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Der Buchfink (Fringilla coelebs)

23. März 2024
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Okt.


Ein Buchfink (Fringilla coelebs) sitzt auf dem Boden mit Blättern, Buchfink, Vagabundo


Der Buchfink (Fringilla coelebs) – farbenfroher Sänger unserer Wälder

Der Buchfink (Fringilla coelebs) gehört zu den häufigsten und bekanntesten Singvögeln Mitteleuropas. Mit seinem kräftigen Gesang und den auffälligen weißen Flügelbinden ist er in Wäldern, Parks und Gärten relativ leicht zu erkennen.

Besonders die Männchen fallen im Frühjahr durch ihre kräftige Färbung auf. Buchfinken sind jedoch nicht nur optisch interessant: Ihr charakteristischer Gesang, ihre regionalen Gesangsdialekte und ihr unterschiedliches Zugverhalten machen sie zu spannenden Beobachtungsvögeln.


Aussehen: Männchen und Weibchen unterscheiden

Beim Buchfink unterscheiden sich die Geschlechter deutlich voneinander.


Männchen

Das Männchen besitzt:

  • einen blaugrauen Scheitel und Nacken

  • eine rotbraune bis weinrote Brust

  • rötlich gefärbte Wangen

  • einen braunen Rücken

  • zwei auffällige weiße Flügelbinden

  • einen grünlichen Bürzel

Während der Fortpflanzungszeit wirkt das Gefieder besonders kontrastreich.


Weibchen

Das Weibchen ist wesentlich unauffälliger gefärbt.

Typisch sind:

  • grünlich-graue bis beige-braune Farbtöne

  • eine hellere Unterseite

  • ebenfalls zwei deutlich erkennbare weiße Flügelbinden

Diese Tarnfärbung ist besonders während der Brutzeit von Vorteil.


Jungvögel

Junge Buchfinken ähneln zunächst den Weibchen. Auch bei ihnen ist die typische helle Zeichnung auf den Flügeln bereits gut erkennbar.


Infoposter zum Buchfink mit Männchen, Weibchen und Jungvögeln auf Ast; grün-braune Natur und viele deutsche Texte.





Lebensraum: Von Wäldern bis Stadtparks

Der Buchfink ist ausgesprochen anpassungsfähig und besiedelt unterschiedlichste baumbestandene Lebensräume.

Besonders häufig findet man ihn in:

  • Laub- und Mischwäldern

  • Nadelwäldern

  • Waldrändern und Feldgehölzen

  • Parks

  • Friedhöfen

  • Alleen

  • Obstgärten

  • größeren naturnahen Gärten

Entscheidend ist weniger eine bestimmte Waldform als das Vorhandensein geeigneter Bäume und Gehölze.

Mischwälder und abwechslungsreiche Landschaften können besonders hohe Bestandsdichten aufweisen. Auch einzelne Baumgruppen innerhalb der Kulturlandschaft können als Brutplätze genutzt werden.


Nahrung: Wechsel im Jahresverlauf

Der Speiseplan des Buchfinks verändert sich mit den Jahreszeiten.

Im Frühjahr und während der Brutzeit gewinnen Insekten, Raupen, Spinnen und andere kleine Wirbellose stark an Bedeutung. Besonders die Jungvögel benötigen eiweißreiche tierische Nahrung für ihr Wachstum.

Erwachsene Buchfinken fressen jedoch auch während dieser Zeit weiterhin pflanzliche Nahrung.

Im Herbst und Winter stehen vor allem:

  • Samen

  • Körner

  • Bucheckern

  • andere Baumsamen

  • kleine Früchte

auf dem Speiseplan.

Buchfinken suchen ihre Nahrung besonders häufig am Boden. Dabei laufen oder hüpfen sie zwischen Laub, kurzem Gras und heruntergefallenen Samen umher.


Buchfinken an der Futterstelle

Im Winter besuchen Buchfinken regelmäßig Gärten und Futterplätze.

Im Gegensatz zu Meisen sitzen sie jedoch nicht ständig direkt an hängenden Futterspendern. Häufig suchen sie lieber unterhalb der Futterstelle nach heruntergefallenen Sonnenblumenkernen, Sämereien oder Nussstückchen.

Deshalb sollte auch der Boden unter Futterstellen sauber gehalten werden, damit verdorbenes Futter und Kot nicht zur Ausbreitung von Krankheiten beitragen.


Gesang: Der typische Finkenschlag

Der Gesang des Buchfinken gehört zu den charakteristischen Stimmen des Frühlings.

Das Männchen trägt eine kräftige, rhythmische Strophe vor. Sie beginnt meist mit mehreren schnell aufeinanderfolgenden Tönen, geht anschließend in eine abfallende Tonfolge über und endet mit einem markanten Endschnörkel.

Diese typische Strophe wird auch als Finkenschlag bezeichnet.

Im Frühjahr kann ein Männchen seinen Gesang unzählige Male wiederholen, um sein Revier zu markieren und Weibchen auf sich aufmerksam zu machen.






Infografik zum Buchfink: Vogel sitzt auf Ast, rechts Infos zu Lebensraum, Nahrung und Gesang vor grünem Naturhintergrund.




Regionale Gesangsdialekte

Besonders interessant ist, dass Buchfinken regionale Gesangsvarianten entwickeln können.

Junge Männchen lernen wesentliche Teile ihres Gesangs von Artgenossen in ihrer Umgebung. Dadurch entstehen örtlich unterschiedliche Dialekte, die sich in einzelnen Tonfolgen unterscheiden können.

Außerhalb der Fortpflanzungszeit ist der vollständige Reviergesang deutlich seltener zu hören. Dann dominieren Kontakt-, Flug- und Warnrufe.


Brutverhalten und Nestbau

Die Brutzeit des Buchfinken beginnt in Mitteleuropa meist ab Mitte April.

Das Männchen verteidigt sein Revier mit intensivem Gesang. Auch Weibchen können gegenüber Artgenossen ausgesprochen territorial reagieren.

Das Nest wird überwiegend vom Weibchen gebaut.

Es handelt sich um einen sorgfältig gearbeiteten, halbkugelförmigen Napf aus:

  • Moos

  • Flechten

  • feinen Wurzeln

  • Pflanzenfasern

  • Rindenstückchen

  • Tierhaaren

Außen wird das Nest häufig mit Flechten und anderem Material getarnt, sodass es zwischen Ästen und Rinde nur schwer zu entdecken ist.

Als Nistplatz dienen Astgabeln von Bäumen sowie größere Sträucher und Hecken.


Fortpflanzung und Jungenaufzucht

Ein Gelege besteht normalerweise aus vier bis sechs Eiern.

Die wichtigsten Brutdaten:

  • Brutbeginn: meist ab Mitte April

  • Gelege: etwa 4–6 Eier

  • Brutdauer: ungefähr 13–14 Tage

  • Nestlingszeit: etwa 14 Tage

  • Betreuung nach dem Ausfliegen: weitere ungefähr 10–14 Tage

  • Bruten: je nach Region und Bedingungen ein bis zwei pro Jahr

Das Weibchen übernimmt den größten Teil des Brütens.

Nach dem Schlüpfen werden die Jungvögel von beiden Eltern mit Nahrung versorgt. Dabei spielen Insekten, Raupen und andere kleine Wirbellose eine besonders wichtige Rolle.

Bereits nach ungefähr zwei Wochen verlassen die jungen Buchfinken das Nest. Zu diesem Zeitpunkt sind sie jedoch noch nicht vollständig selbstständig und werden weiterhin von den Eltern gefüttert und geführt.


Buchfinken sind Freibrüter

Anders als Meisen, Kleiber oder Sperlinge sind Buchfinken keine Höhlenbrüter.

Sie nutzen deshalb keine klassischen geschlossenen Nistkästen.

Ihre kunstvollen Nester befinden sich frei zwischen Ästen, in Sträuchern oder in dichten Hecken. Ein strukturreicher Garten ist daher wesentlich hilfreicher als ein gewöhnlicher Nistkasten.

Besonders wichtig sind:

  • dichte Hecken

  • heimische Sträucher

  • alte Bäume

  • ungestörte Gehölzbereiche

  • ausreichend Insekten

  • naturnahe Gartenflächen

Während der Brutzeit sollten Hecken und Sträucher möglichst nicht unnötig gestört werden.



Infografik zum Buchfink: Vogel auf Ast, Brutzeit, Zugverhalten und Beobachtungstipps mit Fotos und Texten im Waldgrün.





Warum heißt der Buchfink „Fringilla coelebs“?

Der wissenschaftliche Artname coelebs lässt sich sinngemäß mit „unverheiratet“ oder „Junggeselle“ übersetzen.

Der Name wird traditionell damit erklärt, dass Carl von Linné beobachtete, dass in bestimmten Regionen während des Winters überwiegend männliche Buchfinken zurückblieben, während viele Weibchen weiter nach Süden zogen.

Dieses unterschiedliche Zugverhalten lässt sich auch heute noch bei europäischen Buchfinken beobachten.


Wie alt werden Buchfinken?

Wie bei vielen kleinen Singvögeln ist die Sterblichkeit besonders während des ersten Lebensjahres relativ hoch.

Trotzdem können einzelne Buchfinken bei günstigen Bedingungen deutlich älter als zehn Jahre werden.

Solche hohen Alterswerte sind allerdings Ausnahmefälle. Die tatsächliche durchschnittliche Lebenserwartung freilebender Buchfinken liegt deutlich darunter.

Ringfunde sind besonders wertvoll, um Wanderbewegungen, Überlebensraten und das mögliche Höchstalter von Wildvögeln zu untersuchen.


Beobachtungstipps für Buchfinken


Frühling

Jetzt sind die Männchen besonders auffällig.

Von erhöhten Ästen und Baumwipfeln tragen sie regelmäßig ihren charakteristischen Gesang vor. Dadurch lassen sie sich häufig zunächst hören und anschließend gezielt entdecken.


Sommer

Während der Jungenaufzucht suchen die Vögel verstärkt nach Insekten und anderen Wirbellosen.

In dieser Zeit können Buchfinken häufig auf dem Boden oder zwischen niedriger Vegetation beobachtet werden.


Herbst

Unter Buchen und anderen samentragenden Bäumen lohnt sich die Suche nach nahrungssuchenden Buchfinken.

Jetzt gewinnen Samen und Früchte zunehmend an Bedeutung.


Winter

In der kalten Jahreszeit bilden Buchfinken teilweise größere Trupps und besuchen regelmäßig Gärten sowie Futterstellen.

Besonders häufig findet man sie am Boden unter dem Futterhaus.


Infografik zum Buchfink auf Ast mit Jahresverlauf, Beobachtungstipps und Fotos in Frühling, Sommer, Herbst und Winter.



Verwechslungsgefahr


Bergfink

Der Bergfink ist besonders während des Winterhalbjahres ein häufiger Begleiter des Buchfinken.

Typisch sind seine orangefarbenen Partien an Brust und Schulter sowie der auffällige weiße Bürzel, der besonders im Flug gut sichtbar ist.

Männliche Bergfinken können während der Brutzeit außerdem einen nahezu schwarzen Kopf entwickeln.


Girlitz

Der Girlitz ist deutlich kleiner als der Buchfink.

Er wirkt insgesamt gelblicher und besitzt eine stärkere dunkle Längsstreifung. Sein kurzer Schnabel und der schnelle, klirrende Gesang unterscheiden ihn zusätzlich vom Buchfinken.




Buchfinken im Garten unterstützen

Wer Buchfinken fördern möchte, sollte vor allem natürliche Strukturen schaffen und erhalten.

Hilfreich sind:

  • heimische Hecken und Sträucher

  • alte Bäume

  • Wildblumenflächen

  • samenreiche Pflanzen

  • ungestörte Gartenbereiche

  • Laub und Totholz

  • möglichst wenig Insektizide

  • ausreichend natürliche Insektenlebensräume

Ein abwechslungsreicher Garten bietet nicht nur Nistmöglichkeiten, sondern auch Raupen, Spinnen, Käfer und andere Wirbellose für die Aufzucht der Jungvögel.

Auch Insektenhotels können bestimmten Wildbienen und anderen Insekten zusätzliche Nistmöglichkeiten bieten. Noch wichtiger ist jedoch eine insgesamt vielfältige und naturnahe Gartengestaltung.

Klassische Nistkästen sind für Buchfinken dagegen kaum geeignet, da sie ihre Nester frei in Gehölzen bauen.


Fazit: Einer der bekanntesten Sänger unserer Wälder

Der Buchfink (Fringilla coelebs) gehört zu den charakteristischsten Singvögeln unserer Wälder, Parks und Gärten.

Seine weißen Flügelbinden, das farbenprächtige Gefieder des Männchens und der typische Finkenschlag machen ihn relativ leicht erkennbar.

Besonders interessant sind seine regionalen Gesangsdialekte, das unterschiedliche Zugverhalten von Männchen und Weibchen sowie seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensräume.

Für Einsteiger in die Vogelbeobachtung ist der Buchfink daher eine ideale Art: häufig, gut zu erkennen und fast das ganze Jahr über zu beobachten.


Infografik zum Buchfink: Vogel auf Ast, Tipps für naturnahe Gärten und Nistplätze, grün-beige Layout mit vielen Textfeldern.














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