Von Sassnitz zum Königsstuhl
- Vagabundo
- 9. Aug. 2023
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. März

Sassnitz ist ein Erholungsort auf der größten Insel in Deutschland, Rügen.
Sassnitz & Nationalpark Jasmund: Kreidefelsen-Abenteuer auf Rügen
Sassnitz ist das Tor zu den weißen Giganten der Ostsee. Wo Hafencharme auf wilde Natur trifft, beginnt ein unvergesslicher Trip zwischen Fischbrötchen und Steilküste.
Highlights in Sassnitz & Umgebung
Fischereihafen Sassnitz: Authentisches Flair mit rostigen Kuttern und fangfrischem Genuss. Ein Muss: Ein Räucherfisch-Brötchen direkt an der Kaimauer.
U-Boot-Museum HMS Otus: Tauchen Sie ab in die Enge eines britischen U-Boots – ein faszinierendes Erlebnis für Technikfans.
👉 U-Boot Museum HMS Otus besuchen
Nationalpark Jasmund: Wandern Sie durch alte Buchenwälder (UNESCO-Weltnaturerbe) zum legendären Königsstuhl. Die 118 Meter hohe Kreidewand bietet den spektakulärsten Blick über die Ostsee.

Die Otus, einst als „Silent Hunter“ bekannt, liegt heute fest vertäut im Stadthafen von Sassnitz und zeigt mit ihrer originalen Ausstattung, was es heißt, wochenlang unter Wasser zu leben. Für Technikfans, Geschichtsinteressierte und alle, die Platzangst überwinden wollen, ist die Otus ein Muss auf Rügen – und ein Ort, der zeigt, wie still es unter der Oberfläche wirklich werden kann.
Kerndaten
Typ: Oberon-Klasse, nicht-nuklear
Baujahr: 1963
Einsatzdauer: 28 Jahre (u. a. Falklandkrieg, Persischer Golf)
Besatzung: 68 Mann
Museum seit: 2002
Ort: Hafenstraße 18, Sassnitz
Eintritt: Erwachsene 9,50 €, Kinder ab 5,50 €, Gruppenpreise verfügbar
Besonderheiten: Originalausstattung, Info-Tafeln, Notausstieg begehbar
Hinweis: Keine Kartenzahlung, Hunde nicht erlaubt

Aktiv & Mobil auf Rügen
Wandern & Aussicht: Erleben Sie die Hochuferwege mit Panoramablick auf die berühmten Kreidefelsen.
Maritime Weiterreise: Nutzen Sie die Ausflugsschiffe ab Sassnitz für eine Tour entlang der Küste bis zum mondänen Ostseebad Binz.
Fischereimuseum: Erfahren Sie alles über die harte Arbeit der Hochseefischer und die Geschichte der Hafenstadt.
Fazit: Sassnitz ist der perfekte Mix aus maritimem Erbe und dramatischer Natur. Ob Adrenalin an der Steilküste oder Entspannung an der Hafenpromenade – hier schlägt das Herz von Rügen.

Mein Abenteuer von Sassnitz zum Königsstuhl – Eine Wanderung zwischen Kreidefelsen und Meeresrauschen
Die Morgensonne taucht den Sassnitzer Hafen in goldenes Licht, als ich meinen Rucksack schultere und mich auf den Weg zum Königsstuhl mache. Die Luft riecht nach Salz und frischem Fisch – ein typischer Ostsee-Morgen. Doch statt den bequemen Hafenbus zu nehmen, entscheide ich mich für das echte Abenteuer: die Wanderung über den Hochuferweg, der mich durch urige Buchenwälder und entlang schwindelerregender Kreideklippen führen wird von Sassnitz zum Königsstuhl.

Durch die Piratenschlucht – Wo Klaus Störtebeker seine Schätze versteckt haben soll
Der Weg beginnt idyllisch an der Weddingstraße, doch schon bald öffnet sich vor mir die Piratenschlucht – eine steile Bucht, in der der Legende nach der berüchtigte Seeräuber Klaus Störtebeker Unterschlupf fand. Die Holztreppen hinab zum Strand sind abenteuerlich, aber der Anblick lohnt sich: Weiße Kreidefelsen ragen wie gemalt über dem türkisfarbenen Wasser auf. Ein paar mutige Kletterer sammeln unten "Hühnergötter" (Löchersteine), während ich mir vorstelle, wie hier einst Piraten ihre Beute vergruben.

Wissower Klinken – Eine verschwundene Legende
Weiter geht es zu den Wissower Klinken, einst Rügens berühmtestes Postkartenmotiv. Doch seit 2005 existieren die spitzen Kreidezinnen nur noch in Gemälden – ein gewaltiger Abbruch riss sie ins Meer. Die Infotafel zeigt historische Fotos, und ich spüre plötzlich die Vergänglichkeit dieser Landschaft. Der Wind pfeift um die Klippen, als wolle er mich warnen: "Bleib auf dem Weg!"

Im Buchenurwald – UNESCO-Welterbe unter Blätterdach
Der Pfad schlängelt sich nun durch den "Alten Buchenwald", ein UNESCO-Weltnaturerbe. Die knorrigen Bäume wirken wie aus einem Märchen, ihre Wurzeln umklammern moosbedeckte Kreidebrocken. Im UNESCO-Welterbeforum mache ich Rast – der kleine Kiosk versorgt mich mit Kaffee und einem Blick auf die Ausstellung über diese uralten Wälder. Plötzlich raschelt es: Eine Wildschweinfamilie trottet gemächlich über den Weg, ignoriert mich aber komplett.

Kieler Bach – Der höchste Wasserfall Mecklenburgs?
Sein Name geht auf den „Kiel“ zurück, eine markante Geländekerbe, die der Bach gemeinsam mit dem Brisnitzer Bach über Jahrhunderte geformt hat. Wanderer erleben den Bach als lebendigen Schnittpunkt aus Geologie, Küstenentwicklung und urwaldartiger Vegetation – eingebettet in das UNESCO‑Weltnaturerbe der Alten Buchenwälder.
Der Kieler Bach ist damit nicht nur ein kurzer Küstenbach, sondern ein Schlüsselmotiv für die Naturgeschichte Jasmunds: dynamisch, wild, fotogen und ein Muss auf jeder Tour zwischen Sassnitz und Königsstuhl.
Geografische und naturkundliche Kerndaten
Lage: Nationalpark Jasmund, Insel Rügen, Mecklenburg‑Vorpommern
Quelle: Waldgebiet Stubnitz, genauer in den „Kieler Kämmen“ zwischen Collicker und Fahrnitzer Bergen
Mündung: Ostsee am Kieler Ufer, Steilküste nördlich von Sassnitz
Wasserfall: ca. 4 m Fallhöhe vom Hochufer auf den Feuersteinstrand
Besonderheit: Einer der bekanntesten Bäche der Halbinsel Jasmund, gut sichtbar entlang des Küstenwanderwegs zwischen Sassnitz und Königsstuhl

Victoria-Sicht – Der erste Blick auf den Königsstuhl
Nach Stunden des Wanderns öffnet sich plötzlich der Wald – und da ist er: der Königsstuhl, 118 Meter hoch und fast senkrecht ins Meer abfallend. Von der Victoria-Sicht, einer winzigen Metallplattform, habe ich den perfekten Blick auf das Wahrzeichen. 1865 stand hier König Wilhelm I. mit seiner Tochter; heute teile ich mir den Platz mit einer Schulklasse, die begeistert Selfies macht.

Finale am Skywalk – Barrierefreie Aussicht über die Ostsee
Die letzten Meter zum Nationalpark-Zentrum sind gesäumt von Touristen, doch der neue Skywalk entschädigt für das Gedränge. Die schwebende Plattform gibt mir das Gefühl, über dem Abgrund zu stehen – unter mir toben die Wellen gegen die Kreide, während Möwen kreischen. Im Zentrum selbst tauche ich in die Ausstellung ein und lerne, dass diese Küste sich jedes Jahr um mehrere Zentimeter zurückzieht.

Rückkehr – Mit dem Hafenbus und einem Lächeln
Erschöpft, aber glücklich steige ich in den Hafenbus Linie 23, der mich in nur 20 Minuten zurück nach Sassnitz bringt. Durch die Scheibe sehe ich die Kreideküste ein letztes Mal im Abendlicht – und weiß: Diese Wanderung war mehr als nur ein Spaziergang. Sie war eine Reise durch die Zeit, von Piratenlegenden bis zu den Kräften der Natur, die Rügen bis heute formen.
Tipp: Wer es gemütlicher mag, kann die Strecke auch mit dem Fahrrad über den geschotterten Radweg erkunden. Aber egal wie – der Königsstuhl bleibt unvergesslich!

Mein Tag am Kap Arkona – Wo Geschichte, Kunst und Alpakas aufeinandertreffen
Die steile Treppe zum Peilturm hinauf bringt mich ganz schön aus der Puste, aber der Blick von oben ist jeden Schritt wert. Oben angekommen, pfeift mir der Wind um die Ohren, während ich mich an der Reling festhalte und über die Ostsee blicke. Dieser Turm hat was! 1927 gebaut, um Schiffe sicher durch die gefährlichen Gewässer zu lotsen, steht er heute als cooles Denkmal mit einer ganz neuen Bestimmung.

Drinnen erwartet mich eine Überraschung: Der Peilturm hat sich in eine kreative Oase verwandelt. An den Wänden hängen bunte Gemälde von Rügener Künstlern, in Vitrinen glitzert handgemachter Schmuck aus Bernstein und Silber. Ich streife durch die engen Räume, staune über filigrane Alpakawoll-Schals – so weich, dass ich am liebsten gleich einen mitnehmen würde. Eine Künstlerin erklärt mir, wie sie die Wolle der Tiere verarbeitet, die hier auf den Wiesen grasen.
Durch die schmalen Fenster des Turms sehe ich die beiden Leuchttürme von Kap Arkona – der eine schlank und rot, der andere gedrungen und weiß. Unten am Fuß des Turms tummeln sich Touristen, die zwischen Souvenirläden und Imbissbuden hin- und herschlendern. Ich dagegen genieße meinen exklusiven Blick von oben, wo ich die ganze Insel zu meinen Füßen habe.
Der Trekking und Wandern-Guide zeigt dir alles Wichtige für Touren in der Natur – von Planung über Ausrüstung bis zur richtigen Technik.

Plötzlich höre ich Musik. Eine Straßenmusikerin hat sich mit ihrer Geige am Eingang des Turms postiert und spielt eine Melodie, die sich mit dem Rauschen der Wellen vermischt. Für einen Moment fühlt es sich an, als wäre die Zeit stehen geblieben – zwischen der alten Funktechnik an den Wänden, der modernen Kunst in den Ausstellungsräumen und diesem atemberaubenden Panorama.
Als ich später wieder festen Boden unter den Füßen habe, werfe ich einen letzten Blick zurück auf den Peilturm. Was für ein genialer Ort! Hier oben, zwischen Ostseewind und Kreativität, habe ich nicht nur die Aussicht genossen, sondern auch gespürt, wie Vergangenheit und Gegenwart auf Rügen zusammenfließen. Und wer weiß – vielleicht komme ich wieder, wenn ich mir endlich diesen kuschelweichen Alpakaschal kaufe ...

HMS Otus (S18) – Ein Gigant der Tiefe im Ruhestand
Mitten im Hafen von Sassnitz auf Rügen liegt ein besonderes Stück Marinegeschichte: die HMS Otus (S18), eines der größten nicht-nuklearen U-Boote der Welt. Dieses britische U-Boot der Oberon-Klasse diente fast 30 Jahre lang der Royal Navy, bevor es 2002 als Museumsschiff eine zweite Karriere begann.
Ein technisches Meisterwerk des Kalten Krieges
Baujahr: 1963 in Schottland bei Scotts Shipbuilding gebaut.
Größe: 90 Meter lang, 8 Meter breit – ein Koloss mit einer Verdrängung von 2.410 Tonnen unter Wasser.
Antrieb: 2 Dieselgeneratoren (je 1.840 PS) für Überwasserfahrten, 2 Elektromotoren (je 3.000 PS) für geräuschlose Tauchgänge – daher der Spitzname "Silent Hunter".
Bewaffnung: 8 Torpedorohre (6 vorn, 2 achtern) mit bis zu 24 Torpedos, darunter der MK-24 "Tigerfish" mit einer Reichweite von 11 km.

Einsätze und Rekorde
Operation Granby (1991): Im Golfkrieg setzte die HMS Otus Spezialeinheiten (SAS/SBS) ein und kehrte mit der gehissten Piratenflagge (Jolly Roger) zurück – eine Tradition bei erfolgreichen Missionen.
Weltrekord im Tiefentauchen: 1987 entkamen zwei Besatzungsmitglieder aus 183 Metern Tiefe – ein bis heute ungebrochener Rekord.
Museumserlebnis in Sassnitz
Seit 2002 können Besucher das U-Boot erkunden und den engen Alltag der 68-köpfigen Besatzung nachempfinden:
Enge Kojen: Jeder Seemann hatte nur 3 Liter Wasser pro Tag für Trinken, Waschen und Kochen.
Originale Technik: Vom Torpedoraum bis zur Kommandobrücke sind alle Systeme erhalten, inklusive Periskopen mit Blick auf den Hafen.
Öffnungszeiten: Täglich geöffnet (Mai–Okt. 10–18 Uhr), Eintritt 9 € für Erwachsene.
Fazit: Die HMS Otus ist mehr als ein Museum – sie ist ein Zeugnis der maritimen Ingenieurskunst und der extremen Lebensbedingungen an Bord. Ein Muss für Technikfans und Geschichtsinteressierte! ⚓




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