Naturpark Erzgebirge-Vogtland: Wo Wildnis, Kultur und Bergbau-Herz schlagen
Aktualisiert: vor 5 Tagen
Ein preisgekröntes Naturjuwel
Mit rund 1.495 km² Fläche ist der Naturpark Erzgebirge/Vogtland eine der großen geschützten Kulturlandschaften Sachsens. Rund 256.500 Menschen leben in seinen 58 Städten und Gemeinden – mitten in einer Region, in der Natur, Bergbaugeschichte und jahrhundertealte Kulturlandschaft eng miteinander verbunden sind.
Im September 2024 wurde der Naturpark erneut als „Qualitäts-Naturpark“ ausgezeichnet. Das Prädikat würdigt unter anderem seine Arbeit im Naturschutz, in der Umweltbildung, im nachhaltigen Tourismus und in der regionalen Entwicklung und gilt für weitere fünf Jahre.
Besonders prägend sind artenreiche Bergwiesen, Hochmoore, naturnahe Wälder sowie die vom historischen Bergbau geformte Kulturlandschaft. Mit dem 1.215 Meter hohen Fichtelberg liegt zudem der höchste Berg Sachsens innerhalb der Naturparkregion.

Geografische Einzigartigkeit im Naturpark Erzgebirge-Vogtland: Mehr als nur Berge
Die heutige Landschaft des Erzgebirges entstand durch gewaltige geologische Prozesse. Vor rund 30 Millionen Jahren begann sich die Erzgebirgsscholle zu heben und nach Norden zu verkippen. Im Süden wurde sie um mehr als 1.000 Meter angehoben. Flüsse schnitten sich anschließend tief in die Hochflächen ein und formten die charakteristischen Täler des Gebirges.
Höchste Berge: Der Klínovec/Keilberg (1.244 m) auf tschechischer Seite ist der höchste Berg des Erzgebirges. Direkt gegenüber erhebt sich der Fichtelberg (1.215 m) – Sachsens höchster Berg und die höchste Erhebung im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.
Flüsse und Täler: Die meisten Bäche und Flüsse fließen entsprechend der Neigung des Gebirges nach Norden. Über Zwickauer und Freiberger Mulde, Weiße Elster und Saale gelangt das Wasser letztlich zur Elbe. Eine interessante Ausnahme in der Fließrichtung ist die Zwota, die nach Süden zur Eger entwässert.
Wasserschloss des Erzgebirges: Die niederschlagsreichen Kammlagen sind bedeutende Wasserspeicher. Nach Angaben des Naturparks liefern acht der neun Talsperren Trinkwasser, teilweise weit über die Grenzen des Naturparks hinaus.

Naturschätze: Vom Hochmoor zur Bergwiese
Der Naturpark schützt eine außergewöhnlich vielfältige Kulturlandschaft. Dazu gehören Hoch- und Quellmoore, blütenreiche Berg- und Feuchtwiesen, Steinrücken, Heckenlandschaften und naturnahe Bergmischwälder. Rund 64 Prozent der Naturparkfläche sind bewaldet.
Schutzgebiete und Artenvielfalt
Der Naturpark umfasst unter anderem 45 Naturschutzgebiete, 48 FFH-Gebiete und 11 europäische Vogelschutzgebiete.
Zu den besonders bemerkenswerten Arten gehören:
Sperlingskauz
Birkhuhn
Schwarzstorch
die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel
seltene Pflanzen wie Arnika, Enziane und verschiedene Orchideenarten
Gerade die Flussperlmuschel ist auf extrem saubere, kühle und naturnahe Bäche angewiesen und gehört zu den wichtigsten Artenschutzprojekten des Naturparks.
Aktiver Naturschutz
Ein Schwerpunkt liegt auf der Revitalisierung erzgebirgischer Moore. Im Naturpark wurden mehr als 150 Moor- und Torfstandorte erfasst; nur etwa vier Prozent gelten noch als naturnah oder gering gestört. Intakte Moore speichern Kohlenstoff, halten Wasser zurück und bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.
Gleichzeitig werden artenreiche Bergwiesen und Borstgrasrasen gepflegt, historische Kulturlandschaften erhalten und bedrohte Arten wie die Flussperlmuschel gezielt gefördert. Auch Hecken, Streuobstwiesen und naturnahe Bachläufe spielen dabei eine wichtige Rolle.

Kultur & Geschichte: Das Erbe des Bergbaus
Über fast 800 Jahre prägte der Bergbau das Erzgebirge. Silber, Zinn und andere Erze veränderten Landschaft, Städte, Technik und Kultur – Spuren davon sind bis heute in Form von Stollen, Schächten, Halden, Wassergräben und historischen Bergstädten sichtbar.
UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří
Seit 2019 gehört die grenzüberschreitende Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zum UNESCO-Welterbe. Die Welterbestätte umfasst 22 Teilgebiete – 17 in Sachsen und fünf in Tschechien. Sie dokumentieren die Entwicklung des Bergbaus vom Mittelalter bis in die Neuzeit und zeigen Bergwerke, Hütten, Wasserwirtschaftssysteme, Bergstädte und von Halden geprägte Landschaften.
Bergbauspuren: Alte Stollen, Schächte, Pingen und Halden erinnern bis heute an die jahrhundertelange Erzgewinnung.
Wandern auf historischen Spuren: Auch entlang des Kammwegs Erzgebirge–Vogtland begegnet man immer wieder Landschaften und Orten, die vom Bergbau und der erzgebirgischen Kultur geprägt wurden.
Bergstädte: Orte wie Freiberg, Annaberg-Buchholz, Schneeberg und Marienberg erzählen von Zeiten, in denen das Erzgebirge zu den bedeutendsten Bergbauregionen Europas gehörte. Im Zeitraum von etwa 1460 bis 1560 war die Region sogar die größte Silbererzquelle Europas.
Lebendige Bergbautraditionen
Das montane Erbe lebt nicht nur in alten Bergwerken weiter. Bergparaden und Bergaufzüge mit historischen Bergmannsuniformen und bergmännischen Musikvereinen gehören bis heute zur Kultur Sachsens. Seit 2016 sind diese Traditionen im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingetragen.
Gerade in der Adventszeit prägen Bergparaden, Lichtertraditionen, Holzkunst und der traditionelle Gruß „Glück auf!“ vielerorts das kulturelle Bild des Erzgebirges.

Ikonische Figuren & historische Stätten
Karl Stülpner – der „Robin Hood des Erzgebirges“: Der 1762 in Scharfenstein geborene Wildschütz, Schmuggler und Lebenskünstler wurde zur legendären Volksfigur des Erzgebirges. Auf der Burg Scharfenstein widmet sich eine Dauerausstellung seinem Leben und den zahlreichen Legenden, die sich bis heute um ihn ranken.
Stülpner auf den Greifensteinen: Auch die Naturbühne Greifensteine ist eng mit seiner Legende verbunden. Bereits 1846 gehörte die Stülpner-Geschichte zu den ersten dort gespielten Theaterstoffen; seit 1931 wurde sie in mehreren unterschiedlichen Fassungen aufgeführt.
Bergbau erleben in Altenberg und Zinnwald: Rund um Altenberg lässt sich die jahrhundertelange Geschichte des Zinnbergbaus besonders anschaulich entdecken. Im Besucherbergwerk Zinnwald führen historische Stollen und Abbauräume unter Tage, während das Bergbaumuseum Altenberg in einer erhaltenen Aufbereitungsanlage zeigt, wie Zinnerz früher verarbeitet wurde.
Spuren in der Landschaft: Der historische Aschergraben, der Arno-Lippmann-Schacht und weitere Relikte machen sichtbar, wie stark der Bergbau Landschaft und Wasserwirtschaft des Osterzgebirges verändert hat.

Sachsens Top-Wanderwege: Natur & Panorama erleben
Das Erzgebirge und Vogtland bieten einige der attraktivsten Fernwanderwege Sachsens. Besonders bekannt ist der Kammweg Erzgebirge-Vogtland, der Natur, Bergbaugeschichte und weite Panoramen auf einer langen Höhenroute miteinander verbindet.
Kammweg Erzgebirge-Vogtland – ausgezeichnet als einer der schönsten Wanderwege Deutschlands
Der Kammweg gehört zu den wichtigsten Fernwanderwegen der Region. Auf rund 287 Kilometern führt er von Geising im Osterzgebirge über den Erzgebirgskamm und das Vogtland bis nach Blankenstein in Thüringen. Insgesamt lässt sich die Strecke in 17 Etappen erwandern.
Länge: rund 287 km
Etappen: 17
Start: Geising bei Altenberg
Ziel: Blankenstein in Thüringen
Aufstieg: rund 6.012 Höhenmeter
Highlights: Fichtelberg, Hochmoore, Talsperren, historische Bergstädte, Bergbaukultur und weite Ausblicke über Erzgebirge und Vogtland
Besonders abwechslungsreich ist die Verbindung von Natur und Kultur: Der Weg führt unter anderem über den 1.215 Meter hohen Fichtelberg, durch historische Bergbaugebiete und vorbei an zahlreichen Spuren der erzgebirgischen Handwerks- und Montangeschichte.
Platz 3 bei „Deutschlands schönstem Wanderweg 2025“
Bei der Wahl zu „Deutschlands schönstem Wanderweg 2025“ erreichte der Kammweg Erzgebirge-Vogtland den 3. Platz in der Kategorie Mehrtagestouren.
Damit gehörte er 2025 offiziell zu den drei bestplatzierten Fernwanderwegen der Wahl – hinter dem Bliessteig im Saarland und dem Albsteig im Schwarzwald.
Der Kammweg trägt zudem das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ und punktet mit durchgängiger Markierung, naturnahen Wegen und einer guten touristischen Infrastruktur.

Vogtland Panorama Weg – Wandern mit Weitblick
Der Vogtland Panorama Weg® führt als großer Rundwanderweg durch die abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft des Vogtlands. Er ist als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet und war 2005 sogar der erste entsprechend zertifizierte Wanderweg in den neuen Bundesländern.
Länge: je nach Routenfassung rund 225–235 km
Etappen: 12 Tagesetappen
Panorama: rund 80 Aussichtspunkte und Weitblicke
Start & Ziel: Göltzschtalbrücke bei Netzschkau/Mylau
Anspruch: für geübte Wanderer; einzelne Etappen etwa 12–24 km
Highlight: die Göltzschtalbrücke, mit 574 Metern Länge und 78 Metern Höhe die größte Ziegelsteinbrücke der Welt.

Malerweg Elbsandsteingebirge – auf den Spuren der Romantiker
Der Malerweg gehört zu den bekanntesten Fernwanderwegen der Sächsischen Schweiz. Auf seiner Route durch das Elbsandsteingebirge verbindet er bizarre Sandsteinfelsen, tiefe Schluchten, Tafelberge und spektakuläre Aussichtspunkte – genau jene Landschaft, die Künstler wie Caspar David Friedrich, Carl Gustav Carus und Ludwig Richter inspirierte.
Länge: rund 116 km
Etappen: 8 Tagesetappen
Start: Pirna-Liebethal
Ziel: historischer Marktplatz von Pirna
Gesamtanstieg: rund 3.500 Höhenmeter
Anspruch: mittelschwer; einzelne Etappen etwa 11–18 km
Highlights: Bastei, Schrammsteine, Großer Winterberg, Pfaffenstein, Festung Königstein, Rauenstein und wildromantische Schluchten
Der Weg führt zunächst durch die Felsenwelt rechts der Elbe bis in Richtung böhmische Grenze und anschließend auf der linken Elbseite durch die Landschaft der markanten Tafelberge zurück nach Pirna.
Besonders reizvoll ist die Verbindung aus Natur, Kunst und Geschichte: Wanderer folgen auf vielen Abschnitten den Spuren der Landschaftsmaler, die das Elbsandsteingebirge im 18. und 19. Jahrhundert berühmt machten.
Tipp: Trotz moderater Etappenlängen sollte man die vielen Höhenmeter nicht unterschätzen. Treppen, felsige Pfade und steile Auf- und Abstiege machen manche Etappen deutlich anspruchsvoller, als die Kilometerzahl vermuten lässt.

Oberlausitzer Bergweg – Weitblicke zwischen Granit, Vulkanbergen und Sandstein
Der Oberlausitzer Bergweg führt durch eine außergewöhnlich abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Vom Oberlausitzer Bergland geht es über Granitkuppen und vulkanisch geprägte Berge bis zu den bizarren Sandsteinformationen des Zittauer Gebirges, das offiziell als kleinstes Mittelgebirge Deutschlands bezeichnet wird.
Länge: rund 128 km
Etappen: 7 Tagesetappen
Start: Butterberg bei Bischofswerda
Ziel: Zittau am Dreiländereck
Höchster Punkt: Lausche, 793 m
Highlights: Butterberg, Valtenberg, Bieleboh, Kottmar, Lausche, Hochwald, Oybin und die typischen Umgebindehäuser der Oberlausitz
Besonders spannend ist der geologische Wechsel entlang der Route: Granit prägt weite Teile des Oberlausitzer Berglandes, am Kottmar begegnen Wanderer einem vulkanisch geprägten Berg, und im Zittauer Gebirge dominieren bizarre Sandsteinfelsen und Felsformationen.
Der Weg ist als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland zertifiziert und erreichte bei der Wahl zu „Deutschlands Schönstem Wanderweg 2026“ den 5. Platz in der Kategorie Mehrtagestouren.
Gut zu wissen: Die frühere Standardroute von Neukirch nach Zittau umfasst weiterhin rund 107 km und 6 Wanderetappen. Wer den kompletten heutigen Fernwanderweg gehen möchte, startet bereits am Butterberg bei Bischofswerda und kommt auf 128 km und 7 Etappen.

Anreise & Kontakt
Der Naturpark Erzgebirge/Vogtland erstreckt sich über eine große Region und ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto erreichbar.
Mit Bahn und ÖPNV: Je nach Ausgangspunkt erschließen unter anderem Erzgebirgsbahn, Vogtlandbahn und Freiberger Eisenbahn verschiedene Teile der Region. Für einzelne Wanderungen empfiehlt es sich, die Verbindung zum jeweiligen Start- und Zielpunkt vorher zu prüfen.
Mit dem Auto: Wichtige überregionale Zufahrten sind die A4 im Norden sowie die A72 in Richtung Vogtland. Von dort führen Bundes- und Landstraßen weiter in die Naturparkregion.
Naturparkverwaltung
Zweckverband Naturpark Erzgebirge/VogtlandGeschäftsstelle SchlettauSchloßplatz 809487 Schlettau
Telefon: 03733 622106 E-Mail: kontakt@naturpark-erzgebirge-vogtland.de
Die Geschäftsstelle in Schlettau wird auf der offiziellen Naturparkseite aktuell weiterhin mit diesen Kontaktdaten geführt.
Fazit: Lebendiges Erbe, wilde Natur
Der Naturpark Erzgebirge/Vogtland ist weit mehr als eine geschützte Landschaft. Hier treffen ursprüngliche Moore, Bergwiesen und Wälder auf eine Kulturlandschaft, die seit Jahrhunderten vom Bergbau und vom Leben der Menschen geprägt wird.
Seine besondere Stärke liegt im Zusammenspiel von:
Naturschutz: Schutz und Renaturierung wertvoller Moore, Bergwiesen, Bäche und Lebensräume seltener Arten.
Kulturerbe: Bewahrung der traditionsreichen Bergbaulandschaft – Teile der Region gehören seit 2019 zur UNESCO-Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří.
Nachhaltigem Tourismus: Qualitätswanderwege, Umweltbildung und regionale Angebote machen die Landschaft erlebbar, ohne ihren Schutz aus den Augen zu verlieren.
„Hier atmet die Landschaft Geschichte – und schreibt doch täglich ihre Zukunft.“
Ausflugstipp: Natur und Geschichte verbinden
Wer neben der Natur auch in die Geschichte des Erzgebirges eintauchen möchte, kann einen zusätzlichen Abstecher zur Burg Scharfenstein einplanen. Die Burg widmet dem legendären Wildschützen Karl Stülpner eine eigene Ausstellung und lässt sich beispielsweise über eine 6,9 Kilometer lange Wanderung von Zschopau erreichen.
Für eine klassische Fernwanderung bleibt dagegen der 287 Kilometer lange Kammweg Erzgebirge-Vogtland die beste Wahl: Er führt von Altenberg bis Blankenstein und verbindet Berglandschaften, Naturparkgebiete und jahrhundertealte Kulturlandschaften.

Der Kapellenberg – höchster Gipfel des Elstergebirges
Der Kapellenberg bei Schönberg, einem Ortsteil von Bad Brambach im Vogtlandkreis, erhebt sich unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze. Mit rund 759 Metern Höhe ist er die höchste Erhebung des Elstergebirges und einer der markantesten Aussichtspunkte im südlichen Vogtland.
Nach Süden fällt die Landschaft deutlich zum Egerer Becken (Chebská pánev) ab. Dadurch ergibt sich stellenweise ein Höhenunterschied von rund 300 Metern, der vom Aussichtsturm besonders eindrucksvoll sichtbar wird. Bei klarer Fernsicht reicht der Blick über das Egerland bis zum Kaiserwald, Erzgebirge, Oberpfälzer Wald und Fichtelgebirge.
Auf dem bewaldeten Gipfel stehen heute der Kapellenbergturm, die Überreste der ehemaligen St.-Ursula-Kapelle sowie der sogenannte Alte Wall, eine historische Befestigungsanlage. Damit verbindet der Kapellenberg Natur, Aussicht und Geschichte auf engem Raum.

Geografische und geologische Besonderheiten
Der Kapellenberg erhebt sich unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze bei Schönberg, einem Ortsteil von Bad Brambach. Schönberg gilt als die südlichste Ansiedlung Sachsens.
Höhe: rund 759 m
Gebirge: höchste Erhebung des Elstergebirges
Gestein: überwiegend Granit; die geologische Entwicklung der Region steht mit der variszischen Gebirgsbildung und den granitischen Tiefengesteinen des Vogtlands in Verbindung.
Geologische Einordnung: Der Kapellenberg gehört landschaftlich zum Elstergebirge, wird geologisch jedoch dem Fichtelgebirgsraum beziehungsweise dem Fichtelgebirge-Erzgebirge-Komplex zugerechnet.
Aussicht: Bei guter Fernsicht reicht der Blick über das Egerer Becken bis zum Kaiserwald, Erzgebirge, Oberpfälzer Wald und Fichtelgebirge.
Kulturhistorische Spuren auf dem Kapellenberg
Ruine der St.-Ursula-Kapelle
Am Kapellenberg liegen die Überreste der ehemaligen St.-Ursula-Kapelle, die dem Berg seinen heutigen Namen gab. Die Gemeinde Bad Brambach führt die Kapellenruine ausdrücklich als Sehenswürdigkeit von Schönberg.
Das genaue Alter und die Entstehungsgeschichte der Kapelle lassen sich aus den heute öffentlich zugänglichen Quellen nicht eindeutig bestimmen. Deshalb würde ich eine konkrete Gründung im 12. Jahrhundert nicht als gesicherte Tatsache nennen.
Um die Kapelle ranken sich jedoch zahlreiche Sagen. Eine davon erzählt von drei Frauen beziehungsweise Schwestern, die mit dem abgeschiedenen Leben auf dem Kapellenberg verbunden gewesen sein sollen. Solche Geschichten gehören zur regionalen Sagenwelt, sollten aber klar von historisch belegten Tatsachen getrennt werden.
Der „Alte Wall“
Rund um den Gipfel sind bis heute Reste einer historischen Befestigungsanlage erkennbar. Der sogenannte Alte Wall wird als frühgeschichtliche Wehranlage beschrieben und gehört zu den geschützten historischen Spuren auf dem Kapellenberg.
Damit war der Gipfel offenbar schon lange vor dem modernen Aussichtstourismus ein besonderer Ort.
Die Sage von der Weißen Frau
Besonders düster ist die Sage von der „Weißen Frau bei der Tränke“ am westlichen Abhang des Kapellenbergs.
Der Überlieferung zufolge soll dort einst eine Nonne gelebt haben, die ihr Kind in einem Teich ertränkte und anschließend mit ihrem Geliebten zur Luchsenburg floh. Nach ihrem Tod sei sie dazu verdammt worden, als weiße Gestalt immer wieder an den Teich zurückzukehren.
Die Geschichte stammt aus der regionalen Sagenüberlieferung und ist keine historische Tatsachenbeschreibung. Sie macht jedoch deutlich, wie stark der Kapellenberg seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen beschäftigt.
Der Kapellenbergturm – Aussicht mit wechselvoller Geschichte
Die Geschichte des Aussichtspunkts reicht weiter zurück als der heutige Turm.
Bereits 1865 wurde auf dem Gipfel eine Vermessungssäule errichtet. Um sie entstand ein hölzernes Standgerüst, das Wanderern schon damals als Aussichtspunkt diente.
1931: Der erste große Aussichtsturm
Am 29. November 1931 wurde der eigentliche hölzerne Kapellenbergturm eingeweiht. Entworfen wurde er vom Architekten Gustav Zimmermann, ausgeführt vom Baumeister Ernst Schüller.
1968–1982: Sperrung und Sprengung
1968 wurde der Aussichtsturm für Besucher geschlossen. In regionalen Darstellungen wird die Sperrung mit der Einrichtung einer sowjetischen Radarstation nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei in Verbindung gebracht.
Am 7. November 1982 wurde der alte Holzturm schließlich durch die damalige Zivilverteidigung Oelsnitz gesprengt.
1993: Der Kapellenbergturm kehrt zurück
Nach der deutschen Wiedervereinigung entstand der Wunsch nach einem Wiederaufbau. Der heutige Turm orientiert sich an den historischen Bauplänen und wurde am 19. Juni 1993 eröffnet.
Heute besuchen jährlich bis zu 5.000 Menschen den Aussichtsturm. Im Inneren informiert eine kleine Ausstellung über den Kapellenberg und die Region.
Öffnungszeiten und Eintritt 2026
Der Kapellenbergturm ist in der Saison 2026 geöffnet:
3. April bis 31. Oktober 2026Samstag, Sonntag und Feiertage: 10:00–17:00 Uhr
Eintritt:
Erwachsene: 2 €
Kinder: 1 €
Der Kapellenberg und seine Wanderwege können auch außerhalb der Turmöffnungszeiten besucht werden.

Wandertouren und Anreise
Eine der schönsten Möglichkeiten, den Kapellenberg zu entdecken, ist die Rundwanderung ab Bad Brambach. Sie führt durch Wälder, offene Landschaften und den deutsch-tschechischen Grenzraum hinauf zum höchsten Punkt des Elstergebirges.
Die vom Tourismusverband Vogtland empfohlene Runde „Rund um den Kapellenberg“ umfasst etwa 12,1 km, rund 3:10 Stunden Gehzeit und ungefähr 241 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Sie wird als mittelschwer eingestuft.
Eine weitere Variante verläuft teilweise auf dem Vogtland Panorama Weg®. Dessen Etappe rund um Bad Brambach führt auf naturbelassenen Wald- und Feldwegen nahe der tschechischen Grenze zum Kapellenberg und anschließend wieder zurück. Dabei begegnet man unter anderem der Kapellenruine und weiteren sagenumwobenen Orten.
Wer nur den Aussichtsturm besuchen möchte, kann am Wanderparkplatz an der K 7845 zwischen Bärendorf und der B 92 parken. Von dort sind es nur etwa 500 Meter zu Fuß bis zum Kapellenbergturm.
Anreise mit der Bahn: Der Bahnhof Bad Brambach wird von der Vogtlandbahn unter anderem aus Richtung Plauen, Hof und über Cheb erreicht.
Anreise mit dem Auto: Für die unmittelbare Anfahrt ist vor allem die B 92 entscheidend. Parkmöglichkeiten gibt es am Bahnhof Bad Brambach sowie näher am Kapellenberg und bei Schönberg.
Tipps für deinen Besuch
Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst. Der Aussichtsturm ist 2026 vom 3. April bis 31. Oktober, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: 2 € für Erwachsene, 1 € für Kinder.
Kurzer Ausflug: Kapellenbergturm, Ruine St. Ursula und Alter Wall lassen sich auf engem Raum miteinander verbinden.
Längere Tour: Eine Variante über Schönberg ermöglicht zusätzlich einen Besuch des Schlosses und führt durch die Grenzlandschaft des südlichsten Sachsens.
Kombi-Tipp: Das Vogtländische Freilichtmuseum Landwüst passt geografisch wesentlich besser als die weit entfernte Burg Scharfenstein. Dort zeigen vier historische Hofanlagen das bäuerliche Leben und Arbeiten im Oberen Vogtland.
Insider-Wissen: Vermessungsgeschichte auf dem Gipfel
Der Kapellenberg spielte tatsächlich eine wichtige Rolle bei der Königlich-Sächsischen Triangulation. Er wurde 1864 als Festpunkt erster Ordnung ausgewählt, und 1865 entstand auf dem Gipfel eine Vermessungssäule. Um diese Säule wurde bereits damals ein hölzernes Gerüst errichtet, das Wanderern zugleich als Aussichtspunkt diente.
Damit steht der heutige Aussichtsturm gewissermaßen in einer mehr als 160 Jahre alten Tradition als Aussichts- und Vermessungsstandort.
Fazit: Natur, Geschichte und Grenzland auf einem Berg
Der Kapellenberg verbindet auf ungewöhnlich engem Raum Natur, Sagenwelt und Technikgeschichte. Alte Befestigungsspuren und die Ruine der St.-Ursula-Kapelle treffen auf die Geschichte der sächsischen Landesvermessung und den weiten Blick über das Egerer Becken bis zu mehreren Mittelgebirgen.
Gerade diese Lage unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze macht den höchsten Gipfel des Elstergebirges zu einem besonders abwechslungsreichen Wanderziel im südlichen Vogtland.
Topasfelsen Schneckenstein: Einzigartiges Naturmonument
Der Schneckenstein im Vogtland gehört zu den außergewöhnlichsten geologischen Sehenswürdigkeiten Sachsens. Der rund 23 Meter hohe Felsen besteht aus einer seltenen Quarz-Topas-Brekzie und ist vor allem für seine gelblichen bis weingelben Topaskristalle bekannt.

Die Entstehung des Gesteins hängt mit dem etwa 320 Millionen Jahre alten Eibenstocker Granitmassiv zusammen. Heiße, mineralreiche Lösungen veränderten das umliegende Gestein und führten zur Bildung der charakteristischen Topase.
Bereits im 18. Jahrhundert erregten die Kristalle große Aufmerksamkeit. Ab 1727 wurden besonders schöne Topase gezielt gewonnen und teilweise zu Schmucksteinen verarbeitet. Auch am sächsischen Hof waren die Edelsteine begehrt; Schneckenstein-Topase gelangten unter anderem in kostbare Schmuck- und Kunstobjekte.
Heute ist der Schneckenstein vor allem ein bedeutendes Natur- und Geotop. Seit 1938 steht der Felsen unter Schutz. Das Abschlagen von Gestein, das Graben nach Mineralien und das Sammeln von Topasen sind verboten.
Seit 2019 trägt der Schneckenstein außerdem die Auszeichnung „Nationaler Geotop“ und zählt damit zu den geologisch besonders bedeutenden Landschaftselementen Deutschlands.
Wissenswertes auf einen Blick
Höhe des Felsens: etwa 23 m
Gestein: Quarz-Topas-Brekzie
Besonderheit: natürliche Topaskristalle von teilweise hoher Schmucksteinqualität
Beginn des Topasabbaus: 1727
Naturdenkmal: seit 1938 geschützt
Nationaler Geotop: seit 2019
Wichtig: Das Sammeln und Abschlagen von Mineralien ist streng verboten.
Tipp für Besucher
Direkt am Schneckenstein lässt sich die besondere Geologie des Vogtlands besonders anschaulich erleben. In der Umgebung informieren Wanderwege und geologische Angebote über Bergbau, Mineralien und die Entstehung dieser ungewöhnlichen Landschaft.
Wer tiefer in die Welt der Mineralien eintauchen möchte, kann den Besuch mit dem nahegelegenen Mineralienzentrum Schneckenstein verbinden. Dort werden zahlreiche Minerale aus dem Vogtland und anderen Regionen gezeigt.
Der Topasfelsen ist damit nicht nur ein außergewöhnliches Naturdenkmal, sondern zugleich ein eindrucksvolles Zeugnis der Erdgeschichte, Bergbaukultur und Mineralienvielfalt des Vogtlands.

Besucher-Infos: Topasfelsen Schneckenstein
Der Schneckenstein ist eine außergewöhnliche geologische Sehenswürdigkeit im oberen Vogtland. Der Tourismusverband Vogtland bezeichnet ihn als den weltweit einzigen oberirdischen Topasfelsen. Zum Schutz des Naturdenkmals ist der Felsen eingezäunt und darf nur zu bestimmten Zeiten betreten werden.
Lage: Ortsteil Schneckenstein, Gemeinde Muldenhammer
Höhe: 883 m ü. NHN; der eigentliche Felsen ist rund 23 m hoch.
Parken: Ein Parkplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe; von dort sind es nur wenige hundert Meter bis zum Felsen.
Besichtigung von außen: kostenlos möglich.
Besteigung: in der Regel Mai bis Oktober, abhängig von der Witterung.
Eintritt für die Besteigung: derzeit 1 € für Erwachsene, 0,50 € für Kinder.
Wichtig: Das Abschlagen, Sammeln oder Ausgraben von Mineralien ist streng verboten.
Wandertipp
Für eine längere Tour bietet sich der offizielle Rundweg zum Schneckenstein an. Er startet am Parkplatz an der Kirche in Hammerbrücke und führt über Pfaffenstein und Schneckenstein zurück nach Hammerbrücke.
Länge: rund 12 km
Untergrund: überwiegend Waldwege
Highlights: Pfaffenstein, Topasfelsen Schneckenstein, Bergbaulandschaft sowie die Möglichkeit zu einem Abstecher zur Grube Tannenberg und zum Mineralienzentrum.

Tipp: Besucherbergwerk Grube Tannenberg
Nur etwa 500 Meter vom Wanderweg entfernt liegt das Besucherbergwerk Grube Tannenberg. Bei einer etwa einstündigen Führung geht es durch den rund 600 Meter langen Tannenbergstolln. Zu sehen sind historische Bergbautechnik, verschiedene Stollenausbauten, die Kontaktzone zwischen Schiefer und Granit sowie ein eindrucksvoller ehemaliger Abbauhohlraum.
Die Grube dokumentiert vor allem den Zinn-, Wolfram- und späteren Bergbau des 20. Jahrhunderts sowie ältere Stollenbereiche. Sie sollte daher nicht als „historischer Topas-Stollen“ bezeichnet werden.
Warum ist der Schneckenstein so besonders?
Außergewöhnliche Entstehung: Vor rund 320 Millionen Jahren entstand hier eine magmatische Explosionsbrekzie. Später drangen heiße, fluorhaltige Lösungen und Gase in das Gestein ein und führten zur Bildung von Topas.
Kristalle in Hohlräumen: Besonders hochwertige Topaskristalle entstanden in Hohlräumen und Drusen der oberen Bereiche des Felsens.
Typische Farbe: Die Schneckenstein-Topase sind vor allem für ihre gelbliche bis weingelbe Färbung bekannt und wurden wegen ihrer Schmucksteinqualität berühmt.
Historische Bedeutung: Seit 1727 wurde Topas systematisch abgebaut. Die schönsten Steine gelangten an den sächsischen Hof und teilweise in Kunstobjekte des heutigen Grünen Gewölbes.

Naturraritäten & Erzgebirgswasser: Kostbare Schätze im Naturpark Erzgebirge/Vogtland
Naturraritäten: Geologische Wunder und seltene Ökosysteme

Naturraritäten: Geologische Wunder und seltene Ökosysteme
Der Naturpark Erzgebirge/Vogtland beherbergt eine außergewöhnliche Vielfalt an Lebensräumen – von seltenen Moorlandschaften und blütenreichen Bergwiesen bis zu einem der ungewöhnlichsten Geotope Sachsens.
1. Topasfelsen Schneckenstein – geologisches Unikat
Einzigartigkeit: Der heute rund 23 Meter hohe Schneckenstein gilt als der einzige oberirdische Topasfelsen der nördlichen Hemisphäre und gehört zu den bekanntesten Geotopen des Vogtlands.
Geologie: Der Felsen entstand vor etwa 320 Millionen Jahren als magmatische Explosionsbrekzie. Heiße, fluorhaltige Lösungen und Gase veränderten das Gestein später und ließen Quarz und Topas entstehen.
Edelsteine: Besonders begehrt waren die gelblichen bis weingelben Topaskristalle von Schmucksteinqualität. Die schönsten Stücke gelangten an den sächsischen Hof; Kunstobjekte mit Schneckenstein-Topasen befinden sich heute im Grünen Gewölbe in Dresden.
Schutz: Seit 1938 ist der Schneckenstein als Naturdenkmal geschützt. Sammeln, Abschlagen und Grabungen sind streng untersagt. Seit 2019 trägt er zusätzlich das Prädikat „Nationaler Geotop“.
2. Hoch- und Quellmoore – Klimaschützer und Artenrefugien
In den höheren Lagen des Erzgebirges haben sich wertvolle Hoch- und Quellmoore erhalten. Zu den bekannten Moorgebieten gehört die Stengelhaide bei Kühnhaide, ein ehemaliges Torfabbaugebiet, das heute schrittweise renaturiert wird.
Kohlenstoffspeicher: Intakte, torfbildende Moore speichern langfristig Kohlenstoff und können dadurch als natürliche Kohlenstoffsenken wirken.
Wasserspeicher: Moore halten große Mengen Niederschlagswasser zurück und können dadurch Hochwasserspitzen abmildern.
Spezialisierte Arten: Torfmoose, Wollgräser, Moosbeere, Rauschbeere und verschiedene Sonnentau-Arten sind an die nährstoffarmen, nassen Bedingungen angepasst. Zu den besonderen Tierarten der erzgebirgischen Moorlandschaften gehören beispielsweise Hochmoor-Gelbling, Hochmoor-Perlmutterfalter und Hochmoor-Mosaikjungfer.
Im gesamten Naturpark wurden mehr als 150 Moor- und Torfstandorte erfasst. Nur etwa vier Prozent gelten noch als naturnah bis gering gestört. Deshalb revitalisiert der Naturpark bereits seit Jahrzehnten entwässerte Moorflächen. Entwässerungsgräben werden beispielsweise mit Torfverfüllungen, Bohlendämmen und anderen Sperrbauwerken verschlossen, damit das Wasser wieder länger im Moor verbleibt.
3. Artenreiche Bergwiesen, Steinrücken und Hecken
Auch viele der besonders artenreichen Landschaften des Erzgebirges sind durch jahrhundertelange menschliche Nutzung entstanden.
Bergwiesen: Traditionelle Mahd und extensive Bewirtschaftung haben blütenreiche Bergwiesen und Borstgrasrasen geschaffen. Hier wachsen unter anderem Arnika, Breitblättriges Knabenkraut, Kuckucks-Lichtnelke sowie Schwarze und Weiße Teufelskralle. Im Sommer bieten die Wiesen zahlreichen Schmetterlingen, Wildbienen und anderen Insekten Nahrung.
Steinrücken: Beim früheren Bewirtschaften der Felder wurden Steine an den Grundstücksgrenzen aufgeschichtet. Im Laufe der Zeit entstanden daraus bewachsene Steinrücken – heute charakteristische Elemente der erzgebirgischen Kulturlandschaft.
Hecken: Eberesche, Holunder und andere Gehölze bilden wertvolle Rückzugs- und Vernetzungsräume. Unter anderem Neuntöter, Goldammer, Haselmaus, Feldhase und Fledermäuse profitieren von diesen strukturreichen Lebensräumen.
Gerade das Nebeneinander aus Mooren, Bergwiesen, Wäldern, Steinrücken und Heckenlandschaften macht den Naturpark Erzgebirge/Vogtland zu einem außergewöhnlich vielfältigen Natur- und Kulturraum.

Oberwiesenthal und Fichtelberg: Gipfelerlebnis im Erzgebirge

Der Fichtelberg – Sachsens höchster Gipfel
Mit rund 1.215 Metern Höhe ist der Fichtelberg der höchste Berg Sachsens. Gemeinsam mit dem nur wenige Kilometer entfernten Klínovec (Keilberg, 1.244 m) auf tschechischer Seite prägt er die höchstgelegene Region des Erzgebirges und eines seiner wichtigsten Wintersportzentren.
Höhe: offiziell rund 1.214,8 m ü. NHN
Lage: unmittelbar nördlich der deutsch-tschechischen Grenze
Nachbargipfel: Klínovec/Keilberg, mit 1.244 m höchster Berg des gesamten Erzgebirges
Geologie: Die Region um Oberwiesenthal gehört zu einer Zone stark metamorph überprägter Gesteine. Typisch sind Glimmerschiefer, Gneise und granatführende Phyllite. Granat, Turmalin und weitere Minerale treten als Bestandteile beziehungsweise Begleitminerale auf.
Seltene Lebensräume am Fichtelberg
Die Hochlagen des Fichtelbergs sind ökologisch besonders wertvoll. Hier liegen montane Fichtenwälder, Berg- und Feuchtwiesen, Borstgrasrasen, Moorflächen und subalpine Hochstaudenfluren eng nebeneinander.
Dass heute vielerorts Fichten dominieren, ist nicht allein eine Folge früherer Luftverschmutzung. Vor allem die historische Forstwirtschaft verdrängte Weißtanne und Rotbuche zugunsten großflächiger Fichtenbestände.
Zu den botanischen Besonderheiten der geschützten Fichtelbergregion gehören unter anderem Alpen-Milchlattich, Arnika, Fuchs-Knabenkraut und Feuerlilie. Teile des Berges gehören zu Natur- und Landschaftsschutzgebieten sowie zum europäischen Natura-2000-Gebiet „Fichtelbergwiesen“.

Oberwiesenthal – Deutschlands höchstgelegene Stadt
Am Fuß des Fichtelbergs liegt auf rund 914 Metern Höhe der Kurort Oberwiesenthal – die höchstgelegene Stadt Deutschlands. Zwischen Fichtelberg und Klínovec unmittelbar an der tschechischen Grenze gelegen, verbindet der Ort Bergbaugeschichte, Wintersport und modernen Ganzjahrestourismus.
Die Stadt entstand im Zuge des erzgebirgischen Bergbaus: Um 1525 wurde im Zechengrund Silber entdeckt, bereits 1527 entstand die damalige „Neustadt im Wiesenthal“. Heute liegt Oberwiesenthal mitten in der UNESCO-Welterberegion Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, die seit 2019 zum Welterbe gehört. Seit 2012 ist Oberwiesenthal außerdem staatlich anerkannter Luftkurort.

Historische Fichtelberg-Schwebebahn
Ein Wahrzeichen Oberwiesenthals ist die Fichtelberg-Schwebebahn. Sie wurde 1924 eröffnet und gilt als älteste Seilschwebebahn Deutschlands.
Streckenlänge: 1.175 m
Höhenunterschied: 303 m
Baujahr: 1924
Ziel: Gipfelplateau des Fichtelbergs
Während der Fahrt eröffnet sich ein weiter Blick über Oberwiesenthal, die Skisprungschanzen und die Berglandschaft. Die historische Bahn wurde 2012 umfassend modernisiert und ist bis heute in Betrieb.
Adrenalin & Naturerlebnisse
OTHAL Coaster: Die moderne Ganzjahresrodelbahn besitzt eine rund 850 Meter lange Abfahrt mit Steilkurven, Wellen und Kreiseln. Sie ist für den Betrieb bei Sonne, Regen und sogar winterlichen Bedingungen ausgelegt und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h.
Fly-Line: Auf rund 1.500 Metern Länge schwebt man in Kurven und Kreiseln durch die Waldlandschaft zurück ins Tal. Die Fly-Line wird saisonal von Mai bis Oktober betrieben und bleibt bei Regen, Gewitter oder Sturm geschlossen.
Wandern: Rund um Fichtelberg und Oberwiesenthal stehen etwa 75 Kilometer ausgeschilderte Wanderwege zur Verfügung. Durch die Region führt außerdem der rund 287 Kilometer lange Kammweg Erzgebirge-Vogtland.

Wintersport am Fichtelberg
Das Skigebiet Fichtelberg ist das größte alpine Skigebiet Sachsens und bietet aktuell:
10 Skipisten
insgesamt 15,5 km Pisten
davon etwa 6,8 km leicht, 6,1 km mittel und 1,2 km schwer
6 Liftanlagen
rund 12,1 km technisch beschneibare Pisten
75 km Loipen und Skiwanderwege
26 km Winterwanderwege
Rodelstrecke, Rodelhang und Kunsteisbahn
Nachtskifahren
Am Hauptskihang gibt es eine Flutlichtpiste. Bei angesetzten Nachtskiterminen kann derzeit von 16:30 bis 21:00 Uhr gefahren werden. Die jeweiligen Termine werden separat bekannt gegeben – eine feste Regel „jeden Freitag und Samstag“ sollte deshalb nicht mehr im Artikel stehen.
Der Fichtelberg ist damit weit mehr als ein Wintersportberg: geschützte Hochlagen, außergewöhnliche Bergwiesen, historische Technik, Wandern und grenzüberschreitende Erlebnisse machen ihn zu einem der vielseitigsten Ziele im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.

Fichtelberg: Kultur, Kulinarik & Naturerlebnis pur
Der 1.215 Meter hohe Fichtelberg ist weit mehr als ein Wintersportberg. Historische Technik, Bergbaugeschichte, geschützte Hochlagen und regionale Gastronomie machen ihn zu einem vielseitigen Ganzjahresziel.
Kultur & Gipfel
Auf dem Gipfel stehen das Fichtelberghaus mit Aussichtsturm, die Friedensglocke und eine historische Station der Königlich-Sächsischen Triangulation von 1864. Auch die Wetterbeobachtung hat am Fichtelberg eine lange Tradition.
Rund um Oberwiesenthal erinnern historische Bergbauspuren im Zechengrund an die Silberbergbaugeschichte der Region.
Anreise
Die historische Fichtelbergbahn verbindet Cranzahl mit Oberwiesenthal und wird regulär mit Dampflokomotiven betrieben. Mit dem Auto erfolgt die Anreise über A4 oder A72 und anschließend über die B95.
Geschützte Hochlagen
Rund um den Fichtelberg liegen wertvolle Schutzgebiete mit Bergwiesen, Borstgrasrasen, Mooren und montanen Fichtenwäldern. Maßnahmen wie angepasste Mahd und Moorrenaturierung helfen, diese seltenen Lebensräume zu erhalten.
Einkehren & Übernachten
Das Fichtelberghaus bietet Gastronomie und normalerweise auch Übernachtungen. Wegen Umbauarbeiten ist der Hotelbetrieb 2026 eingeschränkt; die Erzgebirgsstuben bleiben geöffnet.
Eine urige Alternative am Fuß des Berges ist das Prijut12 mit Restaurant, Bar, Café und Sonnenterrasse.


Praktische Tipps für Besucher
Beste Reisezeit: Dezember bis März für Wintersport; Mai bis Oktober für Wandern, Schwebebahn und Sommeraktivitäten. Der OTHAL Coaster fährt 2026 in der Sommersaison täglich.
Schwebebahn 2026: Berg- oder Talfahrt 12 € für Erwachsene und 10 € für Kinder; Berg- und Talfahrt 18 € bzw. 13 €.
Skipass: Die Preise unterscheiden sich nach Saisonzeit. In der vergangenen Wintersaison kostete die Tageskarte beispielsweise 41 € in der regulären Saison und 35 € in der Nachsaison. Für 2026/27 veröffentlicht der Betreiber eine neue Preisliste; daher besser vor der Reise aktuell prüfen.
Kleidung: Auch im Sommer gehören wind- und wetterfeste Kleidung sowie feste Schuhe ins Gepäck. Auf über 1.200 Metern kann sich das Wetter rasch ändern.
Fazit: Wo Tradition und Abenteuer verschmelzen
Oberwiesenthal und der Fichtelberg verbinden Natur, Wintersport und erzgebirgische Geschichte auf besondere Weise. Mit der historischen Schwebebahn auf den Gipfel, zu Fuß über den Kammweg oder im Winter auf Ski – Sachsens höchster Berg bietet zu jeder Jahreszeit abwechslungsreiche Erlebnisse.
Bergbaugeschichte, geschützte Bergwiesen und moderne Freizeitangebote zeigen zugleich, wie eng Natur und Kultur im Erzgebirge miteinander verbunden sind.
„Glück auf!“ – der traditionelle Bergmannsgruß gehört bis heute fest zur Kultur des Erzgebirges.
Annaberg-Buchholz: historisches Herz des Erzgebirges

Die traditionsreiche Bergstadt Annaberg-Buchholz entstand ab 1496 während des Silberbergbaubooms am Schreckenberg. Heute verbindet sie Bergbaugeschichte, erzgebirgisches Handwerk und bedeutende Kulturdenkmäler.
Geschichte & UNESCO-Welterbe
Teile von Annaberg-Buchholz gehören seit 2019 zur UNESCO-Welterbestätte Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří. Dazu zählen unter anderem die historische Altstadt Annaberg, Bergbaulandschaften, das Besucherbergwerk „Im Gößner“ und der Frohnauer Hammer.
St. Annenkirche: eines der bedeutendsten spätgotischen Bauwerke Sachsens, vollendet 1525.
Frohnauer Hammer: historisches Hammerwerk und ältestes Schmiedemuseum Deutschlands; seit 2019 Teil des UNESCO-Welterbes.
Besucherbergwerke: „Im Gößner“ unter der Altstadt und der bekannte Markus-Röhling-Stolln vermitteln die jahrhundertealte Bergbaugeschichte.

Adam Ries & erzgebirgisches Handwerk
Der Rechenmeister Adam Ries hatte in Annaberg seine wichtigste Wirkungsstätte. Sein ehemaliges Wohnhaus beherbergt heute das Adam-Ries-Museum – die weltweit einzige Gedenkstätte in einem von ihm tatsächlich bewohnten Haus.
Auch Klöppeln, Schnitzen und Holzkunst prägen die Stadt bis heute. Die Manufaktur der Träume präsentiert rund 1.500 Objekte erzgebirgischer und böhmischer Volkskunst.
Feste & Traditionen
Zu den bekanntesten Veranstaltungen gehören die Annaberger KÄT, das internationale Märchenfilm-Festival fabulix® und der traditionsreiche Annaberger Weihnachtsmarkt. Besonders in der Adventszeit zeigen Schwibbögen, Bergmannsfiguren und bergmännisches Brauchtum die enge Verbindung der Stadt mit dem Erzgebirge.
Fazit
Annaberg-Buchholz ist eines der kulturellen Zentren des Erzgebirges. Silberbergbau, UNESCO-Welterbe, Adam Ries und jahrhundertealtes Kunsthandwerk lassen sich hier auf engem Raum erleben.
„Glück auf!“ – in Annaberg-Buchholz ist der traditionelle Bergmannsgruß bis heute Teil der erzgebirgischen Identität.





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