die Region als Naturpark anerkannt. Heute arbeiten 39 Gemeinden und zwei Landkreise gemeinsam daran, die besondere Natur- und Kulturlandschaft des Naturparks Schlei zu erhalten, nachhaltig zu entwickeln und für Besucher erlebbar zu machen.

Wanderin blickt auf den Naturpark Schlei mit Förde und Tieren



Herzstück: Die Schlei – Geografie und Entstehung

  • Geografie: Die Schlei ist ein rund 42 Kilometer langer und überwiegend flacher Meeresarm der Ostsee, der sich von Schleimünde bis nach Schleswig erstreckt. Ihre heutige Form entstand während der letzten Eiszeit. Gletscherzungen prägten die breiten, seenartigen Abschnitte, während Schmelzwasser die schmaleren Verbindungen zwischen ihnen formte.

  • Brackwasser-Dynamik: Der Salzgehalt nimmt von der Ostsee in Richtung Schleswig deutlich ab. Bei Schleimünde liegt er im Mittel bei etwa 16 ‰, im inneren Bereich bei Schleswig bei ungefähr 6 ‰. Dadurch entstehen unterschiedliche Lebensbedingungen entlang der Schlei.

  • Charakteristische Landschaft: Typisch sind die großen, seenartigen Breiten, schmale Engen und zahlreiche Noore wie das Haddebyer und Selker Noor. Zusammen mit Steilufern, Flachwasserzonen, Schilfgürteln und Salzwiesen prägen sie die abwechslungsreiche Landschaft des Naturparks Schlei.



Ökologische Einzigartigkeit: Lebensräume und Artenvielfalt

  • Wertvolle Lebensräume: Die Mischung aus Brackwasser, Flachwasserbereichen, Salzwiesen, Röhrichten und Küstenlandschaften schafft Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Große Bereiche der Schlei gehören zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000.

  • Vogelwelt: Salzwiesen, Inseln und flache Uferbereiche sind wichtige Brut-, Nahrungs- und Rastgebiete für zahlreiche Wasser- und Küstenvögel. Dazu gehören unter anderem Rotschenkel, Kiebitze, Enten, Gänse und weitere Zugvögel.

  • Besondere Pflanzen: In den Feucht- und Salzwiesen kommen spezialisierte Pflanzen wie die Salzbunge (Samolus valerandi) und weitere salztolerante Arten vor.

  • Schleischnäpel: Der historische Schleischnäpel war eine lokale Form des Ostseeschnäpels (Coregonus maraena). Der ursprüngliche Bestand in der Schlei erlosch im 20. Jahrhundert. Seit den 1990er-Jahren wurde der Ostseeschnäpel wieder angesiedelt und ist heute erneut im Schleigebiet vertreten.

  • Ökologische Herausforderung: Ein großes Problem bleiben zu hohe Nährstoffeinträge. Sie fördern das Wachstum von Algen und können zu Sauerstoffmangel sowie Veränderungen der Unterwasservegetation führen. Der Schutz und die Verbesserung der Wasserqualität gehören deshalb zu den wichtigen Aufgaben an der Schlei.


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Infografik zur Geografie und Artenvielfalt der Schlei.




Kulturhistorische Schätze: Von Wikingern bis Barock

  • Wikinger-Erbe:

    • Haithabu und Danewerk: Der ehemalige Wikingerhandelsplatz Haithabu gehörte vom 9. bis 11. Jahrhundert zu den bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas. Gemeinsam mit dem Danewerk gehört Haithabu seit 2018 zum UNESCO-Welterbe. Die Lage am inneren Ende der Schlei war strategisch besonders günstig: Von Haithabu mussten Waren nur rund 18 Kilometer über Land transportiert werden, bevor sie über Treene und Eider weiter Richtung Nordsee gelangen konnten.

    • Runensteine und archäologische Funde: Im Umfeld von Haithabu wurden mehrere Runensteine entdeckt, die unter anderem an gefallene Krieger erinnern. Zahlreiche weitere Funde aus Hafen, Siedlung und Gräberfeldern geben heute Einblicke in Handel, Handwerk und Alltag der Wikingerzeit.


  • Vom Mittelalter bis zum Barock:

    • Schloss Gottorf in Schleswig: Die erstmals um 1160 erwähnte Burg entwickelte sich später zu einer bedeutenden herzoglichen Residenz. Im 17. Jahrhundert wurde Gottorf unter Herzog Friedrich III. zu einem kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum Nordeuropas. Ab 1637 entstand nördlich des Schlosses der aufwendig gestaltete Barockgarten mit dem berühmten Gottorfer Globus.

    • Historische Fischersiedlung Holm: Der Schleswiger Holm war ursprünglich eine Insel in der Schlei und ist seit Jahrhunderten eng mit der Fischerei verbunden. Bis heute prägen zahlreiche historische Fischerhäuser sowie die charakteristische Bebauung rund um den Friedhof der Holmer Totengilde das besondere Stadtbild.


Kulturhighlights im Naturpark Schlei: Wikingerschiff, Schloss Gottorf und Fischer.



Touristische Erschließung: Aktivitäten und Naturerlebnisse

  • Wandern & Radfahren: Der Naturparkwanderweg beginnt in Maasholm und führt durch vier Naturparke Schleswig-Holsteins bis nach Brokstedt. Die gesamte Route ist knapp 160 Kilometer lang und durchgehend ausgeschildert. Für Radfahrer zählt der Wikinger-Friesen-Weg zu den bekanntesten Fernrouten der Region. Er verbindet auf rund 173 Kilometern Maasholm an der Ostsee mit St. Peter-Ording an der Nordsee.

  • Wassersport: Die Schlei bietet hervorragende Bedingungen zum Segeln, Paddeln und Wasserwandern. Wasserwanderrastplätze ermöglichen längere Touren, während besonders die Große Breite zu den beliebten Segelrevieren gehört.

Werbeplakat für Naturpark Schlei mit Segelbooten, Wanderern und Kajakfahrern; Text zu Wandern, Radfahren und Wassersport.



Natur erleben und entdecken

  • Naturerlebnisräume: Zum Angebot gehören das Naturerlebniszentrum Maasholm sowie die Naturerlebnisräume Moostoft bei Ekenis, GalloWay in Schleswig, Ziegelei Borgwedel und Naturerlebnishof Helle.

  • Touristeninformationen: In Orten wie Schleswig und Kappeln erhalten Besucher Karten, Tourenvorschläge und Informationen zu Wander- und Radwegen rund um die Schlei.

  • Barrierearme Angebote: Vollständig barrierefreie Wege sind in der Region bislang nur begrenzt vorhanden. Entlang der Füsinger Au wurden jedoch Wegeabschnitte hinsichtlich ihrer Zugänglichkeit verbessert.


Infografik zum Naturpark Schlei mit See, Segelbooten, Wanderern, Rollstuhlfahrer und Themen zu Natur, Barrierefreiheit und Schutz


Nachhaltigkeit und Naturschutzprojekte

  • Salzwiesen und Weideflächen: Durch Beweidung und Pflegemaßnahmen werden ehemalige Salzwiesen offengehalten und wertvolle Lebensräume für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten erhalten.

  • Kleingewässer: Neue und renaturierte Kleingewässer fördern Amphibien wie Frösche, Kröten und Molche sowie Libellen und andere Wasserinsekten.

  • Naturpark-Schulen: Mehrere Schulen und Kindertagesstätten arbeiten als Bildungspartner mit dem Naturpark zusammen. Auch die Grundschule Karby gehört inzwischen zum Netzwerk der Naturpark-Schulen.

  • Naturpark-Knigge: Informationen und Besucherlenkung sollen dazu beitragen, empfindliche Lebensräume zu schützen und Gästen ein naturverträgliches Verhalten an der Schlei zu vermitteln.

  • Tolker Moor: Rund um Tolk, Nübel und Schaalby wird untersucht, wie Moorflächen ökologisch aufgewertet und klimafreundlich entwickelt werden können.


Geologie im Detail: Von der Eiszeit geprägt

Die Landschaft des Naturparks Schlei ist ein eindrucksvolles Ergebnis der letzten Eiszeit. Während der Weichsel-Kaltzeit formten Gletscher und Schmelzwasser das heutige Relief aus Hügeln, Senken und Gewässerrinnen.

  • Eiszeitliche Ablagerungen: Grundmoränen, Endmoränen, Schmelzwassersande und feinkörnige Beckensedimente prägen bis heute die Landschaft rund um die Schlei.

  • Entstehung der inneren Schlei: Gletscherbewegungen schürften Teile der heutigen Rinne aus. Zwischen den Eisrändern entstanden zeitweise Eisstauseen, in denen sich feine Sedimente ablagerten.

  • Nach der Eiszeit: Mit dem Rückzug der Gletscher und dem späteren Anstieg des Meeresspiegels wurden tiefer gelegene Rinnen überflutet. Dadurch entwickelte sich schrittweise die heutige Verbindung der Schlei zur Ostsee.

So vereint der Naturpark Schlei eiszeitlich geprägte Landschaften, Küstennatur, Feuchtgebiete und jahrtausendealte Kulturlandschaft auf engem Raum.


Infografik zum Naturpark Schlei: Landschaft am Wasser, Eiszeit-Querschnitt, Karten und Texte zu Geologie und Ostsee.





Zusammenfassung: Kernmerkmale des Naturparks Schlei

Der Naturpark Schlei verbindet auf besondere Weise eiszeitlich geprägte Landschaften, Brackwasser-Lebensräume und eine jahrtausendealte Kulturlandschaft. Herzstück ist die rund 42 Kilometer lange Schlei mit ihren Breiten, Engen, Nooren, Salzwiesen und Schilfgürteln.

Ökologisch prägen Natura-2000-Gebiete, Brut- und Rastvögel, Feuchtwiesen und spezialisierte Pflanzenarten die Region. Auch der wieder angesiedelte Ostseeschnäpel gehört zu den Besonderheiten des Schleigebiets.

Kulturell zählen Haithabu und Danewerk als UNESCO-Welterbe, Schloss Gottorf sowie die historische Fischereitradition zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Für Aktivurlauber bieten sich Segeln, Paddeln, Wandern und Radfahren an.

Gleichzeitig setzt der Naturpark auf Renaturierung, Umweltbildung, Naturpark-Schulen und Besucherlenkung. So verbindet die Schlei-Region Naturerlebnis, Geschichte und nachhaltigen Tourismus auf engem Raum.

Kurz gesagt: Der Naturpark Schlei ist eine abwechslungsreiche Verbindung aus Ostseeküste, Eiszeitlandschaft, Wikingerkultur und wertvollen Feuchtlebensräumen.


Infografik Kernmerkmale Naturpark Schlei: Natur, Kultur, Tourismus



Die Schlei

Die Schlei ist ein rund 42 Kilometer langer, fjordähnlicher Meeresarm der Ostsee in Schleswig-Holstein. Sie reicht von Schleimünde bis nach Schleswig und prägt mit ihren Buchten, Engen, Nooren und flachen Uferzonen die Landschaft der gesamten Region.

Durch den abnehmenden Salzgehalt vom Ostseezugang bis ins Landesinnere entsteht ein vielfältiger Brackwasser-Lebensraum. Schilfgürtel, Salzwiesen, Flachwasserbereiche und angrenzende Wiesen bieten zahlreichen Fischen, Wasservögeln, Amphibien und spezialisierten Pflanzenarten wertvolle Lebensräume.


Infografik zur Schlei: Luftbild, Karte, Eiszeit-Entstehung und Tierarten in Schleswig-Holstein, mit Titel und Beschriftungen.


Die Schlei in Schleswig-Holstein begeistert mit ruhigen Wasserflächen, breiten Schilfgürteln, sanften Uferlandschaften und typisch norddeutschem Charme. Historische Orte wie Kappeln und Arnis, Reetdachdörfer, kleine Häfen und alte Gutshöfe machen die Region ebenso sehenswert wie ihre abwechslungsreiche Natur. Segeln, Paddeln, Angeln, Wandern und Radfahren zählen zu den beliebtesten Aktivitäten im Naturpark Schlei.

Besonders reizvoll sind die Landschaften zwischen Schwansen und Angeln sowie das Naturschutzgebiet Oehe-Schleimünde östlich von Maasholm. Die Strandwalllandschaft ist ein bedeutendes Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche Vogelarten. Hier lassen sich unter anderem Kormorane, Seeadler, Gänse, Enten und verschiedene Seeschwalben beobachten.

Mit dem UNESCO-Welterbe Haithabu und Danewerk, maritimen Hafenorten, regionaler Fischereitradition und naturnahen Uferabschnitten verbindet die Schleiregion Natur, Geschichte und Outdoor-Erlebnisse auf besondere Weise. Haithabu und Danewerk gehören seit 2018 zum UNESCO-Welterbe und erinnern an die große Bedeutung der Region während der Wikingerzeit.


Infografik zur Schlei in Schleswig-Holstein mit Segelbooten, Karte, Orten Kappeln und Arnis sowie Natur-, Kultur- und Aktivitätstipps







Die Landschaft des Naturparks Schlei ist vielseitig und typisch für den Norden Schleswig-Holsteins. Auf der Halbinsel Schwansen wechseln sich Ostseeküste, Steilufer, Naturstrände und kleine Buchten ab, während Angeln von sanften Hügeln, Feldern, Knicks und traditionellen Dörfern geprägt ist. Entlang der Schlei sorgen Schilfgürtel, Uferwiesen und ruhige Wasserflächen für eine besonders abwechslungsreiche Naturkulisse.

Zum charakteristischen Bild der Region gehören außerdem Reetdachhäuser, historische Bauernhöfe und alte Gutshöfe mit weitläufigen Park- und Landwirtschaftsflächen. Zusammen mit kleinen Hafenorten und gewachsenen Kulturlandschaften verleihen sie dem Naturpark Schlei seinen unverwechselbaren norddeutschen Charakter.


Landschaft im Naturpark Schlei mit Wasser und Reetdächern


Der Naturpark Schlei in Schleswig-Holstein verbindet abwechslungsreiche Natur, spannende Geschichte und vielfältige Outdoor-Erlebnisse. Auf Wander- und Radwegen wie dem Naturparkwanderweg oder dem Wikinger-Friesen-Weg lässt sich die Region aktiv entdecken. Auch vom Wasser aus bietet die Schlei beim Paddeln, Segeln oder einer Schleischifffahrt besondere Perspektiven auf Buchten, Schilfgürtel und historische Orte.

Naturfreunde erleben Salzwiesen, Feuchtwiesen, Röhrichte, Strandwälle und Flachwasserbereiche mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Die Schlei ist ein bedeutendes Rast- und Überwinterungsgebiet für Wasservögel und bietet unter anderem Kiebitzen, Rotschenkeln und zahlreichen Zugvögeln wertvolle Lebensräume. Auch der Fischotter und der wieder angesiedelte Ostseeschnäpel gehören zu den besonderen Bewohnern der Schleiregion.

Kulturelle Höhepunkte sind das UNESCO-Welterbe Haithabu und Danewerk, das von der bedeutenden Rolle der Region während der Wikingerzeit erzählt. Digitale Themenpfade, Naturerlebnisräume und das Naturerlebniszentrum Maasholm machen den Naturpark zusätzlich für Familien spannend. Die Naturpark-Schlei-App bietet dafür mehrere interaktive Themenpfade rund um Natur, Wasser und Kulturlandschaft.

Wer Wandern, Radfahren, Wassersport, Natur und Geschichte an der Schlei miteinander verbinden möchte, findet hier ein vielseitiges Reiseziel mit zahlreichen Möglichkeiten für einen naturnahen und nachhaltigen Outdoor-Urlaub.


Infografik Naturpark Schlei: Natur, Geschichte & Abenteuer
Wikingermuseum Haithabu


Wikinger-Handelssiedlung Haithabu

Die Wikinger-Handelssiedlung Haithabu bei Schleswig gehörte vom 8. bis zum 11. Jahrhundert zu den bedeutendsten Handelsplätzen Nordeuropas. Gemeinsam mit dem Danewerk zählt die archäologische Stätte seit 2018 zum UNESCO-Welterbe. Haithabu verband wichtige Handelswege zwischen Skandinavien, dem europäischen Festland sowie Nord- und Ostsee und entwickelte sich zu einem frühen städtischen Zentrum der Wikingerzeit.


Gründung und strategische Lage

Die ersten Siedlungsspuren am Haddebyer Noor stammen aus der Zeit um 750 n. Chr. Wahrscheinlich gründeten friesische Händler hier zunächst einen kleinen Handelsplatz. Die Lage am Ende der Schlei war ideal: Über die Ostsee konnten Schiffe Haithabu direkt erreichen, während nach Westen nur etwa 18 Kilometer Landweg überwunden werden mussten, um über Treene und Eider weiter in Richtung Nordsee zu gelangen.

Auch der Ochsenweg als wichtige historische Nord-Süd-Verbindung verlief durch die Region. Dadurch kreuzten sich in Haithabu bedeutende Land- und Seehandelswege.


Blütezeit als Handelsmetropole

Während der Handelssaison kamen in Haithabu vermutlich mehr als 2.000 Menschen zusammen. Händler, Handwerker und Reisende aus verschiedenen Regionen Europas und darüber hinaus sorgten für ein für damalige Verhältnisse außergewöhnlich internationales Umfeld.

  • Internationaler Handel: Archäologen fanden unter anderem islamische Silbermünzen, Keramik, Eisenbarren, Schmuck und importiertes Rohglas. Haithabu war außerdem eine der frühesten Münzstätten Skandinaviens; Münzen wurden hier bereits im 9. Jahrhundert geprägt.

  • Handwerk: Besonders bedeutend waren die Herstellung von Glasperlen, Metallarbeiten, Textilien, Lederwaren, Kämmen und Holzprodukten. Mehr als 7.000 gefundene Perlen und Perlenfragmente zeigen die Bedeutung der Glasperlenherstellung.

  • Leben zwischen den Kulturen: Haithabu brachte Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubensrichtungen zusammen. Um 965 beschrieb der arabisch-andalusische Reisende Ibrahim ibn Ahmed at-Tartuschi die Stadt und hinterließ damit eine der bekanntesten schriftlichen Quellen über das Leben in Haithabu.

  • Sklaverei: Funde wie Sklavenfesseln zeigen, dass auch Unfreiheit und Sklaverei zur Lebenswirklichkeit und zu den weitreichenden Wirtschaftsbeziehungen der Wikingerzeit gehörten.

Wikinger-Handelssiedlung Haithabu an der Schlei




Politische Machtwechsel und Niedergang

Die Geschichte Haithabus war von wechselnden Herrschaftsverhältnissen und militärischen Konflikten geprägt. Aufgrund seiner strategischen Lage zwischen Nord- und Ostsee war der Handelsplatz für dänische Könige und andere Herrscher von großer Bedeutung.

  • Machtkämpfe: Im Laufe der Wikingerzeit stand Haithabu unter dem Einfluss verschiedener skandinavischer und mitteleuropäischer Herrscher. Auch das benachbarte Danewerk wurde mehrfach ausgebaut und diente dem Schutz der bedeutenden Handelsregion.

  • Zerstörung: Um 1050 wurde Haithabu bei einem Angriff schwer zerstört, der traditionell mit dem norwegischen König Harald Hardrada in Verbindung gebracht wird. Ein weiterer Angriff um 1066 trug schließlich zum endgültigen Niedergang der Siedlung bei.

  • Schleswig als Nachfolger: Handel und städtische Funktionen verlagerten sich anschließend auf das gegenüberliegende Nordufer der Schlei nach Schleswig, das Haithabu als wichtigstes Handelszentrum der Region ablöste.

Infografik zu Haithabu: Wikingersiedlung am Wasser mit Schiffen, Brand und Karte; Text zu Machtwechsel und Niedergang.



Archäologische Wiederentdeckung

Nach Jahrhunderten unter Äckern und Wiesen begannen im Jahr 1900 die ersten systematischen Ausgrabungen in Haithabu. Bis heute wurde nur ein kleiner Teil des rund 26 Hektar großen Siedlungsareals innerhalb des Halbkreiswalls vollständig untersucht.

  • Wikingerschiffe: Bei den großen Hafengrabungen 1979 und 1980 entdeckten Archäologen unter anderem die Überreste eines außergewöhnlich großen wikingerzeitlichen Kriegsschiffes sowie Teile der ehemaligen Landebrücken.

  • Runensteine und Alltagsfunde: Schmuck, Werkzeuge, Waffen, Münzen, Kämme und Runensteine ermöglichen detaillierte Einblicke in Handel, Handwerk und Alltag vor rund 1.000 Jahren. Auch die bekannte Glocke von Haithabu zählt zu den besonderen Zeugnissen der frühmittelalterlichen Siedlung.

  • Rekonstruierte Wikingerhäuser: Im historischen Freigelände stehen heute sieben rekonstruierte Häuser und eine Landebrücke, die nach archäologischen Befunden errichtet wurden und das frühstädtische Leben anschaulich vermitteln.

Infografik zu Haithabu: Wikinger-Ausgrabungen, Fundstücke, rekonstruierte Häuser am Wasser; Forscher graben, Boote und Texttafeln sichtbar



UNESCO-Welterbe und heutige Bedeutung

Seit dem 30. Juni 2018 gehören der wikingerzeitliche Handelsplatz Haithabu und das benachbarte Danewerk gemeinsam zum UNESCO-Welterbe. Die außergewöhnlich gut erhaltenen archäologischen Zeugnisse dokumentieren die Bedeutung der Region als Handels- und Verkehrsknotenpunkt zwischen Skandinavien und dem europäischen Kontinent.

Das Wikinger Museum Haithabu macht diese Geschichte heute auf unterschiedliche Weise erlebbar:

  • Originalfunde: Schmuck, Waffen, Werkzeuge, Münzen und weitere archäologische Fundstücke erzählen vom Alltag und Fernhandel der Wikinger.

  • Wikingerhäuser: Rekonstruierte Gebäude, Werkstätten und die Landebrücke zeigen, wie die Menschen in Haithabu vor rund 1.000 Jahren gelebt und gearbeitet haben.

  • Lebendige Geschichte: Bei Veranstaltungen führen Darsteller historische Handwerkstechniken wie Schmieden, Holzverarbeitung, Weben oder Nadelbinden vor.

  • Digitale Vermittlung: Moderne Medien und digitale Angebote ergänzen die Ausstellung und vermitteln archäologische Forschung auf anschauliche Weise.


Fazit

Haithabu war weit mehr als eine Wikingersiedlung. Der Handelsplatz verband Menschen, Waren und Kulturen aus weiten Teilen Europas und darüber hinaus. Heute ermöglichen Museum, Originalfunde und rekonstruierte Wikingerhäuser einen außergewöhnlichen Einblick in das Leben vor rund 1.000 Jahren.

Wer den Naturpark Schlei besucht und sich für Wikinger, Archäologie und norddeutsche Geschichte interessiert, sollte Haithabu deshalb unbedingt in seine Tour einplanen.


Infografik zu Haithabu & Danewerk: Wikingerdorf am Wasser, Langschiffe, Handwerk, UNESCO-Welterbe und digitale Vermittlung.
Kappelner Klappbrücke





Die Kappelner Klappbrücke

Die Schleibrücke Kappeln gehört zu den markanten Bauwerken an der Schlei. Die moderne zweiflügelige Doppelklappbrücke verbindet Angeln und Schwansen und führt die Bundesstraße B 203 über den Meeresarm. Besonders sehenswert ist die regelmäßige Öffnung der Brücke, wenn Segelboote und andere höhere Schiffe Kappeln passieren.


Technische Details und Funktion

Die heutige Schleibrücke wurde zwischen 2000 und 2002 gebaut und am 2. Dezember 2002 für den Verkehr freigegeben. Sie ist rund 207,5 Meter lang und etwa 23 Meter breit. Über die Brücke führen vier Fahrstreifen sowie Wege für Fußgänger und Radfahrer.

Die beiden beweglichen Klappenpaare werden elektrohydraulisch über Hubzylinder angetrieben. Bei einer Brückenöffnung werden die Fahrbahnteile angehoben und geben die Fahrrinne für Segel- und andere Schiffe frei.


Infografik zur Kappelner Klappbrücke an der Schlei mit ausfahrender Brücke, Segelbooten, Karte und technischen Daten.



Geschichte der Schleibrücke

  • 1867–1927: Eine rund 180 Meter lange Pontonbrücke verband erstmals dauerhaft die beiden Ufer. Sie ruhte auf 18 Schwimmkörpern und war für schwere Eisenbahnfahrzeuge nur eingeschränkt geeignet. Eisenbahnwagen mussten deshalb teilweise ohne Lokomotive über die Brücke bewegt werden.

  • 1927–2002: Eine leistungsfähigere Drehbrücke ersetzte die alte Pontonbrücke. Ihr beweglicher Mittelteil konnte für den Schiffsverkehr seitlich geöffnet werden.

  • Seit 2002: Die heutige Doppelklappbrücke bewältigt den Straßenverkehr der B 203 und ermöglicht gleichzeitig die Durchfahrt größerer Schiffe auf der Schlei.

Infografik zur Geschichte der Schleibrücke in Kappeln: historische und moderne Klappbrücken mit Fotos, Karte und Texten.



Brückenöffnungen für den Schiffsverkehr

Die Kappelner Schleibrücke wird bei Bedarf regelmäßig für Schiffe geöffnet:

  • 1. April bis 31. Oktober: stündlich um 5:40 bis 21:40 Uhr

  • 1. November bis 31. März: stündlich um 7:40 bis 17:40 Uhr

  • Eine Öffnung dauert in der Regel etwa 15 bis 20 Minuten und erfolgt bei Bedarf.

Währenddessen wird der Straßenverkehr kurzzeitig angehalten. Besonders in der Sommersaison gehört die Brückenöffnung mit den wartenden Segelbooten zum typischen Bild des Kappelner Hafens.


Bedeutung für Kappeln und die Schleiregion

Die Schleibrücke ist eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen Kappeln, Angeln und Schwansen. Gleichzeitig gehört sie zum Stadtbild und bietet einen schönen Blick auf Hafen, Schlei und die vorbeiziehenden Boote. Für Besucher lässt sich die Brückenöffnung gut mit einem Spaziergang entlang der Kappelner Hafenpromenade verbinden.


Wartung und Betrieb

Da die beweglichen Klappenteile, Hydraulik und Steuerung regelmäßig gewartet werden müssen, kann es zeitweise zu Einschränkungen kommen. Auch Ende September 2026 sind turnusmäßige Wartungsarbeiten vorgesehen. Die regulären Schiffsöffnungen sollen während dieser Arbeiten nach Anmeldung weiterhin möglich sein.


Fazit

Die Kappelner Klappbrücke verbindet moderne Ingenieurtechnik mit der maritimen Geschichte der Schleiregion. Besonders während einer Brückenöffnung zeigt sich das Zusammenspiel von Straßen- und Schiffsverkehr eindrucksvoll – ein interessantes Ziel bei einem Besuch in Kappeln an der Schlei.


Geöffnete Klappbrücke im Hafen mit Segelbooten, Kirchturm und blauem Himmel; unten Infografik zu Brückenöffnungen.












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