Die Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax)
Aktualisiert: 23. Sept.
Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax), einem charakteristischen Rabenvogel der europäischen Hochgebirge und Küstenregionen.

Aussehen & Merkmale
Färbung:
Glänzend schwarzes Gefieder mit grünlich-blauem Schimmer, der besonders im Sonnenlicht auffällt.
Leuchtend roter, langer und leicht gebogener Schnabel bei erwachsenen Alpenkrähen.
Rote Beine – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur ähnlichen Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), die einen gelben Schnabel besitzt.
Größe:
Körperlänge: etwa 37–41 cm
Flügelspannweite: rund 68–80 cm
Gewicht: etwa 260–350 g
Stimme: Typisch sind laute, metallisch klingende Rufe wie „kjar-r-r“ oder „tschack“, die besonders im Flug zu hören sind.

Verbreitung & Lebensraum
Verbreitung der Alpenkrähe:
Gebirgsregionen wie Alpen, Pyrenäen, Atlasgebirge und Himalaya sowie Teile der Britischen Inseln.
Auch an felsigen Atlantikküsten, unter anderem in Irland, Großbritannien, Portugal und Nordwestspanien.
Lebensräume:
Alpine Matten, offene Gebirgslandschaften und felsige Hänge, teils in großen Höhen.
Steilküsten und Felsklippen, besonders entlang der Atlantikküste.
Auch extensiv genutzte Kulturlandschaften wie Almweiden und Bergwiesen dienen der Nahrungssuche.
Ernährung der Alpenkrähe
Vorwiegend tierische und pflanzliche Nahrung:
Wirbellose wie Insekten, Spinnen und Würmer.
Beeren, Samen und andere pflanzliche Nahrung.
Gelegentlich Aas, besonders wenn im Winter andere Nahrung knapp wird.
Nahrungssuche: Mit ihrem langen, gebogenen Schnabel stochert die Alpenkrähe gezielt in weichem Boden, Felsspalten oder Viehdung nach Insekten und anderen Kleintieren.

Sozialverhalten & Fortpflanzung
Lebensweise:
Alpenkrähen sind gesellige Vögel und leben außerhalb der Brutzeit häufig in Gruppen oder größeren Schwärmen.
Paare bilden langfristige Bindungen und bleiben ihren Brutplätzen oft über viele Jahre treu.
Brut:
Nistplatz: Felsspalten, Höhlen, Felsvorsprünge und gelegentlich alte Gebäude.
Brutzeit: überwiegend Frühjahr bis Frühsommer, meist eine Brut pro Jahr.
Gelege: meist 3–5 Eier, gelegentlich bis zu 6.
Brutdauer: etwa 17–19 Tage; die Jungvögel werden nach rund 5–6 Wochen flügge.
Bedrohungen & Schutz
Gefährdungsursachen:
Störungen an Brutplätzen durch Klettern, Tourismus und andere Freizeitaktivitäten.
Verlust extensiv beweideter Bergwiesen und Küstenweiden → weniger geeignete Nahrungshabitate.
Veränderungen von Vegetation und Nahrungsangebot können regionale Bestände zusätzlich beeinträchtigen.
Schutzstatus:
Weltweit gilt die Alpenkrähe derzeit als nicht gefährdet, regional sind Bestände jedoch klein oder rückläufig.
In Österreich gilt sie als regional ausgestorbener ehemaliger Brutvogel.
In der EU-Vogelschutzrichtlinie ist Pyrrhocorax pyrrhocorax in Anhang I aufgeführt.
Schutzmaßnahmen:
Ruhige und störungsarme Brutplätze an Felsen und Steilküsten erhalten.
Extensive Weidewirtschaft fördern, damit kurzrasige und insektenreiche Nahrungsflächen bestehen bleiben.

Besonderheiten der Alpenkrähe
Intelligenz & Verhalten:
Als Krähenvogel besitzt die Alpenkrähe ein ausgeprägtes Sozialverhalten und kommuniziert mit verschiedenen Rufen.
Besonders auffällig sind ihre akrobatischen Flugmanöver an Felswänden und in starken Aufwinden.
Mit ihrem langen, gebogenen Schnabel sucht sie gezielt im Boden nach Insekten und Larven.
Kulturgeschichte:
Die Alpenkrähe spielt besonders in Cornwall eine wichtige Rolle und ist dort sogar Teil des Wappens.
Einer alten Legende zufolge soll König Artus nach seinem Tod in eine Alpenkrähe verwandelt worden sein.
Bestand der Alpenkrähe in Europa
Der europäische Brutbestand wird auf rund 42.000–98.000 Brutpaare geschätzt.
Die Art ist in Europa nur lückenhaft verbreitet und kommt unter anderem auf der Iberischen Halbinsel, in Gebirgsregionen Südeuropas sowie auf den Britischen Inseln vor.
Während einige Populationen stabil sind oder sich erholen, zeigen andere Regionen rückläufige Bestände.
Besonders wichtig für den Schutz sind offene, extensiv beweidete Landschaften mit geeigneten Felsen als Brutplätze.
Wissenschaftlicher Name: Pyrrhocorax pyrrhocorax Familie: Krähenvögel (Corvidae) Englischer Name: Red-billed Chough
Fun Fact
Alpenkrähen sind echte Höhenflieger: Im Himalaya wurden sie im Sommer in Höhen von mehreren Tausend Metern beobachtet. Für die Art existieren sogar Nachweise aus rund 7.950 m Höhe am Mount Everest – eine außergewöhnliche Leistung für einen Krähenvogel.

Brutverhalten der Alpenkrähe
Nistplatz und Brutvorbereitung
Niststandort: Alpenkrähen brüten bevorzugt in geschützten Felsspalten, Höhlen und Nischen an Felswänden oder Steilküsten. Neben Hochgebirgen werden auch Küstenklippen und regional sogar alte Gebäude als Brutplätze genutzt.
Nistmaterial: Das Nest besteht überwiegend aus Zweigen, Wurzeln und Pflanzenmaterial und wird innen mit Gras, Wolle oder Tierhaaren weich ausgepolstert.
Paarbindung: Alpenkrähen bilden langfristige monogame Paarbindungen. Viele Paare bleiben über mehrere Jahre zusammen und nutzen geeignete Brutgebiete wiederholt.
Brutzyklus und Aufzucht
Brutzeit: Die Fortpflanzungszeit beginnt überwiegend im Frühjahr; normalerweise gibt es nur eine Brut pro Jahr.
Gelegegröße: Meist legt das Weibchen 3–5 Eier, möglich sind Gelege von 1–6 Eiern.
Bebrütung: Das Weibchen brütet etwa 17–18 Tage, während das Männchen einen wichtigen Teil der Nahrungsversorgung übernimmt.
Nestlingszeit: Die jungen Alpenkrähen bleiben ungefähr 31–41 Tage im Nest und werden nach dem Schlupf von beiden Eltern mit Nahrung versorgt.
Nach dem Ausfliegen: Junge Alpenkrähen bleiben zunächst mit ihren Eltern zusammen und bilden später häufig Familiengruppen mit anderen Artgenossen.

Sozialverhalten und Kooperation
Familienleben: Beide Eltern beteiligen sich intensiv an der Aufzucht und Versorgung der Jungvögel.
Kommunikation: Alpenkrähen sind ausgesprochen soziale Krähenvögel und halten mit charakteristischen Rufen Kontakt zu Partnern und Gruppenmitgliedern.
Flugverhalten: Besonders auffällig sind ihre akrobatischen Flugmanöver. Jungvögel trainieren nach dem Ausfliegen gemeinsam das Segeln, Stürzen und Wenden in den Aufwinden der Felslandschaften.
Bedrohungen für den Bruterfolg
Störungen an Brutplätzen: Freizeitaktivitäten und andere menschliche Störungen in unmittelbarer Nähe von Brutklippen können den Bruterfolg beeinträchtigen. Ruhige Felsnischen sind deshalb besonders schützenswert.
Landwirtschaftlicher Wandel: Der Verlust extensiv beweideter Flächen lässt kurzrasige Wiesen und damit wichtige Insekten-Nahrungsquellen verschwinden. Beweidung kann dagegen geeignete Nahrungshabitate für Alpenkrähen erhalten.
Klimatische Veränderungen: Veränderungen von Vegetation, Niederschlag und extremen Wetterereignissen können das Nahrungsangebot während der Brutzeit beeinflussen und dadurch besonders Jungvögel unter Druck setzen.
Mit grundlegender Wetterkunde können Wanderer, Radfahrer und Outdoor-Fans Wetterveränderungen frühzeitig erkennen. ⇨

Schutzmaßnahmen
Brutplätze schützen: Felsnischen, Höhlen und Steilklippen sollten während der Brutzeit möglichst störungsfrei bleiben. Besonders Klettern und andere Freizeitaktivitäten können empfindliche Brutplätze beeinträchtigen.
Extensive Weidewirtschaft fördern: Kurzrasige Berg- und Küstenweiden sind wichtige Nahrungsflächen. Beweidung erhält offene Lebensräume und fördert Insekten sowie andere Wirbellose, von denen sich Alpenkrähen ernähren.
Bestände überwachen: Regelmäßige Brutvogelerfassungen, Beringung und Nestkontrollen helfen dabei, Bruterfolg, Wanderbewegungen und die Entwicklung einzelner Populationen zu dokumentieren.
Bestand und Entwicklung in Europa
Der europäische Bestand der Alpenkrähe wird auf etwa 42.000–98.000 Brutpaare geschätzt. Die Verbreitung ist jedoch stark zersplittert und reicht von der Iberischen Halbinsel und den Pyrenäen über Gebirgsregionen Südeuropas bis zu den Britischen Inseln.
Regional entwickelt sich die Art unterschiedlich: In Cornwall wächst der Bestand wieder, während in Teilen von Wales und auf den Inneren Hebriden langfristige Rückgänge festgestellt wurden. Entscheidend für die Zukunft der Alpenkrähe sind deshalb geeignete Brutplätze und ausreichend offene, extensiv bewirtschaftete Nahrungsflächen.

Besonderheiten der Alpenkrähe
Kulturelle Bedeutung: Besonders in Cornwall besitzt die Alpenkrähe einen hohen Symbolwert und erscheint sogar in der regionalen Heraldik. Verschiedene Legenden verbinden den auffälligen Krähenvogel außerdem mit König Artus und der Geschichte Cornwalls.
Anpassungsfähigkeit: Alpenkrähen nutzen neben natürlichen Bergwiesen und Küstenrasen auch extensiv bewirtschaftete Weideflächen. Entscheidend sind kurze Vegetation und ein gutes Angebot an Insekten und anderen Bodenorganismen.
Treue zum Lebensraum: Trotz ihrer ausgezeichneten Flugkünste sind viele Brutpaare ausgesprochen standorttreu und nutzen geeignete Nistplätze über mehrere Jahre hinweg.
Der Schutz der Alpenkrähe hängt deshalb vor allem vom Erhalt störungsarmer Brutplätze und extensiv genutzter Offenlandschaften ab. Nur wenn Felsnischen, Bergwiesen und Küstenweiden erhalten bleiben, findet Pyrrhocorax pyrrhocorax genügend Raum zum Brüten und zur Nahrungssuche.




Kommentare