Der Naturpark unteres Saaletal
Aktualisiert: 24. Sept.
Naturpark Unteres Saaletal: Wandern zwischen Porphyrfelsen, Burgen und Saaleauen
Wer eine Landschaft sucht, in der sich steile Felsen, trockene Hänge, grüne Saaleauen und jahrhundertealte Kulturgeschichte auf engem Raum begegnen, findet im Naturpark Unteres Saaletal eines der spannendsten Reiseziele Sachsen-Anhalts.
Auf rund 40.800 Hektar erstreckt sich der Naturpark entlang der Saale vom Nordwesten Halles über Wettin und weitere historische Orte bis in den Raum Nienburg und Bernburg. Seit 2005 ist das Gebiet offiziell als Naturpark anerkannt.
Seinen besonderen Reiz erhält das Untere Saaletal durch die ungewöhnlichen Gegensätze: trockene Porphyrkuppen treffen auf feuchte Auenwälder, Streuobstwiesen auf Felsen und alte Bergbaulandschaften auf Burgen, Kirchen und mittelalterliche Orte.
Für Wanderer, Radfahrer, Naturbeobachter und Geschichtsinteressierte gibt es deshalb erstaunlich viel zu entdecken.

Burg Wettin: Stammsitz einer europäischen Dynastie
Hoch über der Saale thront auf einem Porphyrrücken die mächtige Burg Wettin. Sie gehört zu den bedeutendsten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten im Naturpark Unteres Saaletal und ist eng mit dem Aufstieg des Hauses Wettin verbunden.
Bereits 961 wurde die Burg beziehungsweise der Burgward als „Vidin“ erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter entwickelte sich die Anlage zum Stammsitz der Wettiner, deren verschiedene Linien später über Jahrhunderte die Geschichte Sachsens und anderer Teile Europas mitprägten.
Die langgestreckte Burganlage gliedert sich heute in Unterburg, Mittelburg und Oberburg. Zu den auffälligen Bauteilen gehört der 1606 errichtete Winckelturm. Teile der Unterburg wurden in späteren Jahrhunderten mehrfach umgebaut.
Seit 1991 befindet sich das Burg-Gymnasium Wettin auf dem Burggelände. Bereits seit dem Schuljahr 1992/93 gibt es dort einen besonderen Schwerpunkt im Bereich Bildende Kunst. Ein Teil der Oberburg wird außerdem als Wohnheim für Schülerinnen und Schüler des Kunstzweigs genutzt.
Die Außenanlagen können besichtigt werden. Führungen durch die Burganlage vermitteln einen guten Eindruck von der wechselvollen Geschichte des Ortes.

Konrad der Große: Aufstieg des Hauses Wettin
Eng mit der Geschichte Wettins verbunden ist Konrad I. von Meißen, genannt Konrad der Große oder Konrad der Fromme.
Er wurde um 1098/1099 geboren und gehörte zu den bedeutendsten frühen Vertretern des Hauses Wettin. Als Markgraf von Meißen und der Lausitz erweiterte und festigte er den politischen Einfluss seiner Familie erheblich.
Im Jahr 1156 legte Konrad seine weltlichen Ämter nieder, verteilte große Teile seines Besitzes unter seinen Söhnen und zog sich in das Augustinerchorherrenstift auf dem Lauterberg zurück – den heutigen Petersberg bei Halle.
Dort starb er am 5. Februar 1157 und wurde in der Klosterkirche beigesetzt.
Mit seinen Nachkommen begann der langfristige Aufstieg der Wettiner zu einem der bedeutendsten europäischen Fürstengeschlechter.

Wettin: Mittelalterliche Stadt über der Saale
Nicht nur die Burg lohnt einen Besuch. Unterhalb der Anlage schmiegt sich die historische Stadt Wettin an die Hänge des Saaletals.
Enge Straßen, alte Häuser und historische Gebäude erinnern an die lange Geschichte der Stadt. Neben der Burg gehören unter anderem die Nikolaikirche, das Rathaus und die nahe Templerkapelle in Mücheln zu den kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten.
Wettin wurde außerdem durch Steinkohlebergbau, Schifffahrt, Fischerei und Handwerk geprägt. Besonders zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert spielte der Bergbau eine wichtige wirtschaftliche Rolle.
Heute ist Wettin ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren durch den südlichen Teil des Naturparks.

Geologie zum Anfassen
Der Naturpark Unteres Saaletal ist ein außergewöhnlich abwechslungsreiches geologisches Gebiet. Auf vergleichsweise engem Raum treten Porphyr, Sandstein, Konglomerate, Kalkstein und weitere Gesteine zutage.
Besonders eindrucksvoll ist die Porphyrlandschaft zwischen Halle und Wettin. Felskuppen, steile Hänge und ehemalige Steinbrüche prägen hier das Tal der Saale. Rund um Brachwitz werden einige besonders markante Bereiche nicht ohne Grund gelegentlich als „Brachwitzer Alpen“ bezeichnet.
Die Gesteine erzählen von Vulkanismus, Meeren, Ablagerungsprozessen und gewaltigen Veränderungen, die sich über hunderte Millionen Jahre erstreckten.

Die Weiße Wand bei Dobis
Eine besondere geologische Sehenswürdigkeit ist die Weiße Wand bei Dobis.
Der Aufschluss zeigt mehrere deutlich voneinander unterscheidbare Gesteinsschichten am Übergang vom Rotliegenden zum Zechstein. Die Schichten wurden später tektonisch aufgerichtet und geben heute Einblick in wechselnde Klima- und Ablagerungsbedingungen der Erdgeschichte.
Auch der historische Bergbau ist hier allgegenwärtig. Kupferschiefer, Steinkohle, Porphyr und andere Rohstoffe wurden in verschiedenen Teilen des Unteren Saaletals über lange Zeit genutzt.
Trockenrasen, Felsen und Saaleauen
Das Klima des Unteren Saaletals wird vom Mitteldeutschen Trockengebiet geprägt. Die vergleichsweise geringen Niederschläge, sonnenexponierte Hänge und nährstoffarme Böden ermöglichen Pflanzengesellschaften, die in Deutschland nur regional vorkommen.
Auf Porphyrkuppen, Kalkhängen und Trockenrasen wachsen unter anderem:
Kuhschelle
Frühlings-Adonisröschen
Federgras
Wiesensalbei
Kugelblume
verschiedene Knabenkräuter
Ganz anders präsentiert sich die Landschaft direkt an der Saale. Dort finden sich Auen, Altarme, Feuchtwiesen und Reste ehemaliger Auenwälder.
Gerade dieser Wechsel zwischen extrem trockenen und feuchten Lebensräumen macht den Naturpark ökologisch besonders wertvoll.

Flora und Fauna im Naturpark Unteres Saaletal
Die große Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume sorgt für eine bemerkenswerte Tierwelt.
Zu den charakteristischen Vogelarten gehören Rotmilan und Schwarzmilan, die regelmäßig über den offenen Landschaften und Flusstälern kreisen. Auch Graureiher, Eisvogel, Neuntöter, Rohrweihe sowie Mittel- und Schwarzspecht kommen im Naturpark vor.
Eine besonders auffällige Erscheinung ist der Bienenfresser. Der farbenprächtige, wärmeliebende Vogel findet an geeigneten trockenen und offenen Standorten gute Bedingungen und gilt im Naturpark als charakteristische Art xerothermer Lebensräume.
An und in den Gewässern leben außerdem Europäische Biber, Amphibien, Libellen und zahlreiche weitere Tierarten.
Ringelnatter und Zauneidechse profitieren wiederum von sonnigen, strukturreichen Lebensräumen.
Auwald bei Plötzkau
Einen völlig anderen Charakter besitzt der Auwald bei Plötzkau im nördlichen Teil des Naturparks.
Altwässer, feuchte Senken und Reste des ursprünglichen Saale-Auenwaldes bilden hier einen artenreichen Lebensraum. Im Frühjahr sorgen unter anderem Hohler Lerchensporn, Wald-Goldstern und Gelbes Windröschen für Farbe.
Zu den hier vorkommenden Vogelarten gehören Rotmilan, Eisvogel, Wespenbussard und Mittelspecht.
Der Auwald zeigt eindrucksvoll, wie anders die Landschaft wenige Kilometer von den trockenen Fels- und Steppenrasen entfernt aussehen kann.

Wandern im Naturpark Unteres Saaletal
Der Naturpark lässt sich besonders gut zu Fuß erkunden. Zahlreiche Wanderwege verbinden Natur, Geologie, Bergbaugeschichte und historische Orte.
Zu den interessantesten Gebieten gehören:
die Porphyrlandschaft zwischen Halle und Wettin
das Saaletal bei Rothenburg
die Umgebung von Wettin und Döblitz
das Salzatal
die Dölauer Heide
die Auenlandschaften zwischen Plötzkau, Bernburg und Nienburg
Wer mehrere Landschaftstypen miteinander verbinden möchte, findet im Naturpark sowohl kurze Rundwanderungen als auch längere Streckenwanderungen.
Geopfad Wettin: Zeitreise durch die Erdgeschichte
Eine der interessantesten Wanderungen der Region ist der Geopfad Wettin.
Der rund 9 Kilometer lange Rundweg erschließt das Gebiet nordwestlich von Wettin und verbindet Naturerlebnis mit Geologie und Bergbaugeschichte.
Für die Wanderung sollten ungefähr drei bis dreieinhalb Stunden eingeplant werden. Der Weg verläuft überwiegend über Feld-, Wald- und Naturwege und weist einige Steigungen auf.

Die wichtigsten Stationen
Unterwegs informieren zehn Schautafeln über die geologischen Besonderheiten der Region und den historischen Bergbau.
Zu den Stationen und Wegpunkten gehören unter anderem:
die Jagdhütte als Ausgangspunkt
der Aussichtspunkt Schweizerling
die Schutzhütte am ehemaligen Erkundungsschacht
das Mundloch des Dobiser Stollens
der Ilau-Teich
die Pögritzmühle
Abschnitte entlang des Saaleradwegs
Thematisch geht es um Steinkohle, Kupferschiefer, Kalisalz, Gesteinsbildung und die Entwicklung des Saaletals.
Für geologisch interessierte Wanderer gehört der Geopfad zu den spannendsten Touren im Naturpark Unteres Saaletal.
Naturlehrpfad Porphyrlandschaft Wettin/Gimritz
Eine weitere interessante Möglichkeit, die typische Landschaft kennenzulernen, ist der Naturlehrpfad Porphyrlandschaft Wettin/Gimritz.
Er führt durch einen der charakteristischsten Landschaftsräume des Naturparks. Trockenrasen, Felsbereiche, Gehölze und historische Kulturlandschaften wechseln sich auf engem Raum ab.
Der Lehrpfad eignet sich besonders für Besucher, die nicht nur wandern, sondern gleichzeitig mehr über Flora, Fauna, Landschaftspflege und Geologie erfahren möchten.

Radfahren entlang der Saale
Auch Radfahrer finden im Unteren Saaletal hervorragende Bedingungen.
Der bekannte Saaleradweg führt durch weite Teile der Region und verbindet zahlreiche landschaftliche und historische Höhepunkte miteinander.
Unterwegs eröffnen sich immer wieder Ausblicke auf:
Burg Wettin
steile Porphyrhänge
Saaleauen
historische Ortschaften
Streuobstwiesen
alte Bergbaulandschaften
Weitere regionale Radwege verbinden das Saaletal mit der Dölauer Heide, dem Salzatal und angrenzenden Landschaften.
Gerade für Tagesausflüge lassen sich Radfahren, Kultur und Naturbeobachtung hervorragend kombinieren.
Saalberg bei Rothenburg
Zu den schönen Aussichtspunkten im Naturpark gehört der Saalberg bei Rothenburg.
Von den höher gelegenen Bereichen öffnet sich der Blick über die Saale, ihre Auen und die umgebenden Hänge. Besonders eindrucksvoll ist hier der Kontrast zwischen dem Flusstal und den trockenen, sonnenexponierten Höhen.
Der Saaledurchbruch bei Rothenburg gehört zu den Landschaftsbildern, die den Charakter des Naturparks besonders gut zeigen.

Salzatal und Dölauer Heide
Zum Naturpark gehört nicht nur das unmittelbare Saaletal.
Auch das Salzatal zwischen Langenbogen und Köllme besitzt wertvolle Lebensräume. Offene Wasserflächen, Schilfzonen, Trockenrasen und Streuobstwiesen bilden hier ein abwechslungsreiches Mosaik.
Zu den vorkommenden Pflanzen gehören unter anderem Frühlings-Adonisröschen, Sand-Strohblume und Feinblättrige Schafgarbe.
Weiter östlich bildet die Dölauer Heide das größte zusammenhängende Waldgebiet innerhalb des Naturparks. Neben ihrer Bedeutung als Naherholungsgebiet ist sie auch archäologisch interessant: Hügelgräber und weitere Spuren zeugen davon, dass Menschen die Region bereits in Jungsteinzeit und Bronzezeit besiedelten.
Kulturdenkmäler entlang der Saale
Der Naturpark Unteres Saaletal verbindet Naturerlebnisse mit einer außergewöhnlich langen Siedlungsgeschichte.
Neben der Burg Wettin gehören unter anderem folgende Ziele zu den kulturhistorischen Höhepunkten:
Klosterkirche St. Marien und St. Cyprian in Nienburg: Die ehemalige Klosterkirche erinnert an die mittelalterliche Geschichte des unteren Saaletals.
Burg Giebichenstein in Halle: Die Burganlage über der Saale markiert den südlichen Zugang zur Landschaft des Naturparks.
Templerkapelle in Mücheln: Das mittelalterliche Bauwerk erinnert an die Präsenz des Templerordens in der Region.
Steinerne Jungfrau bei Dölau: Der weithin bekannte Menhir gehört zu den eindrucksvollen vorgeschichtlichen Zeugnissen der Region.
Petersberg: Die Stiftskirche auf dem Petersberg ist eng mit der Geschichte der Wettiner verbunden. Hier fand auch Konrad der Große seine letzte Ruhestätte.

Bergbaugeschichte im Unteren Saaletal
Neben Landwirtschaft und Schifffahrt hat auch der Bergbau deutliche Spuren hinterlassen.
Rund um Wettin wurde über Jahrhunderte Steinkohle gewonnen. In anderen Gebieten spielten Kupferschiefer, Porphyr und Kalisalz eine Rolle.
Noch heute sind ehemalige Schächte, Halden, Stollenmundlöcher und alte Bergbaustrukturen in der Landschaft erkennbar.
Diese Verbindung aus Natur- und Industriegeschichte macht Wanderungen rund um Wettin besonders abwechslungsreich.
Naturpark zwischen Schutz und Erholung
Naturparke sollen Landschaften nicht wie streng abgeschlossene Schutzgebiete von Menschen fernhalten. Ihr Ziel ist vielmehr, Naturschutz, nachhaltige Nutzung, Umweltbildung und Erholung miteinander zu verbinden.
Im Unteren Saaletal werden deshalb Trockenrasen gepflegt, Streuobstwiesen erhalten, Lebensräume entwickelt und Umweltbildungsangebote geschaffen.
Mehrere Naturschutz-, FFH- und Vogelschutzgebiete tragen dazu bei, besonders wertvolle Bereiche dauerhaft zu sichern.
Besucher können ebenfalls zum Schutz beitragen: auf ausgewiesenen Wegen bleiben, Pflanzen nicht pflücken, Tiere nicht stören und sensible Trockenrasen oder Felsbereiche nicht unnötig betreten.

Wann lohnt sich ein Besuch?
Der Naturpark Unteres Saaletal besitzt zu jeder Jahreszeit seinen eigenen Charakter.
Frühling: Eine der schönsten Zeiten für Trockenrasen und Frühblüher. Kuhschellen, Adonisröschen und andere Pflanzen bringen Farbe an die Hänge.
Sommer: Ideal für lange Radtouren, Wasserwandern und ausgedehnte Wanderungen. An sonnigen Hängen lassen sich zahlreiche Insekten und wärmeliebende Arten beobachten.
Herbst: Streuobstwiesen, Weinberge und Auenwälder zeigen sich in kräftigen Farben. Die Temperaturen sind häufig angenehm für längere Touren.
Winter: Die kahle Vegetation gibt den Blick auf Felsen, geologische Strukturen und historische Bauwerke besonders gut frei.
Praktische Tipps für Wanderer
Für viele Wege im Naturpark sind feste Wanderschuhe empfehlenswert. Vor allem auf Naturwegen, an steilen Hängen und auf dem Geopfad können die Untergründe uneben oder nach Regen rutschig sein.
Ausreichend Wasser sollte besonders im Sommer zur Ausrüstung gehören. Die trockenen, offenen Hänge können sich an sonnigen Tagen stark erwärmen und bieten teilweise nur wenig Schatten.
Nicht alle Wege sind vollständig barrierefrei. Für einzelne Angebote liegen jedoch geprüfte Informationen zur Zugänglichkeit vor. Wer auf barrierearme Wege angewiesen ist, sollte sich deshalb vor der Tour gezielt informieren.

Naturpark Unteres Saaletal: Natur und Geschichte auf engem Raum
Der Naturpark Unteres Saaletal gehört zu den abwechslungsreichsten Landschaftsräumen im südlichen Sachsen-Anhalt. Zwischen Halle, Wettin, Salzatal, Nienburg und Bernburg treffen trockene Porphyrhänge, Saaleauen, Streuobstwiesen und Wälder auf Burgen, mittelalterliche Kirchen und Spuren jahrhundertealten Bergbaus.
Besonders die Kombination aus Burg Wettin, Geopfad Wettin, Saaleradweg, Trockenrasen und den Auenlandschaften der Saale macht die Region zu einem lohnenden Ziel für Wanderer, Radfahrer, Naturfreunde und Geschichtsinteressierte.
Wer Sachsen-Anhalt abseits der bekannten touristischen Zentren entdecken möchte, findet hier eine Landschaft, in der Erdgeschichte, Natur und Kultur unmittelbar nebeneinanderliegen.




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