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Der Schwarzstorch – Der geheimnisvolle Waldbewohner

23. März 2024
9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Okt.


Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) – heimlicher Bewohner alter Wälder

Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) ist der scheue Verwandte des bekannten Weißstorchs. Mit seinem metallisch schimmernden dunklen Gefieder, dem langen roten Schnabel und seiner zurückgezogenen Lebensweise gehört er zu den eindrucksvollsten Waldvögeln Europas.

Anders als der Weißstorch sucht er die Nähe menschlicher Siedlungen normalerweise nicht. Seine Brutplätze liegen bevorzugt in ruhigen, strukturreichen Waldgebieten, während er zur Nahrungssuche naturnahe Bäche, Tümpel, Feuchtwiesen und andere flache Gewässer aufsucht.

Diese Verbindung aus altem Wald und intakten Gewässern macht den Schwarzstorch zu einer charakteristischen Art naturnaher Waldlandschaften.


Aussehen: Eleganz in Schwarz und Weiß

Ein ausgewachsener Schwarzstorch erreicht ungefähr 90 bis 105 Zentimeter Körpergröße und besitzt eine Flügelspannweite von etwa 173 bis 205 Zentimetern.

Typische Merkmale sind:

  • Gefieder: Kopf, Hals, Brust, Rücken und Flügel überwiegend schwarz

  • Metallglanz: bei gutem Licht grünlich, violett oder kupferfarben schimmernd

  • Unterseite: deutlich weiß

  • Schnabel: bei erwachsenen Tieren leuchtend rot

  • Beine: ebenfalls rot

  • Gewicht: ungefähr 2,4 bis 3 Kilogramm

  • Körperbau: schlank mit langem Hals und langen Beinen

Die auffällige Färbung wirkt aus größerer Entfernung oft wesentlich dunkler als aus der Nähe.


Schwarzstorch öffnet seine Flügel auf einer grünen Wiese; Der Schwarzstorch – Der geheimnisvolle Waldbewohner.




Lebensraum: Alte Wälder und naturnahe Gewässer

Der Schwarzstorch benötigt eine Kombination aus störungsarmen Wäldern und geeigneten Nahrungsgewässern.

Besonders günstig sind große Laub- und Mischwaldkomplexe mit:

  • alten Bäumen

  • lichten Altholzbeständen

  • naturnahen Bächen

  • Waldtümpeln

  • Sümpfen

  • Bruchwäldern

  • Feuchtwiesen

  • kleinen Stillgewässern

Entscheidend ist, dass sowohl geeignete Horstbäume als auch ausreichend Nahrung vorhanden sind.

Der Schwarzstorch muss dabei nicht unmittelbar neben seinem Nahrungsgewässer brüten. Geeignete Nahrungsflächen liegen häufig einige Kilometer entfernt.

In einzelnen Fällen können regelmäßige Nahrungsflüge sogar 5 bis 12 Kilometer vom Horst wegführen.


Horststandorte: Versteckt in alten Bäumen

Seinen großen Horst errichtet der Schwarzstorch meist in alten, kräftigen Bäumen.

Je nach Region kommen unter anderem infrage:

  • Buchen

  • Eichen

  • Kiefern

  • Fichten

  • andere ausreichend stabile Altbäume

Die Nester befinden sich häufig auf kräftigen Seitenästen und liegen in Deutschland meist in ungefähr 10 bis 18 Metern Höhe.

Wichtig ist ein ausreichender An- und Abflugraum. Deshalb werden häufig strukturreiche, aber nicht vollständig zugewachsene Altholzbestände bevorzugt.

In einigen Mittelgebirgsregionen nutzt der Schwarzstorch auch abgebrochene Baumkronen oder besonders stabile Astgabeln.

Felsbruten kommen ebenfalls vor, sind in Deutschland jedoch deutlich seltener.


Ein Horst für viele Jahre

Geeignete Schwarzstorchhorste können über mehrere Jahre wiederverwendet werden.

Beide Partner bessern die Konstruktion aus Ästen regelmäßig aus und ergänzen neues Material. Dadurch können ältere Horste eine beträchtliche Größe erreichen.

Ein stabiler Horstbaum ist deshalb besonders wichtig.

Wird ein Horstbaum gefällt oder der Brutplatz stark verändert, kann ein über Jahre genutzter Standort verloren gehen.

Auch künstliche Horstplattformen können in bestimmten Situationen sinnvoll sein, beispielsweise wenn ein traditioneller Horst abgestürzt ist und geeignete natürliche Unterlagen fehlen.

Schutz der Horstplätze

Der Schutz bekannter Brutplätze gehört zu den wichtigsten Maßnahmen für den Schwarzstorch.

Besonders während der frühen Brutphase können wiederholte Störungen problematisch sein.

Als fachliche Richtlinie wird häufig empfohlen, während der Zeit vom 1. März bis 31. August einen störungsarmen Bereich von ungefähr 300 Metern um einen besetzten Horst einzuhalten.

Im unmittelbaren Umfeld des Horstes sollten außerdem größere Veränderungen der Waldstruktur vermieden werden.

Diese Abstände sind jedoch keine bundesweit einheitlich gesetzlich vorgeschriebenen Schutzzonen, sondern fachliche Empfehlungen beziehungsweise regional unterschiedlich geregelte Vorgaben.


Infografik zum Schwarzstorch am Bach im Wald mit Kästen zu Lebensraum, Nahrung und Störungsempfindlichkeit.



Fortpflanzung: Heimlich in alten Wäldern

Schwarzstörche kehren im Frühjahr in ihre Brutgebiete zurück.

Die Eiablage erfolgt in Deutschland hauptsächlich zwischen Mitte April und Mitte Mai.

Aufgrund ihrer ausgeprägten Ortstreue nutzen einzelne Tiere und Paare häufig wieder dieselben Brutgebiete.

Die Paarbindung besteht grundsätzlich während der Fortpflanzungssaison. Da beide Partner sehr ortstreu sein können, treffen sich jedoch häufig über mehrere Jahre dieselben Vögel wieder am Brutplatz.


Brutdaten des Schwarzstorchs

In Deutschland findet normalerweise eine Brut pro Jahr statt.

Typische Brutdaten sind:

  • Gelege: meist 2–4 Eier

  • Eiablage: Mitte April bis Mitte Mai

  • Brutdauer: etwa 32–38 Tage

  • Nestlingszeit: ungefähr 64–70 Tage

  • Bruten pro Jahr: eine

  • Geschlechtsreife: frühestens ab dem dritten Lebensjahr

Beide Eltern beteiligen sich an der Bebrütung.


Aufzucht der Jungvögel

Nach dem Schlupf sind junge Schwarzstörche zunächst vollständig auf ihre Eltern angewiesen.

In den ersten Wochen bleibt meist ein Altvogel am Horst und schützt den Nachwuchs vor:

  • Kälte

  • Regen

  • starker Sonneneinstrahlung

  • möglichen Gefahren

Der andere Elternteil sucht währenddessen nach Nahrung.

Später können beide Altvögel gleichzeitig auf Nahrungssuche gehen.

Die erbeuteten Fische, Amphibien und anderen Tiere werden zum Horst gebracht und dort für die Jungvögel wieder hervorgewürgt.


Nach etwa zwei Monaten werden die Jungen flügge

Nach ungefähr 64 bis 70 Tagen verlassen die jungen Schwarzstörche zunehmend den Horst.

Damit endet die elterliche Betreuung jedoch noch nicht.

Flügge Jungvögel können noch bis zu zwei Wochen zum Horst zurückkehren und dort gefüttert werden oder übernachten.

Anschließend werden sie teilweise noch mehrere Wochen von den Altvögeln geführt.

In dieser Zeit lernen sie geeignete Nahrungsplätze kennen und verbessern ihre Fähigkeiten bei Nahrungssuche und Flug.



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Mit einem guten Fernglas für Vogelbeobachtung lassen sich Schwarzstörche aus größerer Entfernung beobachten, ohne die störungsempfindlichen Tiere an ihren Brut- und Nahrungsplätzen zu bedrängen.

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Infografik zum Schwarzstorch: Eltern füttern Küken im Nest, daneben Zugroutenkarte nach Afrika und Brutinfos.



Schwarzstorch in Deutschland

In Deutschland konzentrieren sich viele Vorkommen auf waldreiche Mittelgebirgsregionen.

Besonders bedeutend sind unter anderem:

  • westliche Mittelgebirge

  • Thüringer Wald

  • Frankenwald

  • Vogtland

  • Erzgebirge

  • Elbsandsteingebirge

Daneben gibt es Brutvorkommen im norddeutschen und nordostdeutschen Tiefland sowie in Teilen Süddeutschlands.

Die Verbreitung ist jedoch regional sehr unterschiedlich.

Besonders gut geeignete Landschaften verbinden große Waldgebiete mit naturnahen Gewässern und Feuchtlebensräumen.


Vom fast verschwundenen Vogel zur erfolgreichen Rückkehr

Der Schwarzstorch war in Deutschland im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen.

Direkte Verfolgung, Veränderungen der Wälder und der Verlust geeigneter Lebensräume führten dazu, dass Mitte des Jahrhunderts nur noch etwa 10 bis 20 Brutpaare in Deutschland verblieben.

Nach dem Ende der intensiven Verfolgung und durch gezielte Schutzmaßnahmen konnte sich die Art wieder ausbreiten.

Als bundesweite Referenz wurde im Nationalen Vogelschutzbericht 2019 ein Bestand von ungefähr 800 bis 900 Brutpaaren angegeben.

Damit gehört die Rückkehr des Schwarzstorchs zu den bemerkenswerten Erfolgsgeschichten des deutschen Vogelschutzes.


Bestand und Rote Liste

Der Schwarzstorch wird in der aktuellen deutschen Roten Liste der Brutvögel als ungefährdet geführt.

Auch auf europäischer Ebene gilt die Art derzeit als nicht gefährdet.

Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Lebensräume keinen Schutz benötigen.

Seine Bestände hängen stark von störungsarmen Brutplätzen, geeigneten Horstbäumen und intakten Nahrungsgewässern ab.

Regional können daher weiterhin Rückgänge oder Brutplatzverluste auftreten.


Gefährdungen des Schwarzstorchs

Zu den wichtigsten Problemen gehören:

  • Verlust alter Horstbäume

  • Umgestaltung strukturreicher Altholzbestände

  • Entwässerung von Feuchtgebieten

  • Austrocknung von Waldbächen

  • Gewässerverbauung

  • Störungen am Horst

  • intensive Freizeitnutzung in unmittelbarer Brutplatznähe

  • Forstarbeiten während sensibler Brutphasen

  • Verluste an Stromleitungen

  • Pestizidbelastungen über Beutetiere

Auch längere Trockenperioden können problematisch werden, wenn kleine Bäche und Tümpel austrocknen und dadurch wichtige Nahrungsflächen verloren gehen.


Schwarzstorch und Windenergie

Beim Ausbau der Windenergie müssen Schwarzstorchvorkommen fachlich berücksichtigt werden.

Das Bundesamt für Naturschutz führt die Art im Zusammenhang mit dem nationalen Artenhilfsprogramm als eine der Arten, die durch den Ausbau erneuerbarer Energien besonders betroffen sein können.

Dabei geht es nicht ausschließlich um direkte Kollisionen. Auch Störungen, Veränderungen von Brutgebieten und Beeinträchtigungen regelmäßig genutzter Flug- und Nahrungsräume können eine Rolle spielen.

Entscheidend ist deshalb eine standortbezogene Prüfung.


Infografik zum Schwarzstorch: Vogel am Bach, Schutz- und Gefährdungsinfos, Wald- und Windkraftbilder, ruhige Naturmotive.



Weitere Schutzmaßnahmen

Für den langfristigen Schutz des Schwarzstorchs sind vor allem folgende Maßnahmen wichtig:

  • alte Horstbäume erhalten

  • strukturreiche Altholzbestände sichern

  • Waldbäche renaturieren

  • Feuchtwiesen erhalten

  • Bruchwälder vor Entwässerung schützen

  • neue Kleingewässer anlegen

  • Störungen an Brutplätzen vermeiden

  • Freizeitaktivitäten gezielt lenken

  • gefährliche Stromleitungen entschärfen

  • geeignete Nahrungsgebiete erhalten

Schutzmaßnahmen müssen daher immer Wald und Wasser gemeinsam berücksichtigen.


Beobachtungstipps für Schwarzstörche

Schwarzstörche sollten niemals gezielt an bekannten Horsten aufgesucht werden.

Während der Brutzeit kann eine unnötige Annäherung die Tiere stören und im ungünstigsten Fall den Bruterfolg gefährden.

Bessere Möglichkeiten bieten:


Spätsommer

Nach dem Ausfliegen der Jungvögel sind Schwarzstörche häufiger außerhalb des unmittelbaren Brutgebietes unterwegs.


Vogelzug

An größeren Flüssen, Fischteichen und Feuchtgebieten können mehrere Tiere gleichzeitig rasten.


Thermik

Vom späten Vormittag bis zum Nachmittag lassen sich Schwarzstörche bei geeigneter Wetterlage gelegentlich hoch über Waldgebieten kreisend beobachten.


Nahrungsgewässer

An ruhigen Bächen und Feuchtwiesen können einzelne Tiere bei der Nahrungssuche auftauchen.

Ein Fernglas oder Spektiv ermöglicht die Beobachtung aus großer Entfernung und verhindert unnötige Störungen.



Warum der Schwarzstorch ein besonderer Waldvogel ist

Nur wenige europäische Großvögel verbinden ihre Lebensweise so deutlich mit alten Wäldern und naturnahen Gewässern.

Zum Brüten braucht der Schwarzstorch Ruhe, große stabile Bäume und sichere Horstplätze.

Zur Nahrungssuche benötigt er dagegen offene oder halboffene Gewässer mit ausreichend Fischen, Amphibien und anderen Wassertieren.

Sein Lebensraum besteht deshalb nicht aus einem einzelnen Biotop, sondern aus einem ganzen Netzwerk unterschiedlicher Landschaftselemente.



Infografik zum Schwarzstorch mit Vogel im Moor, Beobachtungstipps, Warnhinweis und mehreren Naturfotos im Wald.


Das sogenannte „Flaggen“

Bei Balz- und Revierflügen können Schwarzstörche ihre weißen Unterschwanzdecken auffällig spreizen.

Diese hellen Federn heben sich deutlich vom dunklen Schwanz ab und sind auch aus größerer Entfernung erkennbar.

Dieses Verhalten wird gelegentlich als „Flaggen“ bezeichnet.

Die auffällige Präsentation kann sowohl Bestandteil der Balz als auch territorialer Kommunikation sein.

Gerade über dicht bewaldeten Brutgebieten können solche optischen Signale für Artgenossen weithin sichtbar sein.


Infografik zum Schwarzstorch im Flug über Wald und Seen, mit Flügelspannweite 173–205 cm und Merkmalen in Schwarz-Weiß-Rot.




Nahrung: Jäger zwischen Wald und Wasser

Der Schwarzstorch ernährt sich nahezu vollständig von tierischer Nahrung.

Besonders wichtig sind:

  • Fische

  • Frösche

  • Molche

  • Amphibienlarven

  • Krebse

  • Wasserinsekten

  • Insektenlarven

  • weitere kleine Wirbellose

Je nach Lebensraum und Jahreszeit können gelegentlich auch andere kleine Tiere erbeutet werden.

Welche Beute überwiegt, hängt stark vom örtlichen Nahrungsangebot ab.

Besonders während der Jungenaufzucht spielen Fische und andere wassergebundene Beutetiere eine wichtige Rolle.


Infografik mit Schwarzstorch im Bach; Titel Nahrungstiere des Schwarzstorchs. Unten Nahrung und Verbreitung in Deutschland.

Jagdtechnik im flachen Wasser

Schwarzstörche suchen bevorzugt in seichten Gewässern nach Nahrung.

Dabei watet der Vogel langsam durch das Wasser und beobachtet aufmerksam den Untergrund. Entdeckt er einen Fisch, eine Kaulquappe oder eine andere Beute, stößt er schnell mit seinem langen Schnabel zu.


Besonders wertvoll sind deshalb:

  • langsam fließende Bäche

  • flache Waldgewässer

  • kleine Tümpel

  • Überschwemmungsflächen

  • Feuchtwiesen

  • naturnahe Uferbereiche

Auch auf frisch gemähten oder feuchten Wiesen können Schwarzstörche nach Insekten und anderen kleinen Tieren suchen.


Infografik zum Schwarzstorch: großer Storch fängt Fisch im Bach, umgeben von Textkästen zu Jagd, Nahrung, Lebensraum und Schutz.

Warum saubere Bäche so wichtig sind

Der Schwarzstorch ist eng an funktionierende Gewässerökosysteme gebunden.

Naturnahe Waldbäche bieten nicht nur Fische und Amphibien, sondern auch zahlreiche Wasserinsekten und andere Wirbellose.

Werden Bäche begradigt, Feuchtflächen entwässert oder kleine Gewässer während längerer Trockenperioden vollständig trocken, verschlechtert sich das Nahrungsangebot.

Die Renaturierung von Bächen, Auen und Feuchtgebieten kann deshalb den Lebensraum des Schwarzstorchs deutlich verbessern.

Davon profitieren gleichzeitig viele weitere Arten wie Amphibien, Fische, Libellen und andere Wasserorganismen.



Infografik zum Schwarzstorch im Flug über Wald und Seen, mit deutschen Infos zu Flugtechnik, Jagd, Balz und Beobachtung.

Verhalten: Scheuer Bewohner großer Waldgebiete

Der Schwarzstorch gilt als ausgesprochen zurückhaltender Vogel.

Besonders während der Brutzeit meidet er häufig stark frequentierte Bereiche und reagiert empfindlich auf wiederholte Störungen in unmittelbarer Horstnähe.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Schwarzstörche grundsätzlich menschenleere Landschaften benötigen.

Entscheidend sind vor allem Ruhe am Brutplatz, ausreichender Sichtschutz und verlässliche Nahrungsgebiete.

Außerhalb der Brutzeit können Schwarzstörche deutlich offener auftreten und beispielsweise an größeren Teichen, Flüssen oder Feuchtgebieten beobachtet werden.


Territorial während der Brutzeit

Während der Fortpflanzungszeit verteidigen Schwarzstörche ihr Brutgebiet gegenüber Artgenossen.

Dabei können auffällige Revier- und Balzflüge stattfinden.

Außerhalb der Brutzeit leben die Tiere häufig einzeln oder in kleinen Gruppen.

Während des Vogelzuges können sich dagegen mehrere Schwarzstörche an besonders ergiebigen Rast- und Nahrungsgebieten versammeln.


Balzflüge hoch über dem Wald

Eine besonders eindrucksvolle Verhaltensweise sind die Balzflüge.

Paare können gemeinsam in der Thermik kreisen und dabei ausgesprochen synchron fliegen.

Zu den beobachteten Elementen gehören:

  • gemeinsames Parallelsegeln

  • enge Synchronflüge

  • schnelle Richtungswechsel

  • Flugrufe

  • Präsentation der weißen Unterschwanzdecken

Solche Balzflüge treten besonders während der frühen Phase der Fortpflanzungszeit auf.


Zwei Schwarzstörche im Nest. Der Schwarzstorch – Der geheimnisvolle Waldbewohner im Waldhintergrund.


Gefiederpflege und Ruheverhalten

Wie andere große Vögel verbringen Schwarzstörche einen Teil des Tages mit intensiver Gefiederpflege.

Mit dem Schnabel werden die einzelnen Federn gereinigt und geordnet.

Auch gegenseitige Gefiederpflege zwischen Partnern wurde beobachtet.

Beim Ruhen kann der Schwarzstorch auf einem Bein stehen. Schlaf- und Ruheplätze befinden sich häufig auf Bäumen oder anderen sicheren erhöhten Stellen.


Zugverhalten: Auf zwei Wegen nach Afrika

Der Schwarzstorch ist in Mitteleuropa überwiegend ein Langstreckenzieher.

Der Abzug aus den Brutgebieten beginnt teilweise bereits ab Mitte bis Ende Juli und setzt sich im Spätsommer fort.

Deutschland liegt dabei im Bereich einer sogenannten Zugscheide.

Ein Teil der Tiere zieht über eine westliche Route:

Deutschland – Frankreich – Spanien – Gibraltar – Westafrika.

Andere Schwarzstörche nutzen die östliche Route:

Mitteleuropa – Balkan – Bosporus – Israel – Ägypten – Ost- und Zentralafrika.

Dadurch können Tiere aus relativ nahe beieinanderliegenden Brutgebieten unterschiedliche Zugwege nutzen.


Nicht alle Schwarzstörche ziehen bis Afrika

Die klassischen Winterquartiere liegen überwiegend südlich der Sahara.

Seit mehreren Jahrzehnten werden jedoch zunehmend Schwarzstörche beobachtet, die bereits auf der Iberischen Halbinsel überwintern.

Vereinzelt gibt es sogar Überwinterungsversuche in Mitteleuropa.

Im Frühjahr kehren die meisten Schwarzstörche bereits im März wieder in ihre mitteleuropäischen Brutgebiete zurück.


Schwarzstorch im Flug vor blauem Himmel, mit ausgebreiteten schwarzen Flügeln und rotem Schnabel.

Rastplätze während des Vogelzugs

Auf dem Zug können sich Schwarzstörche zeitweise zu größeren Gruppen zusammenschließen.

Besonders attraktive Rastgebiete sind:

  • Flussauen

  • Fischteichgebiete

  • Feuchtwiesen

  • Überschwemmungsflächen

  • größere Flachwasserzonen

In Deutschland spielen unter anderem die Flusslandschaften von Elbe, Oder und Donau eine Rolle als Rast- und Nahrungsgebiete.

Der Spätsommer bietet deshalb häufig bessere Beobachtungsmöglichkeiten als die eigentliche Brutzeit.


Verbreitung des Schwarzstorchs

Das Brutgebiet von Ciconia nigra erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis.

Es reicht von Südwest- und Mitteleuropa über Osteuropa und große Teile Asiens bis an die Pazifikküste.

Daneben existiert im südlichen Afrika eine getrennte Brutpopulation.

In Europa liegen wichtige Vorkommen vor allem in waldreichen Regionen Mittel- und Osteuropas.


Schwarzstorch mit drei weißen Küken im Nest im grünen Wald.




Steckbrief: Schwarzstorch

Name: Schwarzstorch

Wissenschaftlicher Name: Ciconia nigra

Familie: Störche (Ciconiidae)

Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)

Körpergröße: etwa 90–105 cm

Flügelspannweite: etwa 173–205 cm

Gewicht: ungefähr 2,4–3 kg

Gefieder: überwiegend schwarz mit metallisch grünlichem bis violettem Glanz, Unterseite weiß

Schnabel und Beine: bei Altvögeln rot, bei Jungvögeln zunächst graugrün

Lebensraum: störungsarme Laub- und Mischwälder mit Bächen, Tümpeln, Feuchtwiesen und Sümpfen

Nahrung: Fische, Amphibien und deren Larven, Krebse, Wasserinsekten und andere kleine Tiere

Sozialverhalten: während der Brutzeit territorial

Geschlechtsreife: frühestens ab dem dritten Lebensjahr

Eiablage: hauptsächlich Mitte April bis Mitte Mai

Gelege: meist 2–4 Eier

Brutdauer: etwa 32–38 Tage

Nestlingszeit: ungefähr 64–70 Tage

Bruten: eine pro Jahr

Zugverhalten: überwiegend Langstreckenzieher

Winterquartier: hauptsächlich Afrika südlich der Sahara, zunehmend auch Südwesteuropa

Bestand Deutschland: zuletzt bundesweit mit etwa 800–900 Brutpaaren angegeben

Rote Liste Deutschland: ungefährdet

Höchstalter: bei beringten Wildvögeln sind mehr als 18 Jahre dokumentiert

Besonderheit: scheuer Waldstorch mit großem Aktionsradius zwischen Horst und Nahrungsgewässern


Fazit: Botschafter alter Wälder und sauberer Gewässer

Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) gehört zu den faszinierendsten Großvögeln unserer Wälder.

Sein metallisch schimmerndes Gefieder, seine eindrucksvollen Thermikflüge und seine versteckte Lebensweise machen jede Beobachtung zu einem besonderen Erlebnis.

Gleichzeitig zeigt der Schwarzstorch, wie eng Wald- und Gewässerschutz miteinander verbunden sind. Für eine erfolgreiche Brut braucht er alte Bäume und störungsarme Waldgebiete, für seine Nahrung dagegen naturnahe Bäche, Tümpel und Feuchtwiesen.

Sein Bestand hat sich in Deutschland nach einem historischen Tief deutlich erholt. Damit diese Entwicklung langfristig bestehen bleibt, sind der Schutz alter Horstbäume, störungsarme Brutplätze und intakte Gewässer weiterhin entscheidend.


Ein Schwarzstorch steht im Wasser und sucht nach Nahrung, im Hintergrund grünes Wasser.



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