Von Sassnitz zum Königsstuhl
Aktualisiert: 21. Sept.

Sassnitz & Nationalpark Jasmund – Kreidefelsen-Abenteuer auf Rügen
Sassnitz ist ein staatlich anerkannter Erholungsort auf Rügen, Deutschlands größter Insel. Zwischen Ostsee, Hafen und den Buchenwäldern des Nationalparks Jasmund verbindet die Stadt maritimes Flair mit einigen der spektakulärsten Naturlandschaften an der deutschen Küste.
Nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt beginnt der Nationalpark Jasmund. Hier treffen alte Buchenwälder auf steile Kreideklippen und die offene Ostsee. Ein rund 493 Hektar großes Buchenwaldgebiet im Herzen des Nationalparks gehört seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“.
Highlights in Sassnitz & Umgebung
Stadthafen Sassnitz: Fischerboote, Ausflugsschiffe und maritime Atmosphäre prägen den Hafen. Ein Fischbrötchen mit Blick auf die Ostsee gehört für viele Besucher einfach dazu.
HMS Otus: Das ehemalige britische U-Boot liegt im Sassnitzer Hafen und kann von innen besichtigt werden – spannend für Technik- und Geschichtsinteressierte.
Nationalpark Jasmund: Wanderwege führen durch eindrucksvolle Buchenwälder entlang der Kreideküste. Gerade die Kombination aus Wald, weißen Klippen und Ostsee macht Jasmund einzigartig.
Königsstuhl: Mit 118 Metern ist er der höchste und bekannteste Kreidefelsen der Jasmunder Küste. Heute lässt sich die Landschaft vom Skywalk des Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL aus erleben.
Hochuferweg: Wer Jasmund wirklich erleben möchte, sollte einen Teil der Küste zu Fuß erkunden. Der Weg verbindet alte Buchenwälder mit immer neuen Ausblicken auf die Ostsee und die Kreidefelsen.
Vagabundo-Tipp
Starte deine Wanderung direkt in Sassnitz. Vom Stadtrand führen Wege in den Nationalpark und weiter durch die Buchenwälder Richtung Königsstuhl. So erlebst du den Wechsel von Hafenstadt, Wald und Kreideküste besonders intensiv – und brauchst für das eigentliche Naturerlebnis kein Auto.

HMS Otus – U-Boot-Abenteuer im Hafen von Sassnitz
Mitten im Stadthafen von Sassnitz liegt ein Stück britischer Marinegeschichte: die HMS Otus (S18). Das rund 90 Meter lange U-Boot der Oberon-Klasse wurde 1963 bei der britischen Royal Navy in Dienst gestellt und blieb 28 Jahre im Einsatz.
Die diesel-elektrisch angetriebenen U-Boote dieser Klasse galten unter Wasser als besonders leise und wurden deshalb auch als „Silent Hunter“ – stille Jäger bezeichnet. Bei der Otus sorgten zwei Elektromotoren mit jeweils 3.000 PS für den Unterwasserantrieb.
Heute liegt die Otus dauerhaft im Sassnitzer Hafen und kann nahezu vollständig von innen erkundet werden. Seit 2002 dient sie als Museumsschiff und vermittelt einen außergewöhnlichen Eindruck davon, wie 68 Besatzungsmitglieder auf engstem Raum lebten und arbeiteten.

Ein Blick in das Leben unter Wasser
Der Rundgang beginnt im vorderen Torpedoraum und führt durch mehrere Sektionen des U-Bootes.
Zu sehen sind unter anderem:
Torpedoräume
Mannschaftsunterkünfte
enge Schlafkojen
Kommando- und Operationsbereiche
originale Messinstrumente
Funk- und Kommunikationstechnik
Maschinen- und Antriebstechnik
zwei Periskope
Besonders eindrucksvoll sind die extrem engen Durchgänge und runden Schotten zwischen den einzelnen Abteilungen.
Sie vermitteln schnell, wie wenig persönlichen Raum die Besatzung während mehrwöchiger Fahrten zur Verfügung hatte.
Jeder der 68 Seeleute besaß zwar eine eigene Koje, persönliche Gegenstände mussten jedoch auf kleinstem Raum verstaut werden. Die Otus konnte laut Museum bis etwa 300 Meter tief tauchen.

28 Jahre im Dienst der Royal Navy
Die HMS Otus wurde am 17. Oktober 1962 vom Stapel gelassen und am 5. Oktober 1963 offiziell in Dienst gestellt.
Ihre ersten Einsätze umfassten unter anderem Raketenversuche im Atlantik sowie Fahrten nach Nordamerika.
Später wurde sie weltweit eingesetzt. 1991 war die Otus während der Operation Granby im Persischen Golf im Einsatz. Im selben Jahr endete nach insgesamt 28 Dienstjahren ihre aktive Laufbahn.
Eine weitere außergewöhnliche Episode ereignete sich 1987 vor Norwegen: Die Otus wurde für Versuche zur Notrettung aus großen Tauchtiefen eingesetzt. Dabei erreichten zwei Teilnehmer bei einem kontrollierten U-Boot-Ausstieg eine Tiefe von 183 Metern.
Kerndaten der HMS Otus
Typ: konventionelles diesel-elektrisches U-Boot
Klasse: Oberon-Klasse
Kennung: S18
Herkunft: Großbritannien
Stapellauf: 17. Oktober 1962
Indienststellung: 5. Oktober 1963
Außerdienststellung: 1991
Dienstzeit: 28 Jahre
Länge: rund 90 m
Breite: 8,10 m
Besatzung: 68 Personen
Verdrängung getaucht: 2.410 Tonnen
Tauchtiefe: bis etwa 300 m
Geschwindigkeit getaucht: rund 17 Knoten
Museumsschiff in Sassnitz: seit 2002
Adresse: Hafenstraße 18, 18546 Sassnitz
Die technischen Angaben entsprechen den veröffentlichten Daten des Museums.

Eintritt in das U-Boot-Museum
Aktuell gelten folgende reguläre Eintrittspreise:
Erwachsene: 9,50 €
Jugendliche von 14 bis 17 Jahren: 6,50 €
Kinder von 4 bis 13 Jahren: 5,50 €
Familienkarte: 22,00 €
Foto- und Videoerlaubnis: 1,00 €
Für Gruppen ab zehn Personen werden ermäßigte Tarife angeboten. Eine Voranmeldung ist für Gruppen erforderlich.
Gut zu wissen
Kartenzahlung ist derzeit nicht möglich, daher solltest du Bargeld dabeihaben.
Hunde dürfen nicht mit an Bord.
Der letzte Einlass erfolgt jeweils 30 Minuten vor Schließung. Zwischen Mai und Oktober ist das Museum laut Betreiber täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet; in den Wintermonaten gelten kürzere beziehungsweise teilweise eingeschränkte Öffnungszeiten.
Vagabundo-Tipp
Plane für die Besichtigung genügend Zeit ein und verbinde den Besuch anschließend mit einem Spaziergang durch den Stadthafen Sassnitz.
Wer Technik und Geschichte mag, sollte nicht nur durch das U-Boot laufen, sondern sich Zeit für die zahlreichen Details nehmen. Gerade die alten Instrumente, engen Kojen und technischen Anlagen machen deutlich, wie außergewöhnlich der Alltag einer U-Boot-Besatzung gewesen sein muss.
Menschen mit ausgeprägter Platzangst sollten wissen, dass es im Inneren enge Durchgänge, niedrige Bereiche und schmale Schotten gibt.
Für Technikfans, Geschichtsinteressierte und Familien mit älteren Kindern ist die HMS Otus dagegen eines der ungewöhnlichsten Ausflugsziele auf Rügen.
Fazit – Marinegeschichte zum Anfassen
Die HMS Otus in Sassnitz ist kein klassisches Museum, bei dem Exponate hinter Glasscheiben stehen.
Hier betrittst du das Exponat selbst.
Zwischen Torpedorohren, Maschinen, Periskopen, Instrumenten und engen Schlafkojen lässt sich unmittelbar erleben, unter welchen Bedingungen 68 Menschen wochenlang auf einem U-Boot zusammenlebten.
Nach 28 Jahren bei der Royal Navy hat die Otus heute eine völlig andere Aufgabe:
Sie macht ein Stück U-Boot-Geschichte für Besucher auf Rügen erlebbar.

Wanderung von Sassnitz zum Königsstuhl – Abenteuer auf dem Hochuferweg
Die Morgensonne taucht den Sassnitzer Hafen in warmes Licht, als ich meinen Rucksack schultere. Über der Ostsee liegt noch eine leichte Morgenstimmung, Möwen ziehen über den Hafen und irgendwo riecht es nach Salz, Meer und Räucherfisch.
Mein Ziel liegt rund acht Kilometer weiter nördlich: der Königsstuhl im Nationalpark Jasmund.
Natürlich könnte ich einen Teil der Strecke bequem mit dem Bus zurücklegen. Doch heute entscheide ich mich für die schönere Variante – zu Fuß über den berühmten Hochuferweg von Sassnitz zum Königsstuhl.
Der Weg führt durch alte Buchenwälder, vorbei an der dynamischen Kreideküste und immer wieder zu Aussichtspunkten über die Ostsee. Vom offiziellen Startbereich in Sassnitz bis zum Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL sind es etwa 8 Kilometer und rund drei Stunden reine Gehzeit. Wer wie ich bereits am Stadthafen startet und unterwegs ausgiebig fotografiert, sollte entsprechend mehr Zeit einplanen.

Tour auf einen Blick
Start: Sassnitz auf Rügen
Ziel: Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL
Strecke: etwa 8 km ab Sassnitz
Gehzeit: rund 3 Stunden ohne längere Pausen
Mit Besichtigungen: besser 4–5 Stunden einplanen
Weg: überwiegend naturbelassener Wald- und Küstenwanderweg
Schwierigkeit: leicht bis mittelschwer
Ausrüstung: feste Wanderschuhe, Wasser, Wetterschutz und Fernglas
Rückfahrt: vom Königsstuhl mit dem Bus zurück nach Sassnitz möglich
Besonderheiten: Kreideküste, alte Buchenwälder, Wissower Klinken, UNESCO-Welterbeforum und Königsstuhl
Der Hochuferweg ist nicht barrierefrei. Wurzeln, feuchte Waldpassagen und Unebenheiten gehören zu dieser Wanderung dazu.

Von Sassnitz hinein in den Nationalpark Jasmund
Vom Hafen geht es zunächst durch Sassnitz Richtung Norden.
Mit jedem Schritt verschwindet die Stadt ein wenig mehr hinter mir. Häuser und Straßen weichen Bäumen, Vogelstimmen und dem Rauschen der Ostsee.
Dann beginnt der eigentliche Hochuferweg.
Die Route ist weiß-blau-weiß markiert und führt entlang der Kreideküste durch den Nationalpark Jasmund. Der komplette Hochuferweg zwischen Sassnitz, Königsstuhl und Lohme misst rund zwölf Kilometer.
Schon nach kurzer Zeit verstehe ich, warum dieser Weg zu den bekanntesten Wanderungen auf Rügen gehört.
Links dichter Buchenwald.
Rechts irgendwo unterhalb der Steilküste die Ostsee.
Und dazwischen ein schmaler Wanderweg, der immer wieder neue Ausblicke freigibt.

Durch die Piratenschlucht – auf den Spuren alter Legenden
Einer der ersten markanten Abschnitte ist die Piratenschlucht.
Der Name passt perfekt zu dieser zerklüfteten Küstenlandschaft.
Rund um Sassnitz und Jasmund ranken sich zahlreiche Geschichten um Klaus Störtebeker und andere Seeräuber. Ob der berühmte Freibeuter tatsächlich genau hier Verstecke oder Unterschlüpfe nutzte, lässt sich historisch nicht sicher belegen.
Für die Fantasie braucht es allerdings nicht viel.
Zwischen dunklem Wald, steilen Kreidehängen und dem Rauschen der Ostsee wirkt die Landschaft tatsächlich wie eine Kulisse für eine Piratengeschichte.
Ich bleibe auf dem markierten Hochuferweg und genieße die Aussicht von oben.
Das ist nicht nur naturverträglicher, sondern auch sicherer.
Kreideküste – wunderschön und ständig in Bewegung
Die weißen Klippen sehen massiv aus.
Doch tatsächlich gehört diese Küste zu einer Landschaft, die sich ständig verändert.
Regenwasser dringt in die Kreide ein, Frost sprengt Gestein, Baumwurzeln lockern den Untergrund und die Ostsee trägt am Fuß der Klippen Material ab.
Dadurch entstehen immer wieder neue Abbrüche.
Allein Ende Februar 2026 stürzten nördlich von Sassnitz etwa 9.000 Kubikmeter Material von der Steilküste. Auch im Bereich der Wissower Klinken kam es zu einem weiteren kleineren Abbruch.
Diese Dynamik gehört zum Nationalpark.
Sie ist einer der Gründe, warum die Kreideküste so spektakulär aussieht – und gleichzeitig ein Grund, ihr mit Respekt zu begegnen.

Wichtig: Abstand zur Kliffkante halten
Auf dieser Wanderung gilt eine einfache Regel:
Der markierte Hochuferweg ist der richtige Weg.
Direkt an die Abbruchkante zu treten, lohnt sich für kein Foto.
Auch unterhalb der Steilküste können jederzeit Kreide, Gestein oder Bäume herabstürzen. Das Nationalparkamt warnt ausdrücklich vor Aufenthalten unmittelbar unter dem Kliff und empfiehlt, ausschließlich markierte Wege und ausgewiesene Strandzugänge zu benutzen.
Gerade nach Starkregen, Frost und Tauwetter kann die Gefahr zusätzlich steigen.
Wissower Klinken – eine verschwundene Legende
Dann erreiche ich den Bereich der Wissower Klinken.
Die markanten weißen Kreidezinnen gehörten einst zu den bekanntesten Naturmotiven Rügens.
Historische Postkarten zeigen zwei schlanke Felsformationen, die hoch über der Ostsee aufragten.
Doch die Küste bleibt niemals stehen.
Im Jahr 2005 brachen wesentliche Teile der berühmten Wissower Klinken ab und stürzten in die Ostsee.
Was zunächst wie der Verlust eines Wahrzeichens wirkt, gehört aus Sicht der Natur zu einem völlig normalen Prozess.
Die Ostsee formt diese Küste seit Jahrtausenden.
Alte Felsen verschwinden.
Neue Formen entstehen.
Genau diese Vergänglichkeit macht den Nationalpark Jasmund für mich noch beeindruckender.
Hier wandert man nicht durch ein fertiges Landschaftsgemälde.
Man wandert durch eine Landschaft, die sich permanent verändert.

Hühnergötter, Feuerstein und Fossilien
Rund um die Kreideküste findet man Feuersteine in unterschiedlichsten Formen.
Besonders bekannt sind sogenannte Hühnergötter – Feuersteine mit einem natürlich entstandenen Loch.
Auch Fossilien wie Donnerkeile können in der Kreidelandschaft entdeckt werden.
Doch im Nationalpark gilt:
Anschauen und fotografieren – nicht mitnehmen.
Steine, Fossilien, Muscheln und anderes Strandgut gehören zum geschützten Naturraum und dürfen aus dem Nationalpark nicht als Souvenir entfernt werden.
Ein Foto wiegt im Rucksack ohnehin weniger.
Im Reich der alten Buchen
Hinter den Kreideausblicken taucht der Weg wieder tief in den Wald ein.
Plötzlich verschwindet die Ostsee hinter einem dichten Blätterdach.
Hohe Buchen stehen wie Säulen neben dem Weg. Umgestürzte Stämme dürfen liegen bleiben, Pilze und Insekten zersetzen das Holz und junge Bäume wachsen zwischen den alten Waldgiganten heran.
Genau hier zeigt sich eine völlig andere Seite des Nationalparks Jasmund.
Die Kreidefelsen sind zwar das bekannteste Motiv – ökologisch mindestens genauso außergewöhnlich sind die alten Buchenwälder der Stubnitz.

UNESCO-Weltnaturerbe im Nationalpark Jasmund
Seit 2011 gehören rund 492,5 Hektar Buchenwald im Herzen des Nationalparks Jasmund zum UNESCO-Weltnaturerbe der alten Buchenwälder Europas.
Wichtig ist dabei:
Nicht der gesamte Nationalpark trägt den UNESCO-Welterbestatus.
Ausgezeichnet ist ein besonders wertvoller Teil seiner alten Buchenwälder.
Gerade beim Wandern lässt sich verstehen, warum.
Hier stehen nicht einfach nur viele Buchen nebeneinander.
Der Wald darf altern.
Bäume sterben.
Totholz bleibt liegen.
Neue Generationen wachsen nach.
Diese natürliche Dynamik schafft Lebensräume für Pilze, Käfer, Fledermäuse und zahlreiche Vogelarten.
🛒 Powerbank – hält Smartphone, Kamera und Navigation während des Ausflugstags einsatzbereit.
🛒 Reiseführer Rügen – mit zusätzlichen Tipps zu Kap Arkona, Vitt, Sassnitz und weiteren Ausflugszielen.
Begegnungen im Wald
Im Unterholz raschelt es.
Für einen Moment bleibe ich stehen.
Auf einer Wanderung durch Jasmund kann jederzeit ein Tier auftauchen – Damwild, Füchse, Spechte oder mit etwas Glück auch Wildschweine.
Solche Begegnungen gehören zu den schönsten Momenten einer Tour.
Dabei bleibe ich auf dem Weg und halte Abstand.
Wildtiere sollten weder verfolgt noch gefüttert werden. Genau das schreibt auch der Nationalpark für Tierbeobachtungen vor.
Ein Fernglas ist hier wesentlich sinnvoller als der Versuch, für ein Foto näher heranzugehen.

Pause am UNESCO-Welterbeforum
Nach ungefähr 2,5 bis 3 Kilometern ab Sassnitz erreiche ich das UNESCO-Welterbeforum in der ehemaligen Waldhalle.
Es liegt auf einer kleinen Lichtung direkt an der Wanderroute und ist für mich der perfekte Platz für eine erste längere Pause.
Im Gebäude befindet sich eine kostenfreie Ausstellung über die Alten Buchenwälder.
Dazu kommen ein kleiner Imbiss, Sitzmöglichkeiten und ein Waldspielplatz.
Gerade wenn man nicht nur Kilometer sammeln, sondern die Landschaft verstehen möchte, lohnt sich der Zwischenstopp.
Nach Kaffee und kurzer Pause geht es weiter.
Bis zum Königsstuhl liegen noch mehrere Kilometer Wald und Kreideküste vor mir.
Der Hochuferweg wird immer wilder
Hinter der Waldhalle wird es ruhiger.
Der Weg steigt und fällt immer wieder leicht.
Wurzeln ziehen sich über den Boden, kleine Täler schneiden sich durch den Wald und zwischen den Bäumen öffnet sich plötzlich

Victoria-Sicht – der schönste Blick auf den Königsstuhl
Nach mehreren Stunden auf dem Hochuferweg von Sassnitz zum Königsstuhl öffnet sich der Buchenwald plötzlich. Zwischen den Baumkronen leuchtet die Ostsee, und vor mir erhebt sich eines der bekanntesten Wahrzeichen Rügens: der 118 Meter hohe Königsstuhl.
Den vielleicht schönsten Blick auf den berühmten Kreidefelsen habe ich jedoch nicht direkt vom Königsstuhl, sondern von der benachbarten Victoria-Sicht im Nationalpark Jasmund. Auch das Nationalparkamt beschreibt den Aussichtspunkt als besonderen Platz mit Blick über die Kreidefelsen der Stubbenkammer und auf den Königsstuhl.

Eine kleine Plattform über der Kreideküste
Die Victoria-Sicht liegt in der Kleinen Stubbenkammer südlich des Königsstuhls und befindet sich rund 110 Meter über der Ostsee. Eine schmale, gesicherte Aussichtsplattform ragt ein Stück über die Kreideküste hinaus.
Viel Platz gibt es hier nicht.
Gerade das macht den Aussichtspunkt so eindrucksvoll.
Unter mir fällt die helle Kreidewand fast senkrecht Richtung Ostsee ab. Gegenüber erhebt sich der bewaldete Königsstuhl, während sich dahinter das Blau der Ostsee bis zum Horizont erstreckt.
Für einen Moment vergesse ich die zurückgelegten Kilometer.
Hier zeigt sich die Kreideküste von Jasmund in ihrer ganzen Größe.
Woher kommt der Name Victoria-Sicht?
Auch hinter dem Namen steckt ein Stück Geschichte.
Vor dem Aussichtspunkt erinnert ein Gedenkstein daran, dass König Wilhelm I. die Victoria-Sicht am 10. Juni 1865 benannte. Der Name bezieht sich auf seine Schwiegertochter Kronprinzessin Victoria von Preußen, die später als Kaiserin Friedrich bekannt wurde.
Damit gehört die Victoria-Sicht seit mehr als 160 Jahren zu den historischen Aussichtspunkten an Rügens Kreideküste.

Der Königsstuhl aus der besten Perspektive
Wer direkt auf dem Königsstuhl steht beziehungsweise heute den Skywalk Königsstuhl besucht, erlebt die Kreideküste aus großer Höhe.
Von der Victoria-Sicht ergibt sich jedoch eine ganz andere Perspektive:
Hier sieht man den Königsstuhl selbst.
Die weiße Kreidewand, der grüne Buchenwald darüber und die blaue Ostsee bilden genau jene Kombination, wegen der die Küste von Jasmund weltweit bekannt geworden ist.
Auch der heutige Skywalk wurde so gestaltet, dass weiterhin Sichtbeziehungen zwischen Königsstuhl und Victoria-Sicht bestehen.
Naturgewalt direkt unter den Füßen
So stabil die Kreidefelsen aus der Entfernung wirken, so lebendig ist diese Landschaft.
Wind, Regen, Frost und die Ostsee formen die Steilküste permanent weiter. Abbrüche gehören zur natürlichen Entwicklung des Nationalparks Jasmund.
Deshalb bleibe ich konsequent auf dem markierten Weg und betrete nur die gesicherte Aussichtsplattform.
Gerade an einer so steilen Küste gilt:
Die beste Aussicht ist die, die man sicher genießen kann.

Vagabundo-Tipp
Wenn du von Sassnitz zum Königsstuhl wanderst, solltest du die Victoria-Sicht keinesfalls auslassen.
Nimm dir hier ein paar Minuten Zeit und hetze nicht direkt zum Nationalpark-Zentrum weiter.
Besonders schön ist die Aussicht am Morgen oder späteren Nachmittag, wenn das Licht seitlich auf die Kreidefelsen fällt und ihre Strukturen deutlicher hervorhebt.
Ein Fernglas lohnt sich ebenfalls. Neben dem Panorama lassen sich mit etwas Glück Seevögel und andere Küstenbewohner beobachten.
Wer nicht die komplette Wanderung von Sassnitz machen möchte, erreicht die Victoria-Sicht auch vom Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL aus zu Fuß. Das Nationalparkamt weist darauf hin, dass der Weg stufenlos verläuft, an seiner steilsten Stelle jedoch eine Steigung von mehr als 18 Prozent besitzt.
🛒 Winddichte Outdoor-Jacke – schützt vor kräftigem Ostseewind auf der Aussichtsplattform.
🛒 Leichter Tagesrucksack – praktisch für Wasser, Kamera, Jacke und kleine Einkäufe unterwegs.
Mein Eindruck
Nach den Kilometern durch den Jasmunder Buchenwald ist die Victoria-Sicht für mich einer der Höhepunkte der gesamten Wanderung.
Nicht, weil die Plattform besonders groß oder spektakulär gebaut wäre.
Im Gegenteil.
Es ist gerade dieser kleine Aussichtspunkt am Rand des Waldes, von dem aus sich plötzlich die gewaltige Kreideküste öffnet.
Vor mir der Königsstuhl.
Unter mir die Ostsee.
Hinter mir der alte Buchenwald.
Mehr Jasmund auf einmal geht kaum.

Finale am Skywalk Königsstuhl – barrierefreie Aussicht über die Ostsee
Der Wind wird kräftiger, je näher ich dem Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL komme. Zwischen den Buchen liegt der salzige Geruch der Ostsee in der Luft, Möwenrufe tragen vom Wasser herauf und irgendwo unterhalb der Kreideküste schlagen die Wellen dumpf gegen das Ufer.
Nach Stunden auf dem Hochuferweg spüre ich die Kilometer in den Beinen. Dann lichtet sich der Wald – und vor mir schiebt sich der Skywalk Königsstuhl über die weiße Kreidekante hinaus.
Ich trete auf die geschwungene Plattform. Unter mir fällt die Küste steil zur Ostsee ab, der Wind zerrt an meiner Jacke und weit draußen glänzt das Wasser im wechselnden Licht.
Für einen Moment fühlt es sich an, als würde ich über dem Meer schweben.
Mit einer Länge von rund 185 Metern führt der Rundweg bis auf etwa 122 Meter über die Ostsee. Dabei liegt die Konstruktion ungefähr vier Meter über dem eigentlichen Königsstuhl. Der historische Kreidefelsen selbst wird dadurch nicht mehr betreten und vor zusätzlicher Belastung geschützt.

Mein Tag am Kap Arkona – wo Geschichte, Kunst und Ostseeblick aufeinandertreffen
Schon von Weitem ragt der Peilturm am Kap Arkona über die windgeformte Landschaft der Halbinsel Wittow. Je näher ich komme, desto kräftiger bläst mir die Ostseeluft ins Gesicht. Möwen ziehen über die Steilküste, das Gras rauscht im Wind und hinter dem roten Backsteinturm glitzert das Meer.
Dann beginnt der Aufstieg.
111 Stufen führen hinauf zur Aussichtsplattform. Mit jeder Etage werden die Beine etwas schwerer – aber oben angekommen ist die Anstrengung schnell vergessen. In rund 20 Metern Höhe öffnet sich ein weiter Rundumblick über die Ostsee, die Felder von Wittow, die Küste und bei klarer Sicht sogar bis in Richtung Hiddensee. Der Peilturm selbst ist insgesamt etwa 23 Meter hoch.

Der Peilturm – kein klassischer Leuchtturm
Auf den ersten Blick könnte man den runden Backsteinbau leicht für einen weiteren Leuchtturm halten.
Doch der Peilturm hatte eine andere Aufgabe.
Er wurde 1927 in unmittelbarer Nähe der Jaromarsburg für den militärischen Seefunk errichtet. Die Anlage diente der Funkpeilung und später auch der Beobachtung des Funkverkehrs auf der südlichen Ostsee. Offiziell ging die Peilfunkstelle mit dem Rufzeichen DBI am 12. September 1936 in Betrieb und wurde bis 1945 genutzt.
Damit unterscheidet sich der Peilturm deutlich vom benachbarten Schinkelturm und dem Neuen Leuchtturm.
Seine Geschichte gehört weniger zum klassischen Leuchtfeuerwesen als zur Entwicklung von Funknavigation und militärischer Nachrichtentechnik an der Ostsee.

Vom Marinebauwerk zum Aussichtsturm
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die technischen Einrichtungen entfernt beziehungsweise zerstört. Der Turm verlor seine ursprüngliche Funktion und verfiel zunehmend.
Erst 1996 wurde der Peilturm umfassend saniert und mit einer Aussichtsplattform ausgestattet.
Heute wirkt davon kaum noch etwas düster.
Unter der markanten Glaskuppel liegt einer der ungewöhnlichsten Aussichtspunkte am Kap Arkona.
Während ich an der Reling stehe, drückt der Wind gegen meine Jacke. Unter mir zieht sich das Hochufer entlang, weiter hinten stehen die beiden Leuchttürme und dahinter scheint die Ostsee direkt mit dem Himmel zu verschmelzen.
Gerade dieser Kontrast macht den Ort für mich spannend:
Früher wurde von hier Funkverkehr beobachtet – heute genieße ich einfach die Aussicht.
🛒 Wanderkarte Rügen – hilfreich für Küstenwege und Touren auf der Halbinsel Wittow.
🛒 Trinkflasche für unterwegs – praktisch für längere Spaziergänge rund um Kap Arkona.
🛒 Alpaka-Wolldecke – thematisch passend zur heutigen Nutzung des Peilturms und gemütlich für Zuhause.
Kunst und Alpaka-Textilien im Peilturm
Auch im Inneren hat der Peilturm heute eine völlig andere Bestimmung.
Unter dem Namen SALLQA PACHA werden dort Kunsthandwerk, Schmuck, Textilien sowie Kleidung und Produkte aus Alpaka- und anderer Wolle angeboten. Dazu gibt es Kaffee, Gebäck, Eis und weitere kleine Erfrischungen.
Wer beim Stichwort „Alpaka“ allerdings lebende Tiere erwartet, sollte wissen:
Hier geht es vor allem um Alpaka-Textilien und Kunsthandwerk aus Lateinamerika – nicht um eine Alpakafarm am Kap.
Gerade nach den 111 Stufen kommt eine kleine Pause mit Kaffee und Ostseeblick ziemlich gelegen.
Vagabundo-Tipp
Wenn du das Kap Arkona auf Rügen besuchst, würde ich den Peilturm nicht einfach zwischen den beiden berühmteren Leuchttürmen übersehen.
Die Aussichtsplattform ist kleiner und der Turm weniger monumental – dafür verbindet er auf ungewöhnliche Weise Marinegeschichte, Funktechnik, Kunst und Panorama.
Bei klarer Sicht lohnt es sich, oben etwas länger zu bleiben.
Nicht nur Richtung Ostsee schauen.
Auch der Blick über die Halbinsel Wittow, zur Jaromarsburg und hinüber zu den beiden Leuchttürmen zeigt, wie besonders die Lage des Kap Arkona eigentlich ist.
Mein Eindruck
Als ich wieder die Wendeltreppe hinabsteige, höre ich draußen noch immer den Wind um den Turm ziehen.
Der Peilturm ist kein spektakuläres Museum mit riesiger Ausstellung und auch kein aktiver Leuchtturm.
Gerade deshalb gefällt er mir.
Ein Bauwerk aus dem Jahr 1927, das ursprünglich militärischer Funktechnik diente, ist heute Aussichtspunkt, Kunstort und kleine Einkehr zugleich.
Und spätestens oben auf der Plattform wird klar:
Manchmal braucht es nur 111 Stufen, um Rügen aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen.




Kommentare